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Käsewirtschaft

«Wir spüren den schwachen Euro»

Der Präsident von Fromarte, René Kolly, glaubt, dass der Milchpreis gesenkt werden müsste, um Marktanteile zu halten. Gruyère und verschiedene Hart- und Halbhartkäse hielten sich am Besten.

«Schweizer Bauer»: Der Schweizer Käsewirtschaft macht der schwache Euro zu schaffen. Wie schätzen Sie die gegenwärtige Situation ein?
René Kolly: Der schwache Euro ist eine zusätzliche Schwierigkeit für uns. Die Käseimporte sind bereits hoch und steigen stärker als unsere Exporte. So verliert der Schweizer Käse Marktanteile. Hinzu kommt, dass wir momentan viel Käse in den Kellern haben. Wir spüren den schwachen Euro seit April in voller Schärfe: Im Vergleich zu 2009 exportierten wir im April 2010 449 Tonnen weniger in die EU — das ist ein Minus von 10 Prozent. Demgegenüber nahm der Käseexport ausserhalb von Europa um 48 Tonnen zu (+6,8%). Zusammen ergibt dies einen Exporteinbruch von 401 Tonnen (–8,1 %) auf 4554 Tonnen für den Monat April im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Im Mai sind die Käseexporte wieder leicht angestiegen?
Das ist so. Bei manchen Käsen geht es noch gut. Im Mai sind die Exporte im Vergleich zum Vorjahr nur um 22 Tonnen gesunken. Insgesamt stiegen die Exporte Januar bis Mai 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 969 Tonnen.
Welche Sorten behaupten sich am besten?
Der Gruyère und verschiedene Hartkäse und Halbhartkäse laufen noch besser. Gruyère-AOC-Exporte sind von Januar bis Mai 2010 im Vergleich zu 2009 um 591,5 Tonnen  gestiegen. Es ist sehr schwierig, diese Verbesserung zu erklären, aber ein Grund kann sein, dass die ausländischen Käseeinkäufer lieber in längerem Abstand grosse Mengen einkaufen als regelmässig kleine Mengen, um die Transportkosten zu senken.

Wie kann die Käsebranche auf die Euroschwäche reagieren?
Wir müssen zusammen mit der Branche schauen. Die Lager sind erhöht. So ergriff die Emmentaler Sortenorganisation Massnahmen. Eine davon beinhaltet die Einschränkung der Menge. Das ist jedoch keine langfristige Lösung. Man könnte auch den Milchpreis senken. Doch die Produzenten wehren sich natürlich dagegen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass wir den Käse weiterhin verkaufen müssen, um Marktanteile zu erhalten. Wir wollen den Milchpreis nicht senken — aber vielleicht müssen wir. Falls die Landwirtschaft der Meinung ist, dass die Milchwirtschaft nicht wie übrige Wirtschaftssektoren funktionieren kann, sollte sie die Käsereimilchproduzenten zu extensiveren Produktionsmethoden (Milchkuhrasse, Fütterungsvorgaben usw.) orientieren, die natürlich die Milchproduktion begrenzen werden.

Welches Verbesserungspotenzial sehen Sie bei der Vermarktung – insbesondere im oberen und mittleren Segment?
Dort kann man nie genug machen. Wir müssen uns weiterhin verbessern. Besseres Marketing kostet auch mehr Geld. Wir müssen die hohe Qualität und die Natürlichkeit unserer Produkte besser verkaufen.

Sind Sie zuversichtlich bei der Finanzierung des Abbaus der Butterlager?
Wir haben für die silofreie Milch 4 Mio. Franken vorgesehen. Das sind 1,5 Rp. pro Kilo Milch für die drei Monate Mai, Juni und Juli, welche von den Käsern eingezogen werden. Wir werden im August eine Bilanz über die drei Monate ziehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir die 4 Mio. Franken erreichen. Würden wir dies nicht schaffen, gäbe dies Druck auf den Butterpreis. Falls allgemein (inkl. Anteil der Industrie) die Massnahme nicht realisiert werden kann, wird dies eine Infragestellung der Beteiligung durch das Gewerbe in der Branchenorganisation Milch (BOM) zur Folge haben


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Simon Marti [26.07.2010 12:48]
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