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Eierproduktion

Männliche Küken mästen statt vergasen

Eier legen können nur Hennen. Hähnchen der Legelinien werden getötet. Die Suche nach einer Rasse, die zum Eierlegen und zur Mast taugt, blieb bisher erfolglos. Das Verbot der Legebatterien bringt nun Bewegung in die Zucht.
Die tschechische Hybride Sussex ist die neue Hoffnung auf der Suche nach einem Zweinutzungshuhn. Dieses soll als Lege- wie auch als Masthuhn genutzt werden können. / Fibl

Eine Eier legende Wollmilchsau gibt es nicht. Viele Bauern wären allerdings schon zufrieden, wenn sie ein Eier legendes Mastpoulet hätten oder umgekehrt eine Henne, die auch gemästet werden kann. Tatsächlich eignen sich die männlichen Tiere der Legelinien nicht zur Mast.

Dadurch resultiert ein vor allem für die Biobranche sehr ärgerlicher Missstand: Die männlichen Küken der Legelinien müssen getötet werden.Schätzungen zufolge sind dies europaweit 280 Millionen Hahnküken jährlich. Das passt vielen Produzenten, Konsumenten und Nutztierorganisationen nicht.

Es tut sich wenig

Doch die Legehennenzucht wird von einigen wenigen international tätigen Firmen vorangetrieben, ohne eine Nachfrage nach Zweinutzungshühnern tut sich in diesem Sektor wenig.
Die Nutztierorganisation KAGfreiland sucht seit 1997 ein Zweinutzungshuhn. Dabei hat sie nicht nur neue Züchtungen, sogenannte Hybriden, getestet, sondern auch angestammte Hühnerrassen wie das Sussex oder das Schweizer Huhn. «Wir haben heute Produzenten, welche  die männlichen Schweizer Hühner als Junghähne verkaufen. Doch ideal ist die Rasse nicht», weiss Nadja Brodmann, die bei KAGfreiland u.a. für den Fachbereich Geflügel zuständig ist, «die Legeleistung reicht bei Weitem nicht an jene der Hybriden heran, deshalb müssten die Eier teuer verkauft werden, um kostendeckende Erlöse zu erzielen.»

Silverstreifen am Horizont

Bei den Legehybriden hat sich für die Kombinutzung vor allem die Züchtung namens Silver von Lohmann hervorgetan. Sie ist schwerer als andere Hybriden und zeigt zumindest einen Fleischansatz.
Konkret heisst das, dass Silver-Hähne nach 14 Wochen Mast ein Lebendgewicht von etwa 1,8 kg erreichen. Das entspricht einem Schlachtgewicht von etwa 1,1 bis 1,2 kg und somit einem angenehm grossen Poulet, wie Nadja Brodmann weiss. Doch gibt es Unterschiede zwischen einem konventionellen Mastpoulet (42 Tage alt) und einem Silver: Letzteres hat stärkere, härtere Knochen, dunkleres, kräftigeres Fleisch und einen geringeren Brustmuskelanteil.

«Älter als 15 Wochen sollten die Hähne auch nicht werden», so die KAGfreiland-Expertin, «dann kommen sie in die Pubertät und beginnen mit Rangkämpfen.» Um diese Junghähne zumindest als Nischenprodukt platzieren zu können, hat KAGfreiland das «Kombihuhn» in der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Futterverwertung schlecht

Das Aviforum in Zollikofen beschäftigt sich ebenfalls mit dem Zweinutzungshuhn. In einem Versuch von Juli 2007 bis Juli 2008 wurden 650 weibliche und 500 männliche Küken einer halb extensiven Legehybride aufgezogen. Interessiert haben die Mastleistung und die Futterverwertung der Hähne zu verschiedenen Schlachtzeitpunkten sowie die Verwertung der Althennen – als Geschnetzeltes, Würste und Hamburger.

Die Mastleistungsergebnisse, besonders Futterverwertung und Ausbeute der Hähne, waren deutlich schlechter als jenen der intensiven Mastrassen. So lag die Futterverwertung (kg Futter/kg Zuwachs) nach 12 Lebenswochen bei 2,42, was heisst, dass ein 1,82 kg schwerer Hahn schon 4,41 kg Futter gepickt hatte. Trotzdem lag sein Schlachtgewicht nur bei rund 1,2 kg, die Schlachtausbeute bei 65%.

Fündig in Tschechien

Beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL zeigt man sich zuversichtlich, dass nun europaweit Bewegung in die Legehennenzucht kommt.

Das FiBL ist an einem EU-Projekt beteiligt, welches extensive Legelinien sucht.«Die heutigen Legehybriden wurden oft für die Batteriehaltung gezüchtet und eignen sich weniger für die Volieren- oder Freilandhaltung», weiss Esther Zeltner vom FiBL. Mit dem Verbot der Legebatterie wächst der Druck auf die Zuchtfirmen, extensivere Typen zu liefern – Hühner, die auch bezüglich Mastleistung wieder interessanter werden könnten.

«Doch die Eiproduktion ist auch beim Zweinutzungshuhn der wichtigere Faktor als die Mast», betont Zeltner, «damit verdienen die Bauern deutlich mehr.»

Entsprechend sucht man auch bei einem weiteren Projekt von FiBL und Demeter in erster Linie eine Legelinie. Demeter-Produzenten brauchen eine Henne, die auch in der extensiven Freilandhaltung gesund bleibt. Diese Anforderungen erfüllt eine tschechische Kreuzung namens Sussex (nicht zu verwechseln mit dem Rassenhuhn), deren Legeleistung nur etwa 5% unter derjenigen moderner Hybriden liegt.

Und genau dieses Sussex, so die Hoffnung, soll auch gemästet werden können. Esther Zeltner: «Der Vertreiber dieser Kreuzung macht offenbar gute Erfahrungen mit den männlichen Sussex, wir wollen deshalb noch diesen Sommer Sussex-Küken mästen.» Damit geht die Suche nach dem Zweinutzungshuhn in die nächste Runde!


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Susanne Meier [18.07.09 06:01]
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