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Am 18. September 2009 legte der BOM-Vorstand zum letzten Mal den Richtpreis für Molkereimilch fest. Obschon dieser Richtpreis von 62 Rp. franko Rampe eigentlich nur für die Periode Oktober/Dezember 2009 hätte gelten sollen, wurde seither kein neuer Preis mehr beschlossen.
Schon lange gestiegen
Der Richtpreis richtet sich gemäss eigenen Beschlüssen der BOM seinerseits nach dem Molkereimilchpreisindex des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW). Dieser BLW-Index lag in den Monaten Juni, Juli und August 2009 im Schnitt bei 87.75. Aus diesem Wert wurde im September der Richtpreis von 62 Rp. berechnet. Der BLW-Index stieg dann allerdings an und lag im Dezember 2009 bei 91.61. Seither hat er sich bei gut 90 Indexpunkten eingependelt. Im April betrug er 91.43. Demnach sollte der BOM-Richtpreis bereits seit Anfang Jahr bei etwa 65Rp. liegen.
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) gehen deshalb mit der klaren Forderung nach einer Milchpreiserhöhung in die BOM-Vorstandssitzung vom Freitag. «Gestützt auf die Indexentwicklung, die vom BLW berechnet wird, werden wir eine Anhebung des Richtpreises fordern», erklärt SMP-Direktor Albert Rösti.
Doch nicht nur zwischen dem BLW-Index und dem Richtpreis besteht ein immer grösser werdendes Loch. Auch zwischen dem Richtpreis von 62 Rp. franko Rampe und den real ausbezahlten Milchpreisen auf die ganze Lieferrechtsmenge öffnet sich immer mehr ein Loch.
So hat der Milchverarbeiter Cremo rückwirkend auf den 1.April den Milchpreis um 3Rp. auf 58 Rp. pro Kilo gesenkt. Weiter bezahlt Cremo auf 17 Prozent der Milchmenge nur noch 28 Rp. und setzt so eine Segmentierung um. Somit liegt der Milchpreis über die ganze Liefermenge bei 52,9 Rp.
Der Marktbericht Milch des BLW bestätigt diesen Befund. Zwischen dem Soll-Milchpreis von 65Rp., welcher aus dem BLW-Richtpreisindex abgeleitet werden kann, und dem ebenfalls vom BLW erhobenen effektiv bezahlten Produzentenmilchpreis von 56,83 Rp im April klafft ein Loch von etwa 9 Rp.
Weniger als 50 Rappen
Zum Teil erhalten kleinere Milchproduzenten gar schon weniger als 50 Rp. ausbezahlt, wie BIG-M in ihrem Newsletter kritisiert: «Die ausbezahlten Milchpreise liegen zum Teil 15Rp. tiefer als der von der BOM beschlossene und immer noch gültige Richtpreis von 62Rp.» Ein Grund seien auch die zunehmenden Abzüge und Rückstellungen (siehe Kasten). «Das Problem ist tatsächlich nicht nur, dass der Richtpreis unter dem BLW-Index liegt, sondern, dass der effektiv ausbezahlte Preis deutlich unter dem Richtpreis ist», bestätigt auch SMP-Direktor Rösti.
Butter drückt auf Preis
Wird der BOM-Vorstand am Freitag zum wiederholten Mal die Festlegung eines neuen Richtpreises hinausschieben? BOM-Geschäftsführer Daniel Gerber verneint: «Wir werden zu einem Beschluss kommen.» Ob und wie stark der Richtpreis steigt, sei schwierig zu sagen. Man könne auf beide Seiten argumentieren. «Die internationalen Märkte haben angezogen. Auf der anderen Seite haben wir im Inland nach wie vor die Butterproblematik», argumentiert Gerber. Der BLW-Molkereipreisindex sei nur ein Element zur Festlegung des Richtpreises. Er nennt den Index der landwirtschaftlichen Produktionsmittel des Schweizerischen Bauernverbandes sowie die sogenannte prospektive Markteinschätzung als zweites und drittes Element.
Und was sagt Gerber zum zunehmenden Abstand von Richtpreis und effektivem Produzentenmilchpreis? «Wir sind insgesamt nicht so weit vom Richtpreis weg.» Allerdings, räumt er ein, werde über die Segmentierung die Verbindlichkeit relativiert. Zudem handle es sich beim Richtpreis nur um eine Orientierungsgrösse: «Ich würde aber nicht so weit gehen, dass man das Instrument infrage stellen muss.»
Schoggigesetz -1,5 statt 0,5 Rp.
Die Kassen für die Rohstoffverbilligung im Export über das Schoggigesetz sind leer. Die BOM hat beschlossen, dass die Produzenten und die Verarbeiter ab 1. Mai je 0,5 Rp. pro Kilo Milch in einen Interventionsfonds einbezahlen müssen. Gemäss BIG-M-Newsletter haben aber die Verarbeiter Emmi und Hochdorf ihren Direktlieferanten bei der Mai-Abrechnung zusätzlich zum Abzug für den BOM-Interventionsfonds 1Rp. für die Überbrückung des Schoggigesetz-Lochs abgezogen. Die Nordostmilch zog im Mai gar einmalig 4 Rp. ab, wobei aber nur ein Teil dieser 4 Rp. für den Ersatz des Schoggigesetzes bestimmt ist.