Der chinesische Milchskandal zieht immer weitere Kreise. Nach der Milch sind nun auch Kekse, Bonbons, Baby-Müsli und Reiswaffeln vom Melamin-Skandal betroffen.
Der Skandal um Melamin-verseuchtes Milchpulver in China hat zunehmend wirtschaftliche Folgen. Mehr und mehr Staaten vor allem in Asien verschärften ihre Kontrollen, riefen verdächtige Produkte zurück oder verboten sie gleich ganz.
Brunei, Singapur, Kambodscha, Indonesien, Taiwan und Malaysia verkündeten einen vorläufigen Einfuhrstopp für alle Milchprodukte aus der Volksrepublik. Taiwan verbannte auch milchfreie Produkte aus dem Handel, nachdem in ihnen ebenfalls Melamin entdeckt wurde.
Den chinesischen Ermittlern ist nach eigenen Angaben der bisher grösste Fang im vor einem Monat bekannt gewordenen Milchskandal gelungen. Sie nahmen einen Bauern unter dem Verdacht der Grossproduktion von Melaminhaltigem Milchpulver fest.
Die chinesischen Behörden haben in 31 Produkten auf Milchpulver-Basis die gefährliche Industriechemikalie Melamin gefunden. Die Behörde für Qualitätssicherung teilte am 1. Oktober 2008 mit, dies entspreche knapp zwölf Prozent von 265 geprüften Produkten.
Der Skandal um verseuchte Milch in China hat sich jetzt auch auf Schokolade ausgeweitet: Der britische Süsswarenhersteller Cadbury rief seine in China hergestellten Erzeugnisse aus den Regalen in Hongkong, Taiwan und Australie zurück.
Als Konsequenz aus dem sich ausweitenden Milchskandal in China will die EU ab Freitag die Einfuhr aller chinesischen Milchprodukte für Kinder verbieten. Zudem sollen die Kontrollen ausgeweitet werden.
Nach dem Skandal um verseuchte Milchprodukte will die chinesische Regierung die gesamte Molkerei- Industrie des Landes überprüfen. Lokale Behörden wurden aufgefordert, grundlegende Änderungen im Milchmarkt und bei Molkereiprodukten herbeizuführen.
Im deutschen Bundesland Baden-Württemberg sind mit der Industriechemikalie Melamin verseuchte Milchbonbons aufgetaucht. Das Verbraucherministerium in Stuttgart warnte am Mittwoch vor dem Verzehr der Süssigkeit der Marke «White Rabbit».
Im Skandal um verseuchte Milch in China fürchtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weitere Todesopfer. Ausserdem müssten voraussichtlich weitere Produkte aus dem Handel gezogen werden, sagte WHO-Vertreter Hans Troedsson am 26. September 2008.
Nach tagelangen Schreckensmeldungen hat China im Milch-Skandal Entwarnung gegeben. «Es gibt kein Problem. Alles ist unter Kontrolle gebracht», sagte Xiang Yuzhang, ein hochrangiger Vertreter der Nationalen Qualitätskontrolle.
Der Milchskandal in China könnte zum Glücksfall für die Schweizer Bauern werden. Weil das Vertrauen zu chinesischen Milchprodukten gegen Null sinkt, steigt die Nachfrage nach Importen, auch aus der Schweiz. Die Hochdorf-Gruppe beispielsweise spricht von stark gestiegener Nachfrage.