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Im Gegensatz zu Schafen, für die eine Blauzungen-Infektion tödlich sein kann, sind bei Ziegen nur selten klinische Krankheitszeichen zu beobachten. Noch seltener verläuft die Krankheit tödlich. «Ziegen werden nur selten krank und wenn, dann verläuft die Krankheit deutlich milder als bei Schafen», bestätigt Hansueli Ochs, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Tiergesundheit des Bundesamtes für Veterinärwesen BVet.
Dieser Umstand trägt wesentlich dazu bei, dass Ziegen während der Blauzungen-Impfkampagne, die am 1. Februar begonnen hat, nicht obligatorisch geimpft werden müssen.
Massgebend für den Entscheid war laut Ochs auch die Tatsache, dass der Ziegenbestand in der Schweiz relativ klein ist und am Impf-Abdeckungsgrad nur wenig ändert. Ausserdem gibt es für Ziegen keinen zugelassenen Impfstoff. «Insgesamt gesehen stehen Nutzen und Aufwand für eine flächendeckende Impfung von Ziegen in keinem Verhältnis», erklärt Ochs.
Ziegenhalter geteilt
Die Reaktionen der Ziegenhalter sind geteilt. Andreas Michel, Präsident des Ziegenzuchtverbandes Graubünden, hätte gerne ein Obligatorium gehabt: «Mücken, die das Virus übertragen, wurden in erstaunlichen Höhen, selbst im höchstgelegenen Dorf Europas, in Juf, gefunden.» Andere Befürworter eines Obligatoriums befürchten einen Imageverlust, wenn dereinst gesagt werden müsste, dass eine erneute Ausbreitung der Blauzungen-Krankheit von den nicht geimpften Ziegen ausging. Auch Jérôme Barras, Kantonstierarzt im Wallis, hegt Bedenken, dass sein Kanton mit seiner relativ hohen Ziegenpopulation ein Reservoir für Blauzungen-Viren sein könnte. «Wir können Ziegenzüchter nicht zwingen. Aber wir raten dringend dazu, die Impfung durchzuführen.»
Nebenwirkungen
Erleichtert sind dagegen jene Ziegenzüchter, die überzeugt sind, dass der bei Ziegen praktisch nicht erprobte Impfstoff zu gravierenden Nebenwirkungen führt. So wurden etwa Stimmen laut, dass neben Aborten oder erhöhten Zellzahlen in der Milch auch häufiger undefinierbare CAE-Untersuchungen auftreten würden.
Hansueli Ochs sind aber keine CAE-Reinfektionen bekannt, die auf die im letzten Jahr noch obligatorischen Impfungen zurückzuführen waren. Auch eine Häufung von Aborten oder erhöhte Zellzahlen konnten nach der letztjährigen Impfkampagne statistisch gesehen nicht beobachtet werden. «Auffällig war nur, dass bei Ziegen Schwellungen an der Einstichstelle auftraten, die deutlicher und länger anhaltend waren als bei Rindern oder Schafen.»
Kantone handeln selbst
Ziegenhalter können ihre Tiere aber auf freiwilliger Basis trotzdem impfen lassen. «Die Kantone werden angehalten, bei Ziegen dieselben Konditionen anzuwenden wie bei Schafen», rät Hansueli Ochs. In einigen Kantonen ist die Impfung gratis, so etwa im Kanton Wallis, «sofern sich die Ziegenzüchter rechtzeitig, noch im Laufe der nächsten Woche (bis zum 15. Februar), beim zuständigen Bestandes-Tierarzt anmelden», wie Jérôme Barras betont.
In Graubünden erwirkte der stellvertretende Kantonstierarzt Rudolf Thoma nach Gesprächen mit dem Ziegenzuchtverband gar ein Obligatorium über den Umweg der Sömmerungsvorschriften. «Nur geimpfte Tiere dürfen gealpt werden», erklärt Thoma. «Es ist nicht logisch, dass Ziegen, die genauso wie andere Wiederkäuer von Mücken gestochen werden können, nicht geimpft werden sollen.» Finanziert wird die Impfung in Graubünden über den kantonalen Tierseuchenfonds, in den Tierhalter für jedes geimpfte Tier zwei Franken zusätzlich einzahlen müssen.