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Das Geflügelfleisch liegt schon längere Zeit in der Gunst der Konsumenten. Gerade jetzt in der Wirtschaftskrise ist Fleisch in tiefen Preislagen sehr gefragt. Bio-Geflügelprodukte, die hoch positioniert sind, laufen ebenfalls gut und wurden von der Krise bis jetzt nicht tangiert, erklärt Christine Schlatter, Leiterin Geschäftsbereich Geflügel der Bell AG, in Zell LU.
Vertragsproduktion
Die Geflügelproduktion in der Schweiz ist eine integrierte Vertragsproduktion. Die Produzenten werden nach einer vereinbarten Kalkulation bezahlt. Die Produktionsmengen werden vom Schlachthof, abgestimmt auf die Marktbedürfnisse, gesteuert. Nach der Micarna ist Bell Geflügel der zweitgrösste Verarbeiter von inländischem Geflügel in der Schweiz. Bei Bell wurden im 2008 gemäss Schlatter 17800 Tonnen Inland- und 8950 Tonnen Importgeflügel verarbeitet beziehungsweise verkauft. Pro Tag werden 70’000 bis 80000 Stück Schweizer Poulets geschlachtet.
Seit Frühling 2008 hat Bell die Marke «Bell Poulet Suisse» unter dem Motto «Eifach äs bizeli schwiizerischer!» lanciert und für Schweizer Geflügel zusätzliche 2,8 Mio. Franken in die Werbung investiert.
Neue Produzenten nötig
Die Geflügelfleischproduktion wurde in den letzten Jahren stetig ausgebaut, und noch immer werden weitere Produzenten aus der ganzen Schweiz gesucht, die bereit sind, in die Geflügelmast einzusteigen.
«Wir glauben auch bei Grenzöffnung an das Schweizer Geflügel und investieren entsprechend», erklärt Schlatter gegenüber dem «Schweizer Bauer». Im internationalen Vergleich ist die Geflügelproduktion in der Schweiz sehr klein strukturiert. Die Höchsttierbestandesverordnung limitiert die Tierzahl auf max. 18000 Tierplätze pro Betrieb, was gegenüber 100000 bis 200000 Stück in der EU sehr viel weniger ist. Die Besatzdichte pro Quadratmeter ist ebenfalls wesentlich tiefer – die Swissness bietet gemäss Christoph Schatzmann, zuständig für die Tierproduktion bei Bell, klare Vorteile in der Tierhaltung.
Aktive Geflügelbranche
Die integrierte Vertragsproduktion trägt wesentlich zur Verbesserung der Lebensmittelqualität bei. Das Vertrauen ins Schweizer Geflügelfleisch konnte auf hohem Niveau weiterausgebaut werden. Momentan arbeitet Bell aktiv mit an der Campylobacter-Plattform, die vom Bund kürzlich ins Leben gerufen wurde, um den Durchfallerreger in den Griff zu bekommen.
Dies sind alles Punkte, die das Vertrauen ins Schweizer Geflügelfleisch stärken und auch den EU-Konsumenten entsprechend weitergegeben werden können. Im Moment ist das Fleisch aufgrund des teureren Schweizer Futters aber noch nicht konkurrenzfähig im Export. «Hinsichtlich Agrarfreihandel fordern wir eine klare Herkunftsdeklaration für Fleisch. Weiter braucht es Begleitmassnahmen und Übergangsfristen», erklärt Christine Schlatter.
Die Geflügelbranche kämpft wettbewerbsorientiert für ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis. So muss auch die Leistung der GVO-Freiheit, welche sich laut Schatzmann im Futtermittelpreis massgebend auswirkt, berücksichtigt werden.
Wichtiges Einkommen
Einer der Geflügelmastbetriebe von Bell steht in Grossdietwil LU unweit vom Schlachthof und wird von Peter Renggli-Koller und Yvonne Koller Renggli geführt. Auf einer Hallenfläche von 550 m2 können gesamthaft 11500 Küken gemästet werden. Die Vertragsproduzenten von Bell werden pro Kilo Schlachtgewicht bezahlt.
Laut Yvonne Koller Renggli ist die Geflügelmast für ihren Betrieb ein wichtiges Standbein, deren Ertrag weniger stark schwankt als etwa derjenige bei der Milch. Grundsätzlich sind die beiden mit der Zusammenarbeit mit Bell zufrieden. Es gibt, wie bei jeder Zusammenarbeit, Punkte, bei denen nicht immer Einigkeit herrscht, so zum Beispiel bei den Amortisationskalkulationen. Daher ist es wichtig, dass auch die Mäster in einem Organ (Moseg) organisiert und mit einer starken Stimme zusammen vertreten sind. Diese vertritt 300 Produzenten von Bell Geflügel.
Die Herausforderungen
Immer wieder eine Herausforderung ist es auch, genügend Hilfskräfte aus der näheren Umgebung zu finden, welche regelmässig bereit sind, in den frühen Morgenstunden zu helfen, die Mastpoulets in die Transportkisten zu verladen. Zudem werden in Zukunft schärfere Vorschriften über Ammoniak-Emissionen, Stickstoff- und Phosphornormen sowie die Reduktion von Campylobacter die Produzenten und die Verarbeiter vor neue Probleme stellen. Die Umsetzung neuer Vorgaben ist oft auch mit grossen Kosten verbunden.
Sowohl im laufenden Geschäft wie auch in der Zukunft werden viele Herausforderungen zu lösen sein. Für Bell sind die partnerschaftliche und zielorientierte Zusammenarbeit und die Kommunikation mit den Produzenten bedeutend.