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Das Forum Ackerbau hat die Konkurrenzfähigkeit der Öl- und Eiweisspflanzen gegenüber Klasse-I-Weizen berechnet. Man müsste 30 Kilogramm Sonnenblumen pro Are ernten, um den Erlös von 70 Kilogramm Klasse-I-Weizen zu erreichen, sagt Sonja Basler vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg AG. «Das ist auf geeigneten Böden keine Hexerei». 30 Kilogramm pro Are – beziehungsweise 20 Kilogramm im Extenso – sind laut Baslers Berechnungen auch beim Raps nötig, um dem Winterweizen das Wasser zu reichen.
Sonnenblumen sind gegenüber Raps aber einiges einfacher in Sachen Kulturführung. Sie eignen sich daher gut für Nebenerwerbsbetriebe und Betriebe, die viele Arbeiten von Lohnunternehmern erledigen lassen.
Nutzen für die Fruchtfolge
Auch mit Soja ist es nicht unmöglich, 70 Kilo Klasse-I-Weizen wettzumachen. Dies ist jedoch mit einem nötigen Ertrag von 37 Kilo etwas schwieriger. Weniger realistisch, auf konkurrenzfähige Erträge zu kommen, ist es gemäss den Forum-Ackerbauer-Berechnungen bei den Ackerbohnen und den Eiweisserbsen. Bei Ackerbohnen wären 65 Kilo pro Are nötig, bei Eiweisserbsen 63 Kilo.
Die Dienste der Körnerleguminosen Soja, Eiweisserbsen und Ackerbohnen, ferner auch der Ölsaaten, können aber nicht alleine mit dem Produkterlös gemessen werden. Ihre positiven Auswirkungen auf den Boden, die Nährstoffversorgung und die Fruchtfolge sind schwer in Franken auszudrücken.
Gerade in Zuckerrüben-Fruchtfolgen kann Raps Probleme mit Zystennematoden (Heterodera schachtii) fördern. Wenn es die Bedingungen zulassen, könnten Sonnenblumen eine Alternative darstellen. Dabei ist aber zu beachten, dass Sonnenblumen ihrerseits wiederum Rübenkopfälchen (Ditylenchus) fördern können.
Neues im Pflanzenschutz
Mit «Carioca» steht 2010 bei Sonnenblumen ein neues Herbizid mit den Wirkstoffen Aclonifen (bekannt aus Bandur) und Oxadiargyl zur Verfügung. Oxadiargyl ist in Frankreich für die Sonnenblumen schon länger zugelassen, in der Schweiz ist er neu. «Carioca» wird im Vorauflauf angewendet. Allerdings ist das Mittel in humusarmen Sandböden nicht geeignet. In den Eiweisserbsen und Ackerbohnen können Pilzkrankheiten dieses Jahr neu mit dem Mittel «Horizont 250 EW» (Tebuconazol) behandelt werden. Bei der Soja sind neu die Insektizide «Decis» (Deltamethrin) und «Fury 10 EW» (zeta-Cypermethrin) im ÖLN mit Sonderbewilligung gegen den Distelfalter bewilligt.
Sortenliste Ölsaaten und Eiweissträger 2010
Sommer-Eiweisserbsen: Die Liste der empfohlenen Sorten beinhaltet neben den bisherigen Sorten Hardy, Mascara, Starter und Gregor neu die Sorte Alvesta. Alle vier Sorten besitzen ein gutes Ertragspotenzial und lassen sich gut ernten. Alvesta hat tendenziell leicht bessere Ergebnisse bei der Note der Erntbarkeit erzielt als die anderen drei Sorten.
Winter-Eiweisserbsen: In der Liste der empfohlenen Sorten für Winter-Eiweisserbsen verbleiben nach der Streichung von Cherokee noch Isard, Cartouche und Enduro.
Sonnenblumen: Dieses Jahr wurde keine neue Sorte aufgenommen. Die einzige Änderung ist die Streichung der Sorte PR64H41, die sich in der Praxis nicht durchgesetzt hat; möglicherweise aufgrund ihrer späten Abreife. Die Liste der empfohlenen Sorten enthält die ölsäurereichen Sorten Dynamic, Aurasol und LG5450HO sowie die «normalen» Sorten Sanluca und LG5380. Vergessen Sie nicht, dass für den Anbau von ölsäurereichen Sorten ein spezieller Vertrag nötig ist und die Sorten Aurasol und LG 5450HO aufgrund ihrer mittelfrühen Abreife nur für die besten Lagen empfohlen werden.
Soja: In der frühreifen Gruppe finden sich die Sorten Merlin, Gallec und Aveline. Opaline verbleibt als einzige Sorte in der Gruppe der mittelfrühreifen Sorten. In der mittelspäten Gruppe stehen die Sorten Protéix, Amphor, London und Essor zur Auswahl. Die Sorten Vanessa (mittelfrühe Reifegruppe) und Cataline (mittelspäte Gruppe) wurden von der Liste gestrichen, um die Anzahl der Sorten besser auf die Grösse des Marktes abzustimmen.
Wichtig bei der Sortenwahl ist die Berücksichtigung der bis zur Abreife benötigten Tage, damit die Sorte auch die volle Ertragsleistung unter den gegebenen klimatischen Bedingungen bringen kann. Die Ertragsunterschiede zwischen den Sorten der mittelspäten Reifegruppe sind sehr klein und geringer als diejenigen in der frühreifen Gruppe. Für die Verwendung in der Humanernährung (Tofu-Produktion) eignen sich die Sorten Gallec, Aveline, Protéix und Essor. Sie weisen einen farblosen Nabel auf und verursachen deshalb keine Missfärbungen.
Lupinen und Ackerbohnen: Bei den Lupinen und den Ackerbohnen gibt es keine Neuheiten. Die Liste der empfohlenen Lupinensorten beinhaltet Amiga (weisse Lupine) und Borlu (blaue Lupine). Bei den Ackerbohnen empfiehlt die Branchenorganisation Olan im Winteranbau sowie Scirocco und Espresso als Sommerkultur.
Die detaillierten Publikationen von Agroscope werden in der Zeitschrift «Agrarforschung Schweiz» sowie über Agridea veröffentlicht. Sie können direkt beim Sekretariat von Swiss Granum bestellt werden.