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Die Aussicht auf hohe Renditen lockt immer mehr ausländische Firmen, auf dem brasilianischen Zuckermarkt aktiv zu werden. Zu den Pionieren in dem südamerikanischen Land zählen die Louis-Dreyfus-Gruppe als Grosshändler und der grösste französische Zuckerkonzern Tereos. Aber auch Firmen wie Cargill, die Kuok-Gruppe aus Singapur, die von dem ungarisch-amerikanischen Investor George Soros gegründete Beteiligungsgesellschaft Adeco Agro, die weltweit agierende Zuckerhandelsgesellschaft Sucden mit Sitz in London oder das US-Unternehmen Clean Energie sind in den letzten Jahren in den brasilianischen Zuckermarkt eingestiegen, der trotz aktuell rückläufiger Notierungen für Zucker und Bioethanol noch immer satte Gewinnmargen verspricht. Auch Europas grösster Zuckerhersteller, die Südzucker AG, strebt nach Brasilien. Zunächst will der Konzern über das Tochterunternehmen Hottlet South America (Hosa) im südamerikanischen Zuckerhandel aktiv werden
Mehr in Bioalkoholverarbeitung
Angesichts der anhaltenden Talfahrt der Zuckerpreise - der Wert des in New York gehandelten Rohzuckerkontrakts Nummer 11 hat sich innerhalb eines Jahres um ein Viertel auf weniger als 10 Cent/lb (15,96 Euro/dt) verringert - dürfte Zuckerrohr aus der laufenden Ernte verstärkt zu Biosprit verarbeitet werden. Während eine Tonne brasilianisches Zuckerrohr in der Kampagne 2006/07 noch jeweils zur Hälfte zu Zucker und Bioalkohol verarbeitet worden war, soll sich das Verhältnis in der laufenden Saison auf 47,4 zu 52,6 verschieben. Mit ein Grund dafür ist nach Angaben des US-Agrarressorts, dass die Regierung in Brasilia die Beimischungsquote zum 1. Juni 2007 von zuvor 23 Prozent auf 25 Prozent erhöht hat.
Preis entscheidet
Wie viel Biosprit im laufenden Wirtschaftsjahr tatsächlich in die Tanks brasilianischer Autos fliesst, hängt daher massgeblich von der Preisentwicklung an den internationalen Rohölmärkten ab, da die Entscheidung für einen bestimmten Treibstoff ausschliesslich über den Preis getroffen wird. Im Sog der Zuckerpreise haben in den letzten Monaten auch die Biospritnotierungen nachgegeben. Eine Gallone Bioethanol auf der Basis von Mais verbilligte sich an der Terminbörse von Chicago binnen Jahresfrist um gut ein Fünftel auf 1,83 $ (0,35 Euro). Allerdings verdienen die brasilianischen Biospritfabriken auch auf diesem Preisniveau weiter klotzig, da in den wirtschaftlichsten Anlagen inzwischen zu Kosten unter 20 Cent/l produziert wird.
Jedes dritte Auto ein FFV
Beim brasilianischen Automobilverband (Anfavea) geht man davon aus, dass im Jahr 2010 jedes dritte von voraussichtlich dann 25 Millionen Kraftfahrzeugen in Brasilien ein sogenanntes Flexible-Fuel-Fahrzeug (FFV) ist, das mit Bioethanol auch in wechselnden Mischungen betrieben werden kann. Mittlerweile haben FFV-Modelle einen Anteil von 80 Prozent an den Neuzulassungen in Brasilien.
Wachsender Rohstoffbedarf
Um die wachsende Zahl an Destillerien mit Rohstoff versorgen zu können, ist die Zuckerrohranbaufläche in Brasilien während der letzten Jahre kontinuierlich auf zuletzt 7,19 Mio Hektaren ausgeweitet worden. Laut einer Prognose der Union der Zuckerindustrie São Paulos (Unica) soll die Zahl der Biospritdestillerien in den nächsten fünf Jahren von derzeit 325 auf 410 steigen, wodurch sich der Ausstoss an Biosprit von 20,5 Mrd. Liter auf 38,5 Mrd. Liter fast verdoppeln könnte.
Um den Nachschub an Rohrzucker sicherzustellen, müsste das Zuckerrohrareal auf rund 10 Mio. Hektaren ausgeweitet werden. Derzeit wird Zuckerrohr auf gut 2 Prozent der insgesamt knapp 340 Mio. Hektaren Agrarland - einschliesslich 200 Mio. Hektaren Weiden - angebaut. In Washington hält man es für wenig wahrscheinlich, dass der Ausbau des Zuckerrohranbaus zu Lasten anderer Ackerkulturen wie Mais, Baumwolle oder Sojabohnen geht. Vielmehr würden durch die Intensivierung der Weidewirtschaft laufend Flächen freigesetzt,