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Lebensmittel

Schweizer Rindfleisch-Markt wieder intakt - Rinderwahn vergessen

Tartar, Hamburger und Hackbraten: Zwei Jahrzehnte nach dem ersten Fall von Rinderwahn langen die Konsumenten beim Rindfleisch wieder zu, als wäre nichts geschehen. Produzenten und Händler sind sich einig: Der Markt ist wieder intakt.

«Man merkt es vor allem am Tartar», sagt Josef Daehler, der  Leiter des Geschäftsbereichs Frischfleisch von Bell. Das rohe  Rindfleisch sei an der Ladentheke wieder gefragt. Gastwirte nehmen  das Gericht wieder regelmässig auf ihre Speisekarte und bestellen  bei Bell nun doppelt so viel Tartar wie noch vor ein paar Jahren.

Der Pro-Kopf-Konsum von Rindfleisch ist stetig am steigen: Lag er  2007 noch bei 10,7 Kilo, waren es 2008 bereits 11,3 Kilo. Für dieses  Jahr rechnet Daehler erneut mit einem Anstieg von ein paar hundert  Gramm pro Kopf - trotz Wirtschaftskrise.

«Das Vertrauen in Rindfleisch ist zurück», sagt Daehler. Seit  vier Jahren gab es keinen Fall mehr von Rinderwahnsinn. Bis Ende  2007 zählte die Statistik 463 Krankheitsfälle. Der erste war im  November 1990 registriert worden.

Andreas Wöllner, Redaktor von «Fleisch und Feinkost», dem  offiziellen Organ des Schweizer Fleischfachverbands, führt den seit  2003 wieder steigenden Rindfleisch-Konsum ebenfalls auf das  zurückgekehrte Vertrauen zurück.

Doch Spitzenwerte wie in den 80er-Jahren - 1987 ass jeder in der  Schweiz fast 22 Kilo Rindfleisch - wird es kaum mehr geben.  Konsumenten mögen heutzutage vermehrt auch Fisch und Geflügel.

Sensible Kundschaft

Zudem änderte sich das Einkaufsverhalten. Konsumenten achten mehr  auf den Tierschutz. «Die Kunden sind kritischer geworden. Ein  höherer Tierschutz-Standard als die gesetzlichen Vorgaben wird heute  oft von Unternehmen erwartet», sagt Nicole Schöwel, Sprecherin von  McDonald's Schweiz.

Die Fastfood-Kette hat es sich zum Ziel gesetzt, den Anteil an  Schweizer Rindfleisch mit dem Label RAUS weiter zu erhöhen. Bis in  zwei Jahren soll ausschliesslich Rindfleisch mit diesem höheren  Tierschutz-Standard bezogen werden.

RAUS, eines der Labels für artgerechnete Tierhaltung, verlangt,  dass die Tiere mindestens 234 Tage pro Jahr freien Auslauf haben.  Pro RAUS-Rind bezahlt McDonald's dem Bauer eine Prämie von 40  Franken.

«Wir haben dafür kämpfen müssen», sagt Hansuli Huber,  Geschäftsführer des Schweizer Tierschutz (STS). Doch nun seien seine  Forderungen erfüllt, das Verhalten von McDonald's vorbildlich. Im  Visier hat der STS nun andere Gastronomen sowie die deutschen  Discounter Aldi und Lidl.

Strenge Anforderungen

McDonald's zählt zu den grösseren Rindfleisch-Abnehmern. Die  Kette übernimmt 4,4 Prozent des gesamten Schweizer Rindfleisch- Markts mit einem Volumen von 88,4 Mio. Kilo.

Lieferant ist Bell, der nebst der Gastronomie vor allem  Metzgereien und den Eigentümer Coop beliefert. McDonald's sei ein  anspruchsvoller Kunde, heisst es dort. Was nicht den hohen  Anforderungen für einen Hamburger genügt, landet denn auch  grösstenteils in Hackfleisch-Mischungen.

In der Schweiz wurden 2008 insgesamt 483'400 Tonnen Fleisch  gegessen - 3 Prozent mehr als im Jahr zuvor und 10,3 Prozent mehr  als im Jahr 2000. Einschliesslich Fische und Krustentiere belief  sich der Konsum pro Person auf 61,9 Kilo (+1,8 Prozent zum Vorjahr).


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sda [01.02.10 13:19]
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