78 Prozent würden mehr bezahlen
Milchbauern demonstrierten vor dem Migros-hauptsitz in Zürich für höhere Milchpreise. Eine Studie von Agro-Marketing Suisse zeigt, dass ein Grossteil der Konsumenten tatsächlich bereit wären, mehr für die Milch zu bezahlen.
Migros und Coop sind gegenüber "fairer" Milch skeptisch eingestellt. / Schweizer Bauer/AMS
Neu in Milchkontingentierung:
Ein Liter Vollmilch Hochpast kostet in der Migros nur noch Fr.1.15. Gemäss der Marktforschungsstudie, welche Agro-Marketing Suisse (AMS) von Mitte April bis Mitte Mai bei rund 1600 Konsumenten durchführen liess, wären 78 Prozent der Konsumenten aber bereit, mehr als Fr. 1.20 für 1 Liter Milch zu bezahlen. 61 Prozent würden sogar Fr. 1.50 und mehr bezahlen. Im Durchschnitt wären die Befragten bereit, Fr. 1.59 zu bezahlen.
Coop gibt drei Rappen weiter, der Preis ist aber dennoch wichtig
Innerhalb der Branchenorganisation Milch (BOM) setze sich Coop für einen fairen Milchpreis ein, und habe sich auch für die jüngste Erhöhung um 3 Rappen stark gemacht, meint Coop-Mediensprecherin Sabine Vulic. «Im Unterschied zu anderen Marktpartnern gibt Coop diese 3 Rappen auch weiter», ergänzt sie. Coop könne sich gut vorstellen, dass Konsumenten in einer Umfrage angeben, sie seien bereit, mehr für die Milch zu bezahlen: «Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass die Rede nicht isoliert von Frischmilch sein kann, sondern dass auch Milchprodukte, Käse und Butter davon mitbetroffen sind.» In diesen Bereichen spiele der Preis eine nicht unwesentliche Rolle.
Pro-Montagna-Milch Nachfrage verhältnismässig gering
Mit dem Pro-Montagna-Label führe Coop bereits ein Label für einen fairen Milchpreis. 1 Liter Pro-Montagna-Vollmilch pasteurisiert koste im Verkauf Fr. 1.55. «Die Bauern aus den Bergregionen bekommen für diese Milch einen besseren Preis, zusätzlich geht ein Anteil vom Verkaufspreis über das Hilfswerk Coop Patenschaft für Berggebiete wieder zurück in die Bergregionen», ergänzt Vulic.
Am Beispiel der Pro-Montagna-Milch zeige sich jedoch auch die Grenze der tatsächlichen Zahlungsbereitschaft der Konsumenten in Zusammenhang mit einem sozialen Mehrwert: «Die Nachfrage ist verhältnismässig gering und steht in keinem Verhältnis zu den 78% der Konsumenten, die laut der Studie angeben, im Interesse der Bauernschaft mehr für die Milch zahlen zu wollen.»
Label für faire Milch ist schwierig umzusetzen
Die Studie sei interessant, sagt Jürg Maurer, stellvertretender Leiter Wirtschaftspolitik bei der Migros. «Wie sich die Konsumenten in Umfragen äussern und wie sie sich an der Kasse verhalten, sind zwei verschiedene Dinge», betont er allerdings. Beim Kaufentscheid am Regal werde in den häufigsten Fällen die Standardmilch bevorzugt. Ein Label für «faire Milch» wäre schwierig umzusetzen, vermutet Maurer.