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Eine Erfolgsgeschichte feierte letzten Herbst ihren zehnten Jahrestag: der Muotataler Alpkäsemarkt oder «Alpchäsmärcht», wie die Einheimischen zu sagen pflegen. An zwei Markttagen kommen weit mehr als 10000 Besucher aus der ganzen Schweiz und sogar aus dem nahen Ausland ins Tal und kaufen Käse im Wert von 100000 Franken. Daneben werden auch Speis und Trank, Handarbeiten und Produkte aus Stall, Hof und Garten verkauft. Der ganze Markt bringt einen Umsatz von mehr als 300000 Franken.
Aus der Not gehandelt
Die Idee, den Alpkäse aus dem Tal an einem grossen Markt gemeinsam zu verkaufen, kam den Muotataler Älplern im Februar 1996. «Wir lieferten unseren Alpkäse an die Winterthurer Verbandsmolkerei – der Absatz war vorhanden, aber der Preis schrumpfte immer tiefer», blickt Markus Betschart (36), Kassier der IG Alpkäsemarkt, zurück. Nur noch zwischen 11 und 12 Franken habe das Kilo Alpkäse gegolten, zu wenig, um die Produktionskosten zu decken. Kurzerhand wurden alle Älpler aus dem Tal zu einem Treffen eingeladen, und langsam nahm die Idee Formen an. «Am ersten Markt im Oktober 1996 waren wir total 20 Aussteller, darunter elf Älpler, der Dorfmetzger, die Dorfkäserei, die Konditorei und ein Riemensticker», erzählt Simon Schelbert (46), heutiger Alpkäsemarkt-OK-Präsident. Und es lief überraschend gut: «Wir wurden von den Marktbesuchern überrannt», lacht Schelbert. Über 3000 Besucher kauften 1100 Kilo Käse. Damit hatte niemand gerechnet.
1500 Beizen-Sitzplätze
Seit dem zaghaften Beginn der Käsemarkt-Erfolgsstory ist der Anlass stetig gewachsen. Fand der erste Markt noch in der Muotathaler Mehrzweckhalle statt, musste bereits nach fünf Jahren die Aula dazugemietet werden. Weitere drei Jahre später wurde ein grosses Festzelt aufgestellt, und bei der zehnten Auflage wurde der Käsemarkt auf zwei Tage ausgedehnt. «Heute bieten wir den Gästen in drei Restaurants 1300 gedeckte Sitzplätze und 200 Plätze unter freiem Himmel an», sagt Pressechef Werner Betschart (41).
Wichtige Werbewirkung
Doch im Zentrum des Interesses steht auch nach elf Jahren erfolgreicher Marktgeschichte immer noch der hiesige Alpkäse. Jeder der 19 Alpkäser hat am Markt seinen eigenen Stand und verkauft seinen Alpkäse und andere Spezialitäten aus eigener Produktion. «6500 Kilo gingen im Jubiläumsjahr 2005 über die Theken», sagt Simon Schelbert stolz. Zwar nur knapp 15 Prozent der gesamten Produktion aus der Talschaft – aber trotzdem eine tolle Leistung, wenn man bedenkt, dass der meiste Käse 100-Gramm-weise in Einkaufstaschen vom Markt getragen wird.
Wichtiger als der grosse Absatz sei denn auch die Werbewirkung, welche der Markt für einheimischen Alpkäse hat, meint OK-Präsident Schelbert. «Wichtig ist das Bekanntwerden.» Er selber verkauft am Markt 5 Prozent seiner Produktion, der Rest wird privat und über die Dorfmolkerei vermarktet – teilweise bis nach Deutschland, Brasilien und Amerika.
Einheitlicher Preis
Verkauft wird der junge Alpkäse am Markt zum Einheitspreis von 17 Franken pro Kilo im Detailverkauf; 16 Franken kostet das Kilo für Kunden, die gleich laibweise einkaufen.
Angesprochen auf ihre Zukunft als Älpler, verdüstern sich die Blicke der drei Bauern merklich. «Der Preisdruck wird grösser, das spüren wir. Irgendwann kommen wir nicht mehr darum herum, uns zusammenzuschliessen, um günstiger zu produzieren», sagt Schelbert. Doch seine Miene hellt sich auf, als er sagt: «Den Muotitaler Alpchäsmärcht werden wir aber mit Erfolg weiterführen.»Der nächste Alpkäsemarkt findet am 28. und 29. Oktober statt.