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Interview mit Mr. Heubuuch

Silvio Pfister: «Ich bin Landwirt mit Leib und Seele»

Der frisch gewählte Mr. Heubuuch, der Bündner Silvio Pfister, will in seinem Amtsjahr ein realistisches Bild der Schweizer Landwirtschaft weitergeben.
Der sympathische Bündner Silvio Pfister kommt mit seiner unkomplizierten, offenen und freundlichen Art gut an. / Pamela Fehrenbach

«Schweizer Bauer»: Was ging dir als Erstes durch den Kopf, als du gewählt wurdest?
Silvio Pfister: Ich war überglücklich und konnte es kaum glauben.  Für mich war Pierre Martin aus dem Welschland eindeutig Favorit – er entspricht optisch sicher mehr einem «Mister» als ich (lacht).

Jetzt bist du aber gewählt worden. Kommen jetzt die langen Haare weg?
(Sofort) Nein, nein. Die bleiben auf jeden Fall dran.

Weshalb hast du beim Heubuuch mitgemacht?
Ich habe aus Plausch an der Sache und mit Freude mitgemacht. Ich finde, die Landwirtschaft kann jede Unterstützung und jedes Sprachrohr brauchen. Auf je mehr Ebenen, desto besser.

Was bedeutet dir dein Titel «Mr. Heubuuch»?
Es ist für mich eine Ehre, diesen Titel ein Jahr tragen zu dürfen.  Ich freue mich, dass ich die Bauern und die Landwirtschaft ein Jahr lang an Messen und Veranstaltungen der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung näherbringen darf.

Was willst du in  deinem Amtsjahr erreichen?
Ich möchte Brücken zwischen Stadt und Land bauen, Verständnis erwirken für die  komplexe  Situation der Schweizer Landwirtschaft. Die Landwirtschaft zeigen und erklären, wie sie ist. Nicht geschönt und nicht schwarzgemalt. Die Menschen begeistern, für das was wir täglich machen.

Was hast du für einen Hof?
Ich halte  Mutterschafe, Ziegen und züchte hauptsächlich  Pferde, vor allem arabische Mischrassen, die sehr gut als Freizeitpferde  geeignet sind. Auch ein bis zwei Vollblutaraber pro Jahr, die etwas teurer und komplexer im Unterhalt und im Umgang sind. Und ausserdem züchte ich reine Freiberger. Wie sie in den Bergen schon in der Vergangenheit geschätzt wurden: kleine, wendige, nicht zu schwere, dafür zähe und ausdauernde Tiere. Ich bilde die Pferde meist auch selber aus.

Du bist ein Bündner Bergbauer ohne Kühe,  züchtest Pferde, betreibst keinen Ackerbau.  Kannst du dich in die Situation deiner Berufskollegen im Tal einfühlen, sie vertreten?
(ohne zu zögern) Auf jeden Fall! Landwirte, egal ob im Tal oder in den Bergen, stehen im Prinzip vor denselben Herausforderungen, auch wenn sie sich im Detail anders äussern.  Man muss die topografischen Begebenheiten und die Möglichkeiten des einzelnen Betriebs bestmöglich nutzen. Ich bin Landwirt mit Leib und Seele, Bergbauer, weil mein Land in den Bergen liegt. Wäre es im Tal, wäre ich dort Landwirt. In meiner Kindheit, ich bin mit fünf Geschwistern auf diesem Hof aufgewachsen, gehörten zum Betrieb Kühe und auch  Ackerbau. Das ist heute vorbei. Genauso wie im Tal ist  in den Bergen die Wirtschaftlichkeit wichtig. So auch die Auslastung der Maschinen und Geräte, das Nutzen von Synergien. Zum Heuen zum Beispiel habe ich mich mit einem anderen Bauern zusammengetan, und bei der Ausbildung der Pferde greife ich manchmal auf die Hilfe von Berufskollegen zurück. Die Landwirtschaft verändert sich konstant, man muss sich anpassen.

Wohin, denkst du, entwickelt sich die Landwirtschaft?
Ich denke, das ist sehr schwierig vorauszusagen. Vieles hängt von internationalen Zusammenhängen ab. Aber grundsätzlich denke ich,    dass die Zukunft für den einzelnen Betrieb meistens  in der Spezialisierung, massgeschneidert auf den Betrieb und die Talente und Berufe der Menschen, die mitarbeiten, liegen wird. Betriebszweige wie  Agrotourismus, Gästebewirtung, Pferde,  Veranstaltungen, Hofmarkt usw.   haben neben dem Zusatzeinkommen ja auch den Nutzen, dass sie die nichtlandwirtschaftliche Bevölkerung auf den Hof bringen. Eine Chance, das Verständnis für die Landwirtschaft zu erhöhen!

Was möchtest du den  Menschen, denen du als Mr. Heubuuch begegnest,    weitergeben, was liegt dir am meisten am Herzen?
Das ist eine schwierige Frage. Sicher ist mir wichtig,  ehrlich und realistisch auf Fragen über die Landwirtschaft von heute zu antworten. Nicht zu übertreiben, nicht schönzureden oder zu interpretieren, sondern die reale Situation darzulegen.  Grundsätzlich muss man die Landwirtschaft, die man haben will, auch zu zahlen bereit sein.

Was sagst du einem jungen Menschen, der Landwirt werden möchte?
Ich beglückwünsche ihn zu der Wahl. Landwirt ist ein strenger, intensiver Beruf, und er wird sicher nicht einfacher in der Zukunft. Doch es ist ein dankbarer Beruf, die Verbindung zur Natur gibt einem viel zurück. Landwirt sein  bietet viele Herausforderungen und Möglichkeiten. Und er macht im Normalfall nicht reich, aber  glücklich – mich zumindest!


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Interview: Pamela Fehrenbach [17.07.09 17:18]
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