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Für Österreichs Landwirtschaft brachte der EU-Beitritt nicht nur zusätzliche Märkte, er brachte auch zusätzlichen Wettbewerb und vergrösserte damit den Zwang der Bauern, sich mit immer effizienterer Produktion gegenseitig preislich zu unterbieten. Als sich in der Folge auch die Detailhändler mit Dumpingpreisen unterboten, waren die Bauern nicht mehr bereit, die Preiserosion hinzunehmen. Sie begannen – wie ihre Kollegen in der Schweiz – sich für einen europäischen Milchstreik zu organisieren. Es entstand die IG Milch, die heute rund 2500 Mitglieder zählt. Doch zur radikalen Massnahme Milchstreik ist zurzeit nur ein kleiner Teil der Milchproduzenten bereit. In der Folge übertrug die IG Milch in Österreich das Max-Havelaar-System auf den heimischen Milchmarkt, sie brachte eine Fair-Preis-Milch auf den Markt.
Seit rund drei Monaten stehen nun in den Regalen der beiden Handelsketten Spar und Zielpunkt Packungen von «A faire Milch». Sie kosten pro Liter mit 1 Euro 9 Cents (1.73 CHF) sogar mehr als die Biomilch. Dafür ist garantiert, dass die Bauern mindestens 40 Cents (63 Rappen) erhalten, also rund 15 Rappen mehr als bei einer konventionellen Milch.
Geworben wird mit folgenden Argumenten: «A faire Milch» ermögliche den Fortbestand von tausenden von Milchbauern in Österreich und ermögliche die Erhaltung der grossartigen Kultur- und Naherholungslandschaft. Zudem sicherten die Konsumenten so die Zukunft des ländlichen Raums. Die Milch wird garantiert GVO-frei produziert und stammt garantiert aus der Region. Trotz zum Teil ausführlichen Medienberichten hält sich der Markterfolg in Grenzen. Immerhin kommt «A faire Milch» bei den anbietenden Spar-Läden auf rund 5 Prozent der verkauften Milchmenge.
Für den Mitinitianten Ernst Halbmayr bietet das Projekt die Möglichkeit, der nach industriellen Prinzipien organisierten Agrarwirtschaft die Stirn zu bieten. «Die nachhaltigste und damit effizienteste Landwirtschaft ist die klein- und mittelbäuerliche Produktion», sagt Halbmayr gegenüber der Zeitung «Cash». Den Schweizer Bauern rät er, nicht zu fest an die Versprechen der Agrarmarktöffnung zu glauben: «Man tischt den Bauern überall Märchen auf, damit sie sich nicht gegen eine Liberalisierung wehren», meint der Österreicher.