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Nahrung oder Benzin?

Jean Ziegler will für 5 Jahre keinen Biotreibstoff mehr produzieren

Die Herstellung von Biotreibstoff aus Nahrungsmitteln verletzt nach Ansicht des UNO-Experten Jean Ziegler das Menschenrecht auf Nahrung. Die Konkurrenz zwischen Nahrungs-und Treibstoffproduktion führe zu mehr Hunger auf der Welt.

«Dieses Recht wird massiv verletzt», sagte der UNO- Berichterstatter für das Recht auf Nahrung am Dienstag vor dem Menschenrechtsrat der UNO in Genf. Bereits am Montag war sein Bericht über das weltweite Recht auf Nahrung veröffentlicht worden.

Ziegler setzte sich dafür ein, dass die Umwandlung von Nahrungsmitteln in Biotreibstoff für fünf Jahre ausgesetzt wird, um nach alternativen Möglichkeiten zu suchen. Die Explosion der Nahrungsmittelpreise treibe Hunderttausende von Menschen in den Tod, sagte Ziegler.

Treibstoff konkurrenziert Nahrungsmittel

In seinem Bericht führte der Schweizer Experte aus, es bestehe die Gefahr, dass es zu einer Konkurrenz zwischen Nahrungsmitteln und Treibstoff komme. Dabei wären die Armen und Hungrigen in den Entwicklungsländern den rasant steigenden Preisen für Nahrung, Land und Wasser hilflos ausgeliefert, schreibt der Soziologieprofessor.

Die von den USA und der Europäischen Union gesetzten Ziele für einen steigenden Anteil des Biotreibstoffs am Verbrauch könnten nicht durch landwirtschaftliche Produktion in den Industrieländern erreicht werden, schreibt Ziegler. Deswegen wichen die nördlichen Staaten auf Länder der südlichen Hemisphäre aus.

Zwar könne Agrartreibstoff auch positive Effekte auf den Klimawandel haben. «Es ist jedoch inakzeptabel, dass die steigende Produktion von Biotreibstoff zu mehr Hunger führen sollte.»

Eine von sechs Personen hungert

Die Situation der Menschen in den Entwicklungsländern verschlechtert sich laut Jean Ziegler stetig. Weltweit leiden zwölf Millionen Menschen mehr als vergangenes Jahr an Unternernährung. Eine von sechs Personen der Weltbevölkerung ist unternernährt, insgesamt mehr als 850 Millionen Menschen.

Gleichzeitig explodierten die Preise für landwirtschaftliche Produkte zwischen Januar 2007 und Januar 2008 um 41 Prozent. Die Preise für eine Tonne Getreide stiegen gar um 83 Prozent, wie der Schweizer Experte sagte.

Widersprüchliches Verhalten der Schweiz kritisiert

Ziegler kritisierte abschliessend und unter Applaus des UNO- Menschenrechtsrats das teil widersprüchliche Verhalten der westlichen Staaten bei der Nahrungsfrage. Auch die Schweiz geriet in die Kritik.

«Der Schweizer Botschafter Blaise Godet stimmt in der UNO für das Menschenrecht auf Nahrung, während sich der Schweizer Botschafter Luzius Wasescha in der WTO gegen die Reduktion der landwirtschaftlichen Subventionen einsetzt», sagte der UNO- Berichterstatter für das Recht auf Nahrung.


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sda [11.03.08 19:29]
Kommentare » Zur Blogs-Übersicht

AW: Jean Ziegler will für 5 Jahre keinen Biotreibstoff mehr produzieren
von: Ziegler  am: 13.03.2008 11:07:58 
Was heisst "Menschenrecht"?

AW: Jean Ziegler will für 5 Jahre keinen Biotreibstoff mehr produzieren
von: Sepp  am: 13.03.2008 13:00:07 
Wir haben lange genug der Agroindustrie in die Hand gearbeitet. In Zukunft müsste Landwirtschaft mit Humuswirtschaft gleich gestellt werden. Wir könnten sie viele Ungerechtigkeiten ausmerzen. Arbeit und Brot für alle würde wieder erschwinglich.

AW: Jean Ziegler will für 5 Jahre keinen Biotreibstoff mehr produzieren
von: Realist  am: 13.03.2008 15:06:19 
Die sollen nur Biotreibstoff produzieren. Dann wird die Nahrung teurer, somit lohnt sich die Bewirtschaftung, die Landflucht hört auf. Es werden schliesslich jährlich Mrd. in die Entwicklungshilfe gebuttert. Denn was nützt es, 3.Welt-Bauern auszubilden, wenn die Preise dann doch schlecht sind?

AW: Jean Ziegler will für 5 Jahre keinen Biotreibstoff mehr produzieren
von: Sorenti  am: 06.05.2008 23:53:53 
Solange die Regierungen dieser 'Hungerstaaten' nichts gegen Krieg, Waffen, Drogen und Korruption unternehemen, ist nicht einzusehen warum da auf der Produktion von Biotreibstoffen herumgeritten wird. Hier riecht es ganz arg nach den Interessen der Erdöllobby.

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