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Milchmarkt

Europa: Bauern demonstrieren gegen sinkende Milchpreise

In der EU erhalten die Bauern für ihre Milch nur noch etwa halb so viel Geld wie vor einem Jahr. Am Montag haben in europäischen Hauptstädten Tausende Milchbauern gegen den rasanten Zerfall des Milchpreises protestiert. Zu Protesten kam es unter anderem in Paris, Berlin und Brüssel.
Vor den Türen des EU-Ratsgebäudes versammelten sich am Montag mehr als 2000 Milchbäuerinnen und Milchbauern aus ganz Europa. / EMB

Allein nach Brüssel waren nach Polizeiangaben Bauern aus zehn EU- Ländern angereist. Sie verlangen vor allem den Erhalt der Milchquote. Ähnlich wie die erst vor kurzem aufgehobene Schweizer Milchkontingentierung legt die EU-Milchquote Höchstmengen für die Produktion fest. Sie wird derzeit um jährlich ein Prozent angehoben und soll 2014/2015 ebenfalls auslaufen.

Im Kuhstall in Brüssel

In einem Kuhstall und doch mitten in Brüssel. Vor den Türen des EU-Ratsgebäudes versammelten sich als 2000 Milchbäuerinnen und Milchbauern aus ganz Europa mit ihren Kühen, um die tagenden Landwirtschaftsminister aufzufordern, dem Höfesterben in Europa mit sinnvollen Beschlüssen ein Ende zu setzen. Auf ihrem Marsch vom Gare Du Nord (Nordbahnhof) zum Ratsgebäude machten die Milcherzeuger mit Transparenten und ihren Stimmen deutlich, wie wichtig diese Beschlüsse seien. Eine Delegation des European Milk Board (EMB) hat sich daraufhin mit den Agrarministern zum Gespräch getroffen. 

«Nicht alle Agrarminister sperren sich gegen preisstabilisierende Massnahmen», heisst es in einer Mitteilung des EMB. In einem Brief Anfang Mai hatte der belgische Minister Benoît Lutgen seine europäischen Ministerkollegen aufgefordert, aktiv in diese Richtung zu arbeiten.

Milchquoten stilllegen

Der EU-Agrarministerrat sei jetzt gefragt, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die vom EMB vorgeschlagene flexible Mengenregulierung auf den Weg zu bringen. Als Sofortmassnahme fordert das EMB 5 Prozent der Milchquoten für die Dauer des Wirtschaftsjahres 2009/2010 stillzulegen. Mit ihren Beschlüssen, die die Ausweitung der Milchmenge forcierten,  hätten EU-Agrarrat und Kommission bis dato dafür gesorgt, dass die Handelskonzerne die Milchpreise europaweit stetig weiter senken konnten. «Der Rat hat ihnen damit noch mehr Macht eingeräumt und das Gleichgewicht zu Ungunsten der Bauern weiter verschoben», so Romuald Schaber, Präsident des EMB.

«Die Milchbauern in ganz Europa sind vollkommen an den Rand gedrängt und stehen inzwischen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand», ergänzt Ernst  Halbmayr,  Vorstandsmitglied des EMB.  «Es braucht  eine flexible Mengenregulierung, die eine angemessene Beschränkung der Milchmenge erlaubt; nur so werden die Bauern in die Lage versetzt, am Markt kostendeckende Milchpreise umsetzen zu können», so Halbmayr.

Bauern nicht einig

Nicht alle Bauern halten aber die Beibehaltung der Quote für den richtigen Weg. Diese werde heute nicht einmal voll ausgeschöpft, sagte Padraig Walshe, Präsident des Europäischen Bauernverbands copa, am Montag in Brüssel. Walshe, der in Irland selber Milch produziert, forderte von der Kommission stattdessen Massnahmen, die rasch greifen.

Er nannte etwa die vorgezogene Auszahlung von Direktzahlungen, um Liquiditätsengpässe bei den Bauern zu mildern. Bei einem Preis von 20 bis 25 Cent (30 bis 40 Rappen) pro Liter Milch könnten die Bauern heute nicht mehr kostendeckend produzieren, sagte Walshe. Weiter verlangte er zusätzliche Stützungskäufe von Butter und Milchpulver oder Subventionen für deren Verwertung.

Diese Massnahmen würden so weit als möglich fortgeführt, sagte ein Sprecher der Kommission am Montag. Die Kommission habe aber schon sehr viel für die Milchbauern getan. Am Ende liege es in deren Verantwortung, Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen. Die EU-Agrarminister wollen sich am Montagnachmittag mit dem Thema befassen.


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