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Wegen des anhaltend schwachen Euros kommen den Schweizer Grossverteilern Importe aus der EU momentan günstiger zu stehen. Coop senkte die Preise für diverse Produkte aus dem Euroraum. «Können wir günstiger einkaufen, geben wir dies an die Konsumenten weiter», sagt Mediensprecherin Denise Stadler. Der Einkaufstourismus spiele bei diesem Entscheid auch eine Rolle. Dieser sei immer noch hoch, habe jedoch in den vergangenen fünf Jahren stark abgenommen. Bei Coop spüre man in einigen grenznahen Filialen eine leichte Zunahme des Einkaufstourismus.
Coop senkte die Preise für Produkte wie Aufback-Baguette, Tiefkühlprodukte wie Pizza oder für Fisch.
Für Käse wurden die Preise im Laden bereits im Juni gesenkt, so für französischen Brie von Fr. 3.55 auf Fr. 3.45 oder für Grano Padano von Fr. 5.45 auf Fr. 4.90.
Stadler macht zudem geltend, dass es trotz Euroschwäche auch Preistreiber gibt. So würden die Preise für Rohstoffe wie Baumwolle, Kakao, Kaffee — aber auch für Milchprodukte aus der EU wieder ansteigen. Auch Verpackungsmaterial und Transportkosten würden teurer.
Auswirkungen auf die Schweizer Landwirtschaft durch den Import sieht man bei Coop kaum. «Wegen kurzfristiger Preissenkungen werden wir unsere Beschaffungsstrategie nicht ändern und weiterhin auf den Standort Schweiz setzen», sagt Stadler.
Vertragsdauer wichtig
«Unser Credo heisst, bestes Preis-Leistungs-Verhältnis. Was wir billiger erhalten, geben wir auch günstiger an die Konsumenten weiter», sagt Migros-Mediensprecher Urs Peter Naef. Migros unterliegt bei den Preissenkungen der Dauer der Lieferkontrakte. Vor allem bei Non-Food Produkten seien längere Vertragsdauern vorherrschend. «Wo man jetzt neu verhandeln kann, erhält man je nachdem günstigere Preise», so Naef. Bei Frischprodukten, wo nach Tages- und Wochenpreisen eingekauft wird, würden andere Faktoren überwiegen: so Angebot und Nachfrage. «Gerade dieses Jahr waren die Einstandspreise beim Gemüse und bei Früchten aus der EU wegen der Niederschläge auch höher», sagt Naef.
Der schwache Euro sei dabei weniger ins Gewicht gefallen. Bei den Lebensmitteln senkte Migros die Preise für Produkte wie Wasser und Eierteigwaren oder Energy-Drinks um 2 bis 23 Prozent. Bei Käse aus der EU würden die Preissenkungen bis zu 12,5 Prozent ausmachen. Trotz niedrigerem Euro schätzt man bei der Migros den Einkaufstourismus nicht als gravierend ein. «Die Genossenschaften sagen, der Einkaufstourismus liege in etwa auf Vorjahresniveau», berichtet Naef.
Bekenntnis zur Schweiz
Naef sieht keine Verdrängung einheimischer Produkte durch die günstigeren Importe aus dem Euroland: «Die Landwirtschaft ist während der Erntezeit von der Euroschwäche am wenigsten betroffen, da der Zollschutz höher ist als die Verbilligung durch den schwachen Euro.» Hinzu komme, dass sich die Migros zur Schweizer Landwirtschaft bekenne. Naef: «Unsere eigene Industrie ist der grösste Abnehmer der Schweizer Landwirtschaft.» Deshalb sei der Grossverteiler schon aus Eigeninteresse nicht zusätzlich am Import von Lebensmitteln interessiert.