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Karin Frederiks ist gerade wieder einmal am Telefon und berät eine Kundin. Seit der Artikel über ihre Legehennen-Vermarktung in der lokalen Presse erschienen ist, steigt die Nachfrage kontinuierlich. «Eigentlich wollten wir selbst kein Fleisch verkaufen», erzählt die Bäuerin vom Hof Herrenmatt in Bennwil BL. Jährlich 12000 Althennen in einer Biogasanlage zu verwerten, kommt für sie und ihren Mann Erich Frederiks aber nicht infrage.
Kein Abnehmer mehr
«Wir betreiben keine Hühnerfabrik, das Tier ist uns wichtig», betont Karin Frederiks. Das Ausstallen sei für sie ein schlimmer Tag. Die Legehennen einfach zu entsorgen, lasse sich mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. Ab 2010 stellen Bell und Micarna als grösste Abnehmer das Schlachten von Suppenhühnern ein. Bei den auf Poulets ausgelegten Schlachtanlagen sei die Anpassung auf Legehennen und die Reinigung unterdessen zu aufwendig.
Noch vor zehn Jahren bezahlten die Grossschlachtereien für alte Legehennen. Nach und nach sei der Absatz zu einem Nullsummenspiel geworden. «Dann kamen die Entsorgungskosten von 85 Rappen pro Huhn», erzählt Erich Frederiks.
Als Ende September der Verein GalloCircle gegründet wurde, waren Frederiks dabei. Denn bei aller Ethik muss auch die Wirtschaftlichkeit stimmen. Die Nachfrage nach Althennen vor allem aus dem Ausland sei vorhanden.
Höhere Wertschöpfung
«Aber das Preisniveau stimmt nicht», sagt Reto Strässle, Sekretär des GalloCircle. Deshalb will der Verein sich die Produkte so positionieren, dass eine höhere Wertschöpfung möglich ist. Unter dem Markennamen GaLLine liefert der GalloCircle Bratwürste, Merguez (marokkanische Bratwürste), Lyoner und weisse Cipollatas und Fleischkäse als Frischfleisch vakuumiert zu einem festen Preis an seine Abnehmer. Den Verkaufspreis müssen die Vermarkter selbst kalkulieren.
Für Frederiks muss ein Deckungsbeitrag von einem Franken pro Huhn resultieren. «Damit bezahlen wir die Helfer beim Ausstallen», erklärt er.
100% Geflügel
Die GaLLine-Spezialitäten bestünden zu 100 Prozent aus Geflügelfleisch und seien schmackhaft, zart und würzig. «Ich war positiv überrascht», erzählt er von einer Degustation. Mit 18 bis 23 Franken pro Kilogramm Geflügelfleisch liegen die Preise auf marktüblichem Niveau.
Die 250 Produzenten bezahlten bei der Gründung des GalloCircle 20 Rappen pro Legehennenplatz als zinslose Anschubfinanzierung. Beim Schlachten profitieren sie von einem ermässigten Preis, die Investitionen fliessen zurück zum Produzenten.
Doch schon vor der Gründung der Selbsthilfeorganisation liessen Frederiks 4000 ihrer Hühner versuchsweise vom «Eiermannli» in Belp schlachten. Zwei Tonnen Fleisch wurden verarbeitet, vakuumiert und verpackt. Im Hofladen verkauft Karin Frederiks das Fleisch heute als Tiefkühlware. «Gegenüber Frischfleisch ist das ein Handicap», sagt sie. Wie viele der GaLLine-Frischprodukte sie ins Sortiment des Hofladens aufnehmen will, werde sie aber erst im Frühling und im Hinblick auf die Grillsaison entscheiden.
GalloCircle sucht Schlachtkapazitäten
Am 30. September 2009 gründeten rund 250 grosse Eierproduzenten mit 1,4 Millionen Legehennenplätzen, das sind 80Prozent des Schweizer Bestandes, in Aarau AG den Verein GalloCircle. Der GalloCircle ist eine Selbsthilfeorganisation, bei der die Schlachtung und Vermarktung von Legehennen im Vordergrund steht.
Oberstes Ziel ist die ethisch sinnvolle und termingerechte Verwertung der Tiere. Denn das hochwertige Protein soll nicht zerstört, sondern als Lebensmittel verwendet werden. «Der Engpass ist die Schlachtkapazität», erklärt Reto Strässle, Sekretär des GalloCircle. Er sucht einerseits Schlachthöfe, die alte Legehennen übernehmen und verarbeiten. Auf der anderen Seite sollen sich die GaLLine-Produkte auf dem Markt etablieren. Dabei handelt es sich um reine Geflügelprodukte ohne Schweinefleischanteil.
Der GalloCircle strebt einen möglichst grossen Anteil an zu Lebensmitteln verarbeiteten Althennen an. «100 Prozent ist aber kaum möglich», ist sich Strässle bewusst.