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Zu hohe Margen

Migros und Coop weisen Preiskritik zurück

Die Grossverteiler staunen gemäss «Aargauer Zeitung» ob der staatlichen Kritik aus Bern. Sie weisen die These aus dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) zurück, wonach der Preisdruck in der Landwirtschaft den Konsumenten bisher zu wenig gebracht habe.

Wollte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) den Konsumentenschutz-Organisationen Konkurrenz machen? Die Behörde ist der Auffassung, der deutlich gestiegene Preisdruck in der Landwirtschaft bringe den Konsumenten «wenig».

Diese profitierten nur in geringem Umfang von den gesunkenen Preisen. Konkret geht der Fachbereich Marktbeobachtung im BLW in einer Pressemitteilung auf die Beispiele Milch und Fleisch ein:
Milchbauern erhielten 2009 für Rohmilch zur Herstellung von Konsummilch im Schnitt 64,7 Rappen pro Liter, mehr als 14 Rappen weniger als im Vorjahr. Im Detailhandel sei der Liter Konsummilch allerdings lediglich um 10,5 Rappen verbilligt worden.

Einbussen mussten auch Schweinefleisch-Anbieter hinnehmen: 2009 erhielten sie pro Kilo Schlachtgewicht rund 60 Rappen weniger als im Jahr zuvor. Doch im Laden sei das Schweinefleisch durchschnittlich nur 11 Rappen pro Kilo billiger verkauft worden.

Bund veröffentlicht Preistabelle

Das Bundesamt resümiert, die Verarbeiter und der Detailhandel würden die günstigeren Rohstoffpreise «nur bedingt» an die Konsumenten weitergeben und profitierten von höheren Bruttomargen. Nun wolle der Bund quasi Gegensteuer geben. Er will die Konsumenten über die Preisgestaltung in der Landwirtschaft informieren. Zugleich wolle er den Interessenten die Wahl für qualitativ hochwertige Schweizer Produkte «erleichtern». Im Monatsrhythmus werden online (www.blw.admin.ch) ausgewählte Preise für Milch, Fleisch, Früchte, Gemüse, Kartoffeln und Getreide publiziert. Angeboten wird zusätzlich eine «Saisontabelle» der meistgekauften Früchte- und Gemüsearten. Andreas Berger, Leiter Fachbereich Marktbeobachtung, hielt fest, das BLW wolle weder in den Markt eingreifen noch Werbung betreiben und sei der Neutralität verpflichtet. Der Auftrag umfasse die korrekte Preisbeobachtung. An der «Saisontabelle» zeigten auch Grossküchen Interesse.

Replik: «Der Markt spielt einwandfrei»

Doch die Grossverteiler weisen die Feststellung zurück, wonach die Konsumenten wenig profitiert hätten. Coop-Sprecher Nicolas Schmied: «Der Schweizer Markt spielt einwandfrei. Wir könnten es uns nicht erlauben, rohstoffbedingte Preisanpassungen nicht weiterzugeben.» Beispiel Milch: Auch hier habe Coop sämtliche Preissenkungen vollumfänglich an die Konsumenten weitergegeben. Dabei sei die Gesamtsumme der Preissenkung jeweils auf mehrere Artikel verteilt worden.

Auch die Migros nimmt für sich in Anspruch, Rohstoff-Verbilligungen «so direkt wie möglich» an die Kunden weiterzugeben, erklärte Sprecherin Nathalie Eggen. Dass das BLW Transparenz zu schaffen versuche, sei begrüssenswert. Was fehle, sei der Hinweis, dass sich die Preisentwicklungen in der Landwirtschaft nicht eins zu eins in den Detailhandelspreisen widerspiegelten. Unter anderem erhöhten veränderte Konsumgewohnheiten den Verarbeitungsgrad der Lebensmittel.

Vergleichsinstrumente äusserst rar

Grundsätzlich stellt die Transparenz-Initiative des Bundesamtes ein löbliches Unterfangen dar. Instrumente, die auf breiter Basis für Nahrungsmittel Preisvergleiche liefern, sind nämlich Mangelware. Dies ganz im Gegensatz zur Unterhaltungselektronik und zu Versicherungsprodukten. Die einzige Ausnahme heisst Aktionis (www.aktionis.ch). Diese wurde 2006 von drei Studenten aufgebaut. Das Ziel: den Deutschschweizer Konsumenten händlerunabhängig einen Kompass für den Aktionspreis-Dschungel zur Verfügung zu stellen. Aktuell zeigt die Website 200 Aktionsangebote von sieben Händlern. Coop und Spar sind aktuell mit je rund 50 Produkten und Manor mit knapp 40 Artikeln am prominentesten vertreten. Es folgen Migros, Denner, Lidl und Volg.

Die mit Abstand breitesten Artikelangebote, aber keine Preisvergleiche liefern Migros und Coop im Wochenrhythmus in ihren eigenen Zeitungen und auch online. Wer diese voluminösen Printmedien konsequent durchforsten will, braucht einen langen Atem. Beispiel «Coopzeitung»: In der Ausgabe vom 2. März, 120 Seiten stark, fanden sich 35 Seiten mit Food- und Nonfood-Aktionen sowie Neuheiten. Im «Migros Magazin» vom 1. März (104 Seiten Umfang) wurden auf rund 30 Seiten Food- und Nonfood-Artikel feilgeboten.


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sam [08.03.2010 10:]
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