Das Aus der Fettbezahlung?
Die Käsebranche spürt seit Längerem den rauen Wind des liberalisierten Marktes. Unter dem Strich sei dies aber positiv, erklärte Fromarte-Direktor Jacques Gygax am Käsertag.
Elsa-Geschäftsführer Alexander Briw und Fromarte-Direktor Jacques Gygax (v.l.). / Daniel Etter
Neu in Milchkontingentierung:
Die Komplexität des Milchmarktes widerspiegelte sich am vergangenen Donnerstag an der Tagung des Bernischen Käservereins in Münchenbuchsee. Thematisiert wurde die aktuelle Marktlage, die Branchenorganisation Milch (BOM) und deren Mengenführung.
Milch an Börse
«Die Mengenführung der BOM gilt nicht für die Käsereimilch», versicherte Fromarte-Direktor Jacques Gygax. Es seien die Sortenorganisationen, welche dort die Mengen steuern müssten. Die sogenannte Einschränkungsmilch müsse aber entweder über die Milchbörse oder die Tunnellösung vermarktet werden. Die Käser könnten nicht nur Milch über die Börse absetzen, sondern hätten auch die Möglichkeit, Milch via Börse einzukaufen. Alle Fromarte-Mitglieder könnten der Börse milchklick.ch beitreten, wenn sie den Jahresbeitrag von 3000 Franken bezahlten. «Wer an der Börse Milch unter dem Schwellenpreis, der momentan bei 53,2 Rappen liegt, einkauft, verpflichtet sich, seine Produkte zu exportieren», so Gygax. Auch würde in diesem Fall keine Verkäsungszulage entrichtet.
Nach dem Markt richten
«Es ist wichtig, dass man in die Zukunft schaut und die Instrumente der BOM korrekt anwendet», erklärte Alexander Briw, Geschäftsführer der Elsa. Die BOM müsse sich zwingend auf den Markt ausrichten. «Ich gehe davon aus, dass wir in ein paar Jahren 50 bis 70% unserer Produkte exportieren müssen, und dazu ist ein EU-Agrarfreihandel notwendig.» Bilaterale Verträge bezeichnete Briw als «Krücken». Einmal seien sie eine Hilfe, und ein anderes Mal stolpere man darüber.
Jacques Gygax zeigte auf, dass beim Käse bereits liberalisierte Märkte herrschten. «Der Käsefreihandel würde ich eher als erfolgreich bezeichnen», sagte er. Die Exportmenge sei wieder auf das Niveau wie vor zehn Jahren angestiegen, jedoch werde auch deutlich mehr Käse importiert.
Fettzahlung überdenken
«Wir müssen nicht nur auf Menge, sondern vor allem auf Qualität setzen», zeigte sich Gygax überzeugt. Es gebe aber leider viele «Mengenbolzer». Sehr gross sei auch das Fettproblem, das so rasch als möglich behoben werden müsse. Die Gehaltszahlungen der Milch müssten wohl überarbeitet werden. «Die Bauern profitierten jahrelang von den Fettzuschlägen. Für Fett, das teuer entsorgt werden musste.» Von Gehaltsbezahlungen sei nicht abzukommen, doch sei zu prüfen, ob der Berechnungsschlüssel noch gerechtfertigt sei.