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ePaper Schweizer Bauer
Der Saal tobt, als Alfred Buess, Jury-Präsident, den Gewinner des Agropreises 2006 bekannt gibt: Sam’s Söibluemewy. «Neben all den wirtschaftlichen und unternehmerischen Aspekten soll das Gewinnerprojekt gefallen, beeindrucken, begeistern – es soll auf seine Weise einen gehörigen Schuss Genialität aufweisen. Und alle diese Kriterien erfüllt Sam’s Söibluemewy in hohem Mass», so der Jurypräsident. In der Tat begeistert das Projekt nicht nur die mitgereisten Freunde und Bekannten. Mit ihrer Präsentation des Projektes zielen Susanne und Samuel Berger mit ihren Kindern auf das Herz der Gäste — und treffen ins Schwarze. Die über 1000 Gäste wählen ihr Lieblingsprojekt für den mit 2000 Franken dotierten Saalpreis aus und entschieden sich mit 431 Stimmen für Sam’s Söibluemewy.
Nutzen, was da ist
Was Jury und Gäste wohl gleichermassen beeindruckt hat, ist die Tatsache, dass bei Sam’s Söibluemewy etwas genutzt wird, das auf dem Milchwirtschaftsbetrieb in Homberg BE bereits bei Projektbeginn im Überfluss vorhanden war — Löwenzahn, oder eben «Söibluemen». Aus ein paar Flaschen Söibluemewy für die Taufe von Tochter Rahel wurden 6500 Flaschen pro Jahr. Der Erfindergeist von Samuel und Susanne Berger ist indes ungebrochen. Neben einer mit Söibluemewy gefüllten Schoggikugel und Söiblueme-Likör tüfteln sie bereits an neuen Produkten im Getränke und Käsebereich. Sam’s Söibluemewy zeigt eindrücklich, dass die Chancen oft vor der (Hof-)Tür liegen.
Publikumspreis
So auch beim Projekt Windpower AG der Familie Aregger aus Rengg LU, Gewinner des Publikumspreises von «Schweizer Bauer» und «Terre & Nature» im Wert von 3000 Franken. Roland Aregger, Geschäftsführer der «Familien-AG», ist mit dem Wind im Entlebuch aufgewachsen und wollte Windstrom für den Eigenbedarf des Betriebes produzieren. Heute verkauft die Windpower AG rund eine Million Kilowattstunden an das Zentralschweizer Elektritizätswerk. Der Weg von der Idee zum Erfolg war auch hier lang und mit Herausforderungen gepflastert — zum Beispiel musste das Land, auf welchem die Windturbine aufgestellt werden sollte, umgezont werden. Zukunftsorientiert auch dieses Projekt: die Umzonung auf dem Land von Areggers umfasst Platz für zwei Windturbinen.
«Sie dürfen stolz sein»
Innovation bedinge ein inneres Feuer, ein «feu sacré», so Hansjörg Walter in seiner Rede. «Doch inneres Feuer ist nicht genug. Innovation braucht viel Wille, Überzeugung und Kraft.» Etwas, was alle nominierten Projekte auszeichne. Auf einen Favoriten wollte sich der Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes gegenüber dem «Schweizer Bauer»-Redaktor Daniel Banga, welcher den Agropreis als Nachfolger von Peter Marthaler zum ersten Mal moderierte, nicht festlegen. Er sei beeindruckt von der Eigenständigkeit der Muotataler Älpler. Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht und den Muotitaler Alpchäsmärcht auf die Beine gestellt, welcher inzwischen einen stolzen Umsatz von 300000 Franken bringt. Sam’s Söibluemewy besetze erfolgreich eine Nische, und Le bon vaudois, ein Käse, für welchen der Milch Wein beigemischt wird, sei schon an und für sich ein geheimnisvolles Produkt. Das soziale Engagement von Susi’s Kochtopf, ein Projekt, bei welchem aus Schweizer Landwirtschaftsprodukten Fertigmahlzeiten hergestellt werden, sei beeindruckend, und das Projekt Windpower AG zeige auf, wie schwierig es manchmal in der Schweiz sei, die nötigen Bewilligungen zu erhalten
«Der Durchhaltewille bei allen Projekten hat mich beeindruckt. Sie können stolz sein.»
Medienpreis
Zwei Journalisten wurden für ihr Engagement, der städtischen Bevölkerung einen differenziertes Bild der Schweizer Landwirtschaft aufzuzeigen, mit dem Medienpreis von je 3000 Franken belohnt. Urs Bruderer für seinen Artikel «Die Risikokapitalisten», erschienen im «Facts», sein Kollege Eric Felley für seinen Artikel «Les femmes sont l’avenir du vin», erschienen im «l’Hebdo», beide Artikel erschienen im November 2005.
Lehre gezogen
Eine Lehre aus der Agropreis-Verleihung zog Andreas Rickenbacher, Regierungsrat des Kantons Bern: Nie mehr zwei Verpflichtungen an einem Abend! Wegen einer weiteren Veranstaltung am selben Abend musste er die Agropreis-Verleihung vorzeitig verlassen. Dies sei umso bedauerlicher, da er generell nicht so viele Anlässe besuche. «Nicht aus Mangel an Interesse», versicherte er, «aber aus Rücksicht auf meine Familie.» Andreas Rickenbacher ist Vater einer 20-monatigen Tochter. Wegen seinem Termindruck fehlte Rickenbacher denn auch beim festlichen Ausklang des Agropreises 2006, wo neben Sam’s Söibluemewy auch Muotataler Alpkäse und Le bon vaudois degustiert werden konnte.