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«Was bringt meine Schule, wenn die jungen Leute in die Städte ziehen und ich keine Arbeit in die Region bringe?» Mit dieser Feststellung begann vor über zehn Jahren die Tätigkeit von Pfarrer Bertram Wick als Missionar in Ecuador. Aus dieser Feststellung heraus resultierte dann das Projekt Colonche Line. Das Projekt hat zum Ziel, aus dem Extrakt der Aloe vera aus dem Gebiet von Colonche hochwertige Kosmetika herzustellen. Zurzeit stehen 17 kosmetische Artikel im Sortiment sowie ein naturreiner Aloe-vera-Saft.
Raues Klima
Colonche ist eine Region im Westen Ecuadors, karg und wüstenartig. Anbauprojekte mit anderen Kulturen wie Mais oder Gemüse scheiterten an den klimatischen Bedingungen. Einzig die Aloe vera, ein kaktusähnliches Liliengewächs, gedeiht selbst unter diesen Bedingungen bestens.
Neben der Genügsamkeit der Pflanze spricht aber noch ein anderes Argument für den Anbau von Aloe vera. Zurzeit sind rund 300 verschiedene Inhaltsstoffe bekannt. Neben den Mineralstoffen Kalzium, Magnesium, Zink und Selen können aus Aloe vera noch Vitamine, Aminosäuren und andere weitere Pflanzenstoffe gewonnen werden. Aloe vera kann zur medizinischen und kosmetischen Anwendung benutzt werden. In den letzten Jahren erinnern sich immer mehr Leute auf die Heilkräfte dieser Pflanze. Sie erfährt zurzeit einen wahren Boom.
Ökologischer Anbau
Beim Projekt von Pfarrer Bertram wird grosser Wert auf den ökologischen Anbau gelegt. Ausser manueller Unkrautvertilgung und Wässerung brauchen die Plantagen keine weitere Pflege. Zurzeit werden noch 70 Hektaren bearbeitet, da aber vor einiger Zeit ein grosser Kunde mit einem Auftragsvolumen von jährlich 1000 Tonnen seine Produktion aufgegeben hat, wird die Fläche auf rund 7 Hektaren reduziert. Ausser der Colonche Line, welche die Produkte in der Schweiz, Deutschland und Österreich vertreibt, gibt es aktuell keinen weiteren Abnehmer.
Rasche Verarbeitung
Vom Klima her – Ecuador liegt am Äquator – könnte Aloe vera theoretisch das ganze Jahr über geerntet werden. «Produziert wird aber nur, wenn Bedarf da ist und der lokale Verarbeiter uns eine Produktionsnische anbietet. Während der Mangoproduktion von Oktober bis Januar will er aber nichts von uns wissen», ergänzt Pfarrer Bertram.
Aloe vera muss nach der Ernte rasch verarbeitet werden. Dabei ist nicht das Austrocknen das Problem, sondern der Inhaltsstoff «Aloin», welcher sich in der Aussenhaut befindet und nach der Ernte allmählich das Blattmark durchdringt. Aus Selbstschutz versucht die Aloe-vera-Pflanze nämlich, nach dem Schnitt die Wunde wieder zu schliessen. Aloin wirkt stark «abführend» und darf nur in geringster Konzentration in Nahrungsmitteln sein. Deshalb muss sie innerhalb von 6Stunden geschält und gekühlt werden.
In der Fabrik wird die Pflanze dann kurze Zeit pasteurisiert und für den Transport in Fässer abgefüllt. Der Verarbeiter verlangt einen Preis von 450 US-Dollar/Tonne Aloekristall, aseptisch in 200-Liter-Fässern abgepackt. Der Transport dauert auf dem Schiffsweg rund vier Wochen. Das Rohextrakt kann während eines Jahres gelagert werden und muss dann verarbeitet werden.
Schweizer Finish
Die Produkte werden in der Schweiz gemischt, abgefüllt und verpackt. Für die Geschäfte in der Schweiz ist Bernadette Bucher-Wick, die Schwester von Bertram, zuständig. Vertrieben werden die Produkte im Direktversand via Website oder in ausgesuchten Verkaufsgeschäften. Colonche Line ist in der Schweiz als Verein organisiert. Alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich oder zu Minimaltarifen. Das ermöglichte, dass in letzter Zeit jährlich rund 70000 US-Dollar reinvestiert werden konnten. In erster Linie fliesst das Geld in Schulen, damit den Kindern aus der Umgebung ein guter Start ins Berufsleben ermöglicht werden kann. Daneben wird auch in die Infrastruktur (Schulbauten, Pausenplätze, Computeranlagen) und vereinzelt in Lehrerlöhne investiert.
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