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Alpaufzug vor den Migros-Hauptsitz für fairen Milchpreis

Rund 300 Bauern nahmen am Dienstag an einem «Alpaufzug» vom Hauptbahnhof Zürich bis zum Migros-Hochhaus teil. Sie forderten den Grossverteiler auf, seine verspreichen einzuhalten. Big-M hatte die Kundgebung organisiert. Mit Bildergalerie und Videos
Rund 300 BIG-M-Anhänger zeigten der Migros in Zürich die Rote Karte. / Susanne Meier

Big-M hat gerufen, und sie sind gekommen:  Rund 300 Milchbauern aus der ganzen Schweiz haben sich gestern Vormittag auf dem Carparkplatz hinter dem Hauptbahnhof Zürich versammelt. Von dort marschierten sie in Form eines Alpaufzugs mit Treicheln, Transparenten und Kühen Richtung Limmatplatz, zum Hauptsitz des Migros-Genossenschaftsbundes. Mit im Gepäck hatten sie auch die rote Karte, im Fussball ein klares Zeichen für ein grobes Foul oder unsportliches Verhalten. Und genau dies wirft Big-M der Migros vor.

Richtpreis nicht gezahlt

Das erste Foul beging der orange Riese gemäss Big-M-Copräsident Martin Haab bereits Mitte Juni. An der Sitzung der Branchenorganisation Milch (BOM) wurde zwar beschlossen, den Richtpreis für Industriemilch um drei Rappen anzuheben. Die Migrosvertreter in der BOM hätten der dringend nötigen Richtpreiserhöhung auch grundsätzlich zugestimmt. «Doch zusammen mit den Vertretern der Industrie haben sie bis heute jeden Vorschlag der Produzenten bekämpft, welcher die Überproduktion von Milch nachhaltig in den Griff gekriegt hätte», betont Haab. Man wisse aus sicherer Quelle, dass auch die Vertreterin der Migros diesem Beschluss zugestimmt habe. Aber ausgerechnet die Elsa, die vorwiegend im wertschöpfungsreichen Molkereisektor tätig sei, weigere sich, die von den Bauern dringend benötigten drei Rappen  zu bezahlen. «Dafür zeigen wir der Migros heute die rote Karte», rief Haab in die Menge, die der Aufforderung mit Treichelläuten und Geschrei nachkam.

Eigenlob im Magazin

Dazu komme, so der Copräsident von Big-M weiter, dass sich die Migros gern mit ihrem sozialen Verhalten brüste. Ihren Kunden habe sie nämlich im Migros-Magazin geschrieben, dass sie zu den Preiserhöhungen für die Bauern stehe, aber ihre Verkaufspreise für Milchprodukte nicht erhöhe. Sie trage die Mehrkosten selber und verzichte zugunsten der Konsumenten auf einen Teil der Marge.  Martin Haab: «Für diese faustdicke Lüge zeigen wir Migros heute eine weitere rote Karte.» Damit der Milchpreis steigen könne, müssten die Produzenten zuerst ihre Überschüsse in den Griff bekommen, argumentiere die Migros weiter. «Doch in der BOM wehren sich die Grossverteiler mit Händen und Füssen gegen eine griffige Mengensteuerung», kritisierte Haab weiter.

(K) eine Heile Welt

In der Werbung benutze die Migros die Schweizer Landwirtschaft oft, um eine heile und intakte Welt zu suggerieren, wirft Big-M dem Grossverteiler vor. «In Tat und Wahrheit aber schröpft sie die Bauern, wo sie nur kann und konkurrenziert unsere Produktion durch Importe aus der EU und aus Billiglohnländern, in welchen weit weniger Vorschriften und Auflagen bezüglich nachhaltiger Produktion bestehen», so Martin Haab vor dem Migros-Hochhaus vor den Bauern und zahlreichen Passanten, die von der Strasse und aus den Büros das friedliche Treiben beobachteten und es sich nicht nehmen liessen, eine der drei geschmückten Kühe zu streicheln. Und Haab verteilte weiteres Rot an den längst moralisch vom Platz gestellten Grossverteiler.

Eine nächste rote Karte kassierte die Migros, weil diese offiziell die Bauern in der dritten Welt unterstütze. «Das allein gilt es zu loben», betonte Haab, «aber die Migros- Vertreter in der Branchenorganisation unterstützen den Unsinn, dass der Schweizer Butterberg  in den Schwellen- und Entwicklungsländern entsorgt wird.» Dies geschehe mit Exportbeiträgen, welche vollumfänglich den Produzenten in Rechnung gestellt würden. So brauche es für diesen Dumpingexport zwar keine Staatsgelder mehr, aber für die Bauern dort sei es genau so tödlich, weil ihnen so durch die Billigstimporte ihre Existenzgrundlage abgegraben werde. «Für dieses verantwortungslose Foul an den Bauern hier wie dort zeigen wir der Migros heute auch die rote Karte.»

Sofortmassnahmen

Ob so viel dunkelrot wohl errötet, liess sich kein Migros-Manager blicken, um die orange Politik zu verteidigen. Nicht mit Pauken und Trompeten, doch ebenso eindrücklich mit Kühen und Glocken forderten die Bauern  eine sofortige Umsetzung der von der BOM beschlossenen Erhöhung des Richtpreises für Industriemilch um 3 Rp. Weiter verlangt Big-M, dass die Migros als fairer Partner zur einheimischen Nahrungsmittelproduktion steht und sich entsprechend verhält.

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Susanne Meier [27.07.2010 15:00]
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