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Getrockneter Körnermais wird bei hochleistenden Milchkühen gerne eingesetzt, da er viel Energie enthält und die darin enthaltene Stärke eine hohe Pansenstabilität von gut 40% aufweist. Wenn Mischrationen hohe Kraftfutteranteile enthalten oder das Kraftfutter überwiegend über eine Transponderfütterung oder per Hand zugeteilt wird, kann diese hohe Stärkebeständigkeit durchaus von Vorteil sein und das Risiko von Pansenübersäuerung reduzieren.
Als Alternative zum Körnermais hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend auch die Silierung von Feuchtkornmais etabliert. Dieser weist einen Trockenmassegehalt von etwa 60 bis 70% auf. Die Pansenbeständigkeit der Stärke liegt im Vergleich zum getrockneten Mais aber deutlich niedriger, bei etwa 25%, nach verschiedenen Untersuchungen teilweise auch darunter.
Feucht und luftdicht
Bei der Feuchtsilierung von Mais entfallen die Kosten für die Trocknung. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Ernte bereits zum Zeitpunkt der Kornreife erfolgen und auf den sonst angestrebten hohen Trocknungsgrad des Korns verzichtet werden kann. Hierdurch können die Felder rund 10 bis 14 Tage früher geräumt werden und stehen für eine nachfolgende Frucht eher zur Verfügung. Die feuchten Maiskörner werden gleich nach der Ernte mit einer Hammermühle vermahlen und dann auf einer betonierten Fläche als flache Fahrsilos siliert. Wichtig sind eine sorgfältige Verdichtung des Siliergutes und eine gute Abdeckung mit einer Unterzieh- und dann der eigentlichen Silofolie. In manchen Regionen und insbesondere in grösseren Betrieben erfolgt die Silierung in den letzten Jahren zunehmend auch in Folien-schläuchen.
Wegen des hohen Anteils an leicht vergärbaren Bestandteilen besteht bei Feuchtmais generell ein erhöhtes Nacherwärmungsrisiko. Der Einsatz von Siliermitteln zur Verbesserung der aeroben Stabilität ist dringend zu empfehlen. Das Risiko erhöht sich, wenn der notwendige Vorschub von etwa 2 Metern pro Woche nicht erreicht wird.
Um zu ermitteln, ob der Austausch von Körnermais gegen Feuchtmais nachteilige Auswirkungen auf Leistung und Gesundheit von Milchkühen hat, wurde mit finanzieller Unterstützung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ein Fütterungsversuch durchgeführt. Dabei standen 86 Kühe zur Verfügung, die nach Laktatationszahl und Vorlaktationsleistung gleichmässig auf zwei Versuchsgruppen verteilt wurden. Der Versuch begann durchschnittlich mit dem 80. Laktationstag und erstreckte sich über die folgenden 140 Melktage. Das Leistungsniveau beider Kuhgruppen war bei Versuchsbeginn nahezu identisch und lag insgesamt auf einem sehr hohen Niveau. So erreichten die Kühe mit zwei oder mehr Laktationen eine mittlere Tagesmilchleistung 51Kilogramm, bei den Erstmelken wurden im Schnitt 38 Kilogramm Milch pro Tier und Tag gemolken.
Versuch mit TMR
Die Futterrationen wurden in einer Totalmischration (TMR) vorgelegt und waren sehr maisbetont. Als Energiekonzentrat wurde entweder Körnermais oder Feuchtmais mit jeweils gleichen Trockenmasseanteilen eingesetzt. Beide Rationen erreichten eine Energiedichte von rund 7,1 MJ NEL je Kilo Trockenmasse und unterschieden sich auch in allen anderen Rationsparametern nur unwesentlich. Der Stärke- und Zuckergehalt lag bei gut 31% und bewegte sich damit bereits deutlich über dem Grenzwert herkömmlicher Fütterungsempfehlungen. Dies wurde in dem Versuch aber bewusst in Kauf genommen, um mögliche Effekte der unterschiedlichen Stärkebeständigkeit in den beiden Maisschroten auf die verschiedenen Leistungs- und Stoffwechselparameter der Kühe besser erfassen zu können.
Kaum Unterschiede
Die mittlere Futteraufnahme sowie die Aufnahme an Energie und nutzbarem Rohprotein (nXP) unterschieden sich in beiden Versuchsgruppen nur geringfügig. Auch bei den verschiedenen Leistungsmerkmalen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Der recht niedrige Milchfettgehalt und der enge Fett-Eiweiss-Quotient deuteten zwar auf eine mögliche Pansenübersäuerung hin.
Da die Versuchstiere aber ausreichend strukturwirksame Rohfaser aus dem Grobfutter aufgenommen haben (450g/ 100kg Körpergewicht) und weder bei der Kotkonsistenz noch beim Wiederkauverhalten Auffälligkeiten festzustellen waren, kann man in diesem Versuch auf wiederkäuergerechte Rationen schliessen.
Obwohl an pansenfistulierten Kühen sehr deutliche Unterschiede bei den Stärkebeständigkeiten der Maisschrote ermittelt wurden (Körnermais 42%, Feuchtmais 18%), zeigten sich bei der Verfütterung der Feuchtmaisration keine Anzeichen von Pansenübersäuerung. Dies bestätigten auch die pH-Werte und die Gehalte an Säuren und Basen im Harn, die sich bei beiden Fütterungsvarianten im physiologischen Bereich bewegten und sich nur geringfügig voneinander unterschieden.
Unter vergleichbaren Bedingungen können also beide Maisschrotkomponenten eingesetzt werden. Trotz hoher Stärke- und Zuckergehalte in den Versuchsrationen mit Werten über 30% zeigten sich bei wiederkäuergerechter Versorgung mit strukturierter Rohfaser keine Anzeichen für ein erhöhtes Risiko von Pansenazidosen.
Letztlich dürften die Produktions- bzw. Zukaufkosten für beide Futtermittel und auch die einzelbetrieblichen Bedingungen (u. a. Lagerungsmöglichkeiten für Feuchtmaisilage, Arbeitswirtschaft, vorhandene Fütterungstechnik, alternative Verwertung der Maissilage z.B. in Biogasanlagen) darüber entscheiden, welche Maisschrotkomponenten bei den Milchkühen zum Einsatz kommen.