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Das bekannteste Aushängeschild der Schweiz ist nicht das Bankgeheimnis. Es ist die Kuh. Und es sind ihre Erzeugnisse: Milch und Käse. Es drängt sich aber ein weiteres Labeling für naturnahes schweizerisches Wirtschaften mit dem Vieh auf: Energie. Die Kuh als Quelle sauberer, das heisst CO2-neutraler, Energie.
Das deutsche Institut für Landmaschinentechnik hat nachgerechnet: Eine Kuh produziert täglich rund 80 Liter Gülle und 5 Kilogramm Mist. Eine Biogasanlage kann diese Menge in 8,3 Kilowattstunden (kWh) Energie umwandeln. Damit lässt sich der tägliche Stromverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts decken.
«Sogar beim Betrieb aller Haushaltgeräte gleichzeitig ist der gesamte Stromverbrauch mit rund 8 kWh noch immer geringer als das täglich Energiepotenzial einer einzigen Kuh,» heisst es in der von Christiane Rieker verfassten Studie.
Mühleberg produziert weniger Strom
In der Schweiz gab es gemäss Agrarbericht Ende 2008 1,6 Millionen Kühe. Das ergibt ein theoretisches Energiepotenzial von 4854 Gigawattstunden (GWh), was rund 8 Prozent des gesamten Schweizer Stromverbrauchs in einem Jahr decken könnte. Zum Vergleich: Das AKW Mühleberg leistet rund 3000 GWh pro Jahr.
Laut Statistik des Bundesamts für Energie produzieren derzeit rund 80 solcher landwirtschaftlichen Biogasanlagen jährlich 33 GWh. Soviel wie etwa 7300 Haushalte im Schnitt verbrauchen. Es könnten auch 1 Million Haushalte sein.
Die Zahl der Biomasseanlagen stagniert
Das Fazit, welches Christiane Rieker in ihrer Studie zieht, «das Energiepotenzial von Biomasse aus Gülle ist noch lange nicht ausgeschöpft», gilt auch für die Schweiz. Die Kuh wird hierzulande verkannt. Die Zahl der Gülle-Kraftwerke hat sich in den vergangen drei Jahren nicht erhöht.
Ein Grund für den güllen-energetischen Stillstand ist der Deckel auf dem Fördertopf für erneuerbare Energien. Der ist bereits seit einem Jahr ausgeschöpft. Bei der Netzgesellschaft Swissgrid gehen aber immer noch Neuanmeldungen für weitere Biomasseanlagen ein. Wie lang die Warteliste mittlerweile ist, vermochte die Gesellschaft nicht zu sagen.
Ohne Investitionen bleibt das Güllenloch ein Loch
Das Parlament diskutiert zurzeit über eine Erhöhung der Beiträge für erneuerbare Energien: Anstatt 0,6 Rappen pro kWh könnten dann 0,9 Rappen bezahlt werden.
Dass aus dem Güllenloch eine Goldgrube wird, sprich eine Biomasseanlage sich betriebswirtschaftlich rechnet, hängt von einigen weiteren Faktoren ab. Nicht jeder Bauernhof kann ohne weiteres Strom ins Netz einspeisen. Da sind teilweise grössere Investitionen in die Infrastruktur nötig.
Die Tatsache bleibt, dass die Kuh während ihrer wirschaftlich nutzbaren Lebensdauer über 30'000 kWh Energie als Nebenprodukt produzieren kann. Ohne Investitionen und Subventionen bleibt der Güllen-Strom teuer oder bleibt ganz brach liegen. Weitere indirekte Landwirtschaftszuschüsse werden politisch schwer durchsetzbar sein. Aber bislang hat es noch kein einziger Energieträger – vom Erdöl in den USA bis zu den Photovoltaik-Dörfern in Österreich – ohne massive staatliche Förderung zum Durchbruch gebracht.