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ePaper Schweizer Bauer

«Ich halte erstens sowieso nicht viel von der Impfung, und zweitens ist es ein Blödsinn, dass man im Herbst noch impft», sagt ein Bauer aus der Zentralschweiz, der nicht genannt werden will. Erst am 13. Oktober sei er aufgefordert worden, seine Kühe zu impfen. Alle waren vorher auf der Alp. «Ich bin auf 1300 Meter über Meer. Noch kein einziger Fall von Blue Tongue trat über 1000 Meter auf. Deshalb verweigere ich die Impfung», erklärt er.
Impfgegner mobilisieren
In seiner Haltung bestärkt wurde er an einem Informationsabend der «Aktives eigenes gesundes Immunsystem» (Aegis) am 29. Oktober. Von den rund 160 anwesenden Personen hätten die einen schon geimpft gehabt und seien wegen der Nebenwirkungen der Impfung bei ihren Tieren gekommen. Daneben habe es aber auch einige gehabt, welche die Impfung verweigern: «Am Morgen nach dem Informationsabend hatten wir rund 40 Zentimeter Schnee», erzählt er weiter. Dies sei doch der Beweis, dass eine Impfung jetzt sowieso keinen Sinn mehr mache.
Noch ist nicht Winter
Kantonstierarzt Josef Risi vom Labor der Urkantone bestreitet, dass mit dem Wintereinbruch von letzter Woche die Gefahr einer Übertragung der Blauzungenkrankheit schon gebannt sei: «Im letzten Jahr traten die ersten Fälle im Oktober auf und dauerten dann bis Januar.»
Denn die Mücken könnten auch im Winter mindestens bis im Jaunar überleben, begründet der Kantonstierarzt.
4 neue Fälle in Schwyz
Als Beweis nennt er vier neue Fälle von erkrankten Rindern im Kanton Schwyz, welche erst am Montag bekannt wurden. Alle vier Tiere seien nicht geimpft gewesen: «In drei Beständen hat man noch gar keine Impfung gemacht, und in einem hatte die zweite Impfung noch nicht stattgefunden.» Gerade diese Beispiele würden zeigen, dass nicht geimpfte Bestände ein Risiko auch für andere Betriebe seien: «Denn die Mücke macht nicht vor den anderen Betrieben halt.» Risi glaubt allerdings nicht, dass sich die Bauern nur wegen des Wintereinbruchs gegen die Impfung wehren: «Widerstand nehmen wir aus Kreisen wahr, welche nicht in erster Linie wegen des Zeitpunkts, sondern einfach grundsätzlich nicht impfen wollen.» Und die Saison sei dann vielleicht ein Argument, das zusätzlich herhalten müsse.
Wenige Impfverweigerer
Das Labor der Urkantone habe zwar viele Anfragen von verunsicherten Tierhaltern. Aber Leute, die nicht impfen, seien im Promillebereich. «Einzelfälle geben bei uns allerdings viel zu tun und auch ausserhalb zu reden», berichtet Risi. Was passiert aber mit den Impfverweigerern? Noch könnten sie impfen, denn die Impfkampagne 2008 laufe noch. «Wir gehen davon aus, dass jetzt dann die Weidesaison abgeschlossen ist. Und dann müssen sie impfen», sagt Risi.
Auch auf eidgenössischer Ebene glaubt man nicht, dass es eine Massenbewegung gegen die Impfung gibt. «So viel ich weiss, sind es nur eine Handvoll Leute pro Kanton, welche die Impfung verweigern», sagt Marcel Falk, Sprecher beim Bundesamt für Veterinärwesen (BVet). Grundsätzlich habe man entschieden, dass die Tiere, welche von der Alp kommen, noch geimpft würden. Dazu gebe es zwei Gründe: «Erstens ist man noch nicht in der mückenfreien Periode. Es kann durchaus auch nach einer kurzen Kältephase wieder zu einer Ansteckung kommen. Die Ansteckungsperiode reicht bis weit in den Winter hinein. Zum anderen hält der Impfschutz lange an», erklärt Falk.
Nächstes Jahr wieder?
Und auch nächstes Jahr werde wieder geimpft, betont Falk: «Ob die Tiere, welche jetzt so spät geimpft wurden, noch einmal geimpft werden, hat man allerdings noch nicht entschieden.» Denn ob der Impfschutz bei diesen Tieren bis Dezember 2009 reiche, was nötig wäre, könne man immer besser abschätzen. Und auch zu den von den Impfgegnern vorgebrachten Nebenwirkungen der Impfung könne man dann im neuen Jahr genauere Aussagen machen: «Die Untersuchungen zu den Auswirkungen der Nebenwirkungen laufen noch.» Im Moment wolle er deshalb noch keine Aussage machen.
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