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Russland

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Russland ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Wer genügend Mut, und Geld hat, kann dort sicher sein Glück finden. Die «Schweizer Bauer»-Leserreise war zu Besuch auf dem Betrieb «Schweizer Milch» bei Kaluga. Mit Bildergalerie.
Der Betrieb «Schweizer Milch» entwickelt sich langsam, aber stetig weiter. / Stephan Schmidlin

Fährt ein Schweizer Bauer von Moskau in das südlich gelegene Kaluga, so zerreisst es ihm fast das Herz. Denn links und rechts entlang der Landstrasse sieht der Landwirt Tausende von Hektaren unbearbeitetes  Kulturland. Ein Hauptgrund für das Brachland sind die schwachen Böden in dieser Region. So handelt es sich hauptsächlich um leichte, sandige Böden, deren Ertragsfähigkeit stark von  Petrus’ Goodwill abhängig sind.

Regnet es zu wenig oder zu einem falschen Zeitpunkt, hat dies bei einer durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge von 500 bis 600 mm empfindlichen Einfluss auf den Ertrag. Wobei das Ertragsniveau bei Getreide zum Beispiel bei zwei bis vier Tonnen liegt. Aus diesem Grund  setzen die meisten bewirtschafteten Betriebe der Region auf die Rindviehhaltung und überlassen den Ackerbau den produktionsintensiven Schwarzerde-Regionen im Südwesten von Russland.

Teueres Land

Trotzdem sind die Landpreise in der Region Kaluga gigantisch. So hat Russland vor einigen Jahren ein Gesetz eingeführt, das alle staatliche Firmen dazu verpflichtete, sich an einem landwirtschaftlichen Betrieb zu beteiligen. Weiter haben sich reiche Investoren aus Moskau aus Spekulationsgründen alles verfügbare Land unter den Nagel gerissen. Das hat natürlich Auswirkung auf die Landpreise.  Diese haben sich in den letzten fünf Jahren von 20 Dollar  auf über 10000 Dollar pro Hektare verfünfhundertfacht! Da die Investoren aber kein Interesse an der Bewirtschaftung dieser Flächen haben, besteht die Möglichkeit, dieses Land günstig zu pachten. Wird es nicht bewirtschaftet, so verwalden diese Flächen sehr schnell und werden in ein paar Jahren nicht mehr der landwirtschaftlichen Produktion zur Verfügung stehen.

300 Kühe zum Ziel

Auch der Betrieb «Schweizer Milch» hat sich hauptsächlich der Rindviehhaltung zugewendet und baut lediglich 30 ha Getreide  als Kraftfutter für seine Tiere an. Neben dem Getreide wächst auf dem Betrieb zusätzlich 90 ha Mais. 495 ha  ist Grünland, das sich zum einen in Weiden in Dauergrünland und zum andern in Kunstwiese aufteilt.  Bei der Kunstwiese  setzt der Betrieb auf eine Rotklee-Luzerne-Mischung mit Knaulgras und Italienischem Raigras.

Zurzeit stehen 247 Kühe im Stall vom Betrieb «Schweizer Milch».  In Zukunft soll jedoch der neu erstellte Stall voll ausgelastet werden und die Herde dementsprechend auf 300 Kühe aufgestockt werden. Aus diesem Grund werden alle weiblichen Tiere ohne Selektion  aufgezogen. Das hat den Vorteil, dass  man  den Stall baldmöglichst auslasten kann, hat aber auch den Nachteil, dass der Zuchtfortschritt nur langsam voranschreitet.  Dementsprechend  haben die Tiere ein Leistungsniveau von 3000 bis 7000 kg Milch pro Tier und Jahr.  Wobei im Durchschnitt die Tiere 5500 kg Milch pro Jahr produzieren. Die  Milch  wird zu einem Drittel direkt vermarktet. Die Schweizer  können diese Milch für etwa einen Franken verkaufen. Die restlichen Zweidrittel  werden an eine Molkerei verkauft. Sie lässt sich  nach einer langen Durststrecke  endlich wieder zu 50 Rappen pro Kilogramm verkaufen.

Seilpark geplant

Weiter soll der Tourismus auf dem Landwirtschaftsbetrieb weiter gefördert werden. Die Betriebsleiter Hanspeter Michel und seine Teilhaber Florian Reichlin, Marcel Bucher und Jakob Bänninger planen deshalb den Bau eines Seilparks und haben diesbezüglich auch schon Kontakt mit Schweizer Firmen aufgenommen. Der Seilpark soll vor allem eine Attraktion für russische Touristen darstellen, da sich auch diese gerne mit einem Adventure-Trip amüsieren.

Natürlich freuen sich die Schweizer Auswanderer  immer  über Besuch aus der Schweiz.  Zudem ist man auch an Schweizer Praktikanten interessiert. Besonders Landmaschinenmechaniker sind auf dem Betrieb Schweizer Milch immer willkommen.

Ein kleines Paradies haben sich Svetlana und Vitali Nilov mit ihrer Molkerei erschaffen. Das Know-how für die Molkerei hat sich Vitali Nilov bei einem Praktikum in der Schweiz geholt. Mit dem erlernten Wissen hat sich Vitali in Russland nach den Vorgaben einer Schweizer Molkerei sein eigenes Reich erschaffen. Inzwischen ist die Molkerei  in der Region etabliert und hat schon  in ganz Russland hohe Auszeichnungen für ihre Produkte erhalten.

Die Milch bezieht Nilov von mehreren kleinen Bauern und einer ortsansässigen Kolchose. Um mehr Unabhängigkeit zu erlangen, hätte Nilov gerne noch einen weiteren grossen Lieferanten. Darum hat er sich auch schon 600 ha Land gekauft. Er würde das Land gerne einem Investor zur Milchproduktion zur Verfügung stellen. Am liebsten wäre ihm ein Partner aus der Schweiz.

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Der Betrieb «Schweizer Milch» sucht laufend Praktikanten. Interessenten können sich direkt bei Hanspeter Michel unter der Telefon-Nummer
+74 8434 37 155 melden.


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Stephan Schmidlin [30.07.2010 14:57]
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