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Neue Studie

Viele Stinker bei der Ebermast

Auch in Deutschland ist das Verbot der Ferkelkastration ein Thema. Ein aktueller Versuch zur Ebermast zeigt: 60% der Eber und 20% der Kastraten wurden als sensorisch auffällig bewertet. Das heisst, das Fleisch stinkt.

Das Hauptproblem der Ebermast ist  das  Auftreten von sogenannten «Stinkern». Daneben  liegen aber keine Kenntnisse hinsichtlich Mast- und Schlachtleistungen von Ebern aktueller, in Niedersachsen vorhandener Schweineherkünfte vor.
Als theoretische Vorteile der Ebermast werden des Öftern höhere Tageszunahmen, eine bessere Futterverwertung sowie höhere Magerfleischanteile gegenüber Kastraten diskutiert. Deshalb wurde in einem Versuch der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Nutztiergenetik des FLI in Mariensee mit aktueller Genetik  untersucht, welche Leistungen bei der Ebermast im Vergleich zur Kastratenmast tatsächlich erreicht werden können.

Versuch mit 104 Tieren

Insgesamt wurden 104 Tiere der gleichen Genetik (PietrainDanhybrid) in 2 Gruppen (Kastraten, Eber) mit einem mittleren Einstallgewicht von etwa 25 kg eingestallt. Alle Tiere wurden einheitlich intensiv gemästet. Jeweils die Hälfte der Tiere je Gruppe wurde bei 80kg Schlachtgewicht (ca. 102 kg LG) und die andere Hälfte je Gruppe bei  90kg SG (ca. 115kg LG) geschlachtet.

Für die Geruchsprobe  wurde von allen Versuchstieren (Kastrate und Eber) jeweils eine Bauchspeckprobe erhitzt. Acht Testpersonen («unterwiesene Laien») haben unabhängig den Geruch der Probe beurteilt.

Bessere Futterverwertung

Bei den Mastleistungen waren die Eber den Kastraten lediglich im Merkmal Futterverwertung überlegen, wohingegen bei der Tageszunahme keine signifikanten Unterschiede auftraten. Mit zunehmendem Mastendgewicht wurde die Differenz zwischen den Kastraten und den Ebern tendenziell grösser. Dies trifft auch für die Merkmale Ausschlachtung und Magerfleischanteil  zu. Bei gleichem Mastendgewicht war die Ausschlachtung der Eber zwischen 1,2 (leichteres SG) und 2,3%  geringer als bei den Kastraten, was je nach Mastendgewicht 1,2 bis 2,7 kg auszahlungsrelevantem Schlachtgewicht entspricht. Der berechnete Magerfleischanteil der Eber fiel aufgrund deutlich geringerer Fettflächen um 1,1 bis 2,3 Prozentpunkte höher aus.

Viele «Stinker»

60%  der Eber und 20%  der Kastraten wurden als sensorisch auffällig bewertet. Das ist relativ viel. Besonders bei den Kastraten war dies nicht zu erwarten. Eine Begründung für die unerwartet hohen Häufigkeiten auffälliger Proben könnte zum Teil die Methode der subjektiven Beurteilung mit unterwiesenen Laien sein.

Zu bedenken ist aber, dass dies der Situation in den Haushalten sehr nahe kommt. Ein derart hoher Anteil an «Stinkern» macht deutlich, dass vor einer breiten Einführung der Ebermast eine sichere und eindeutige Identifizierung solcher Schlachtkörper nötig ist. Auch muss geklärt werden, wie diese identifizierten Schlachtkörper zu verwerten sind.
Entgegen meist anders lautenden Ergebnissen ergaben unsere Daten keinerlei Unterschiede in der Geruchsbewertung zwischen den 80 und den 90 kg schweren Ebern.

Aus Sicht des Mästers sollte bei einer Kalkulation zur Ebermast mit einer besseren Futterverwertung, aber auch einer schlechteren Ausschlachtung gerechnet werden.


*Heiko Janssen ist Referent für Schweinezucht und -haltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. **Armin Schön arbeitet beim Versuchswesen Tier der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.


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Heiko Janssen* Armin Schön** [11.08.09 17:02]
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