7.10.2011 12:05
Quelle: schweizerbauer.ch - Stephan Schmidlin
Biogas
Biogasanlagen werden handlich
Bislang war Biogas aus Gülle nicht wirtschaftlich. Mit einem neuen System soll Biogas neu auch nur mit Gülle wirtschaftlich produziert werden können.

Eine Innovation im Bereich der Biogasproduktion präsentiert die Consentis Anlagenbau GmbH anlässlich der Agritechnica 2011. Der neue Con2-Fermenter ist ein  Konzept, das erstmalig die Möglichkeit bietet, Biogasanlagen bis zu einer Leistung von 75 kW ausschliesslich mit Gülle wirtschaftlich zu betreiben. Dieses patentierte System ist konform zum EEG 2012 und zeigt neue Wege auf, nicht nur Biogas wirtschaftlich zu produzieren, sondern auch die notwendige gesellschaftliche Akzeptanz zu erhalten. Dies , da zu einer rentablen Auslastung der Anlage neben der Gülle  keine weiteren Substrate  vergärt werden  müssen. Natürlich kann das System aber auch zur Vergärung von organischem Abfall und Reststoffen eingesetzt werden.

Die Strömung machts

Im Mittelpunkt steht ein modulares Fermenter-System, welches hocheffizient arbeitet und deutlich kleiner ist als konventionelle Biogasanlagen der gleichen Leistungsklasse. Damit kann es  flexibel auf landwirtschaftlichen Betrieben mit entsprechendem Gülleaufkommen eingesetzt werden. Auch vermeintlich unwirtschaftliche Substrate wie Schweinegülle können so zur Produktion von wertvollem Biogas genutzt werden.  Das technische System basiert auf einen Mehrkammer-Bioreaktor, der durch eine spezielle Strömungsführung weiterentwickelt wurde. Einzelne Mikroorganismengruppen des anaeroben Fermentationsprozesses finden optimale Bedingungen für den Abbau von organischen Materialien.

Durch dieses Konstruktions- und Wirkprinzip wird der gesamte Prozess der Umwandlung effizienter, stabiler und robuster gegen äussere Einflüsse. Das System ist deutlich unanfälliger gegen Schwankungen in der Substratzusammensetzung, -qualität und -menge. Zudem besitzt der Con2-Fermenter eine hohe Substratumsatzgeschwindigkeit, nicht zuletzt aufgrund der kurzen Verweildauer. Zudem zeichnet sich das System durch geringe Wartungsarbeiten aus, denn es sind keine mechanischen oder bewegten Bauteile im Fermenter enthalten.

Anpassung möglich

Je nach gewünschter Biogas-Produktionsmenge kann der Con2-Fermenter modulartig erweitert werden. So besteht eine Anlage mit einer Leistung von 75 kW aus drei Modulen und vergärt  etwa 12000 m3 Gülle pro Jahr.  Wer weniger Gülle hat, kann die Anlage natürlich auch nur mit einem Modul betreiben. Das System folgt den Prinzipien eines Multifunctional Anaerobic Baffled Reactor (MABR) und kommt ursprünglich aus der Abwasserreinigung. Con2 hat dabei eine interne Mikroorganismenrückhaltung mit einer gleichzeitigen Entkopplung der hydraulischen Verweilzeit von der Feststoffverweilzeit.

Dadurch kommt es zu einer Maximierung des Substratdurchsatzes und einer Minimierung des Fermentervolumens. Obwohl die Lösung individuell auf die Bedürfnisse des einzelnen Betriebes angepasst werden kann, amortisiert sich die Anlage durch die konsequente Modulbauweise bereits in kurzer Zeit. Der Preis für eine komplette Biogasanlage nach dem Prinzip von Con2 soll gemäss Consentis etwa 5000 Euro pro Kilowatt kosten.

Grosse Oberfläche

Der neuartige Fermenter übernimmt eine Technik, welche bei anderen technischen Anwendungen wie beispielsweise bei der Erzeugung von Heissdampf oder in Katalysatoren bereits seit langem angewendet wird. Durch die Unterteilung in in mehrere Kammern wird zum einen die Durchflussgeschwindigkeit erhöht. Zum anderen wird auch der Prozess der Fermentation besser strukturiert. Das hat beispielsweise den Vorteil, dass das frische Substrat sich nicht mit dem bereits fermentierten mischt.

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