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Tierzucht

Genomische Selektion - Schweiz gerät ins Hintertreffen

An internationalen Ausstellungen dominieren Schweizer Kühe. Bei der Vermarktung der Genetik gerät die Schweiz ins Hintertreffen. Die genomische Selektion kommt nicht vom Fleck, weil Geld und Personal fehlen.
Aus dem Genom bestimmte Zuchtwerte machen der kleinen Schweiz Probleme.

Seit mehr als einem Jahr werden in Nordamerika und ab 17. August auch in vielen europäischen Ländern junge Stiere der Rasse Holstein mit genomischen Zuchtwerten beworben.

Keine Genom-Zuchtwerte im August

Auch Stefan Felder, Direktor der KB-Organisation Swissgenetics, hätte gerne im August einen neuen Stierkatalog mit genomisch optimierten Zuchtwerten (GOZW) publiziert. Beim GOZW wird der Direkte Genomische Zuchtwert (DGZW)  mit den traditionellen Abstammungszuchtwerten kombiniert. «Wir wollten  genomische Zuchtwerte von Schweizer und ausländischen Stieren gemeinsam bringen. Doch das gelingt uns wohl nicht», beklagt sich Felder. Dabei seien die neuen Zuchtwerte für August in Aussicht gestellt worden.

Doch er mag den zuständigen Wissenschaftlern keine Vorwürfe machen: «Die Bemühungen sind da. Es fehlt aber schlicht das Personal.» Es bestehe aber ein grosser Druck, genomische Zuchtwerte publizieren zu können. «Je grösser die Zeitdifferenz zwischen nationalen und internationalen genomischen Zuchtwerten wird, desto mehr müssen wir uns auf ausländische Stiere konzentrieren», befürchtet er.

Unterstützung im Ausland viel grösser

Gemäss  Lucas Casanova, Direktor des Schweizerischen Braunviehzuchtverbandes (SBZV), werden bei Brown Swiss erst im Herbst GOZW  publiziert werden. Die Amerikaner hätten  zwar  schon vor dem SBZV genomische Zuchtwerte publiziert. In Europa sei die Schweiz bei Brown Swiss aber klar das führende Land. Doch auch er weist darauf hin, dass die Voraussetzungen in anderen Ländern viel besser sind.  So sei die Forschung in den USA vom  United States Department of Agriculture,   also vom Landwirtschaftsministerium, geleistet worden.

In Frankreich habe der Staat zusammen mit der Branche 8 Mio. Euro in die genomische Selektion investiert: «In der Schweiz hingegen ist der ganze Aufbau der genomischen Selektion durch die Zuchtorganisationen geleistet worden, und die KB-Organisationen haben Dosen zur Verfügung gestellt.»
Wie Felder nennt auch Casanova als weiteres Problem den Personalmangel: «Uns fehlt  der wissenschaftliche Nachwuchs.

An der ETH ist der Lehrstuhl für Tierzucht nach wie vor verwaist.» Das Team der für genomische Zuchtwerte zuständigen Qualitas AG, einer Tochter von SBZV und Swissherdbook, wurde zusätzlich geschwächt. Der Wissenschaftler Hannes Jörg hat Qualitas gemäss Casanova kürzlich verlassen.


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Samuel Krähenbühl [10.07.2010 06:17]
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