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Die Preiserhöhungen im Anschluss an die Hitzewelle und infolge von Termingeschäften gebe Anlass zur Sorge, erklärte der Vorsitzende der COPA-/COGECA-Arbeitsgruppe „Getreide“, Paul T e m p l e , vergangene Woche in Brüssel. Zwar hätten die Getreidepreise im Wirtschaftsjahr 2009/10 teilweise um mehr als 50 % unter dem Niveau von 2007 gelegen, so dass ein Anstieg eigentlich keinen Verdruss bereiten sollte.
Dennoch wecke diese extrem starke Preisvolatilität Bedenken. Sie werde zum Problem für die Rohstoffversorgungskette. „Wir müssen daher sicherstellen, dass die Märkte besser funktionieren“, so Temple. Die Europäische Kommission korrigierte unterdessen ihre Schätzung für die diesjährige Weichweizenernte im Monatsvergleich leicht nach unten auf 129,7 Mio t. Die Körnermaisproduktion wird mit 60,8 Mio t etwas optimistischer eingeschätzt als im Juni. Hinzu kommen unter anderem 56,1 Mio t Gerste und 8,4 Mio t Roggen. Gemäß der am vergangenen Donnerstag im zuständigen Verwaltungsausschuss vorgelegten Prognose werden die Landwirte in der Gemeinschaft in diesem Jahr 287,3 Mio t Getreide einfahren. Das wären immer noch rund 7,5 Mio t weniger als 2009, aber immerhin 0,5 Mio t mehr als vor einem Monat angenommen. Die Kommission betonte, dass die Zahlen noch immer vorläufig seien; die Auswirkungen der Hitzewelle und Trockenheit seien nicht vollständig berücksichtigt. Für Deutschland rechnet die Kommission mit einer Ernte von 24,3 Mio t Weichweizen, 10,4 Mio t Gerste, 4,5 Mio t Mais und 3,3 Mio t Roggen. Das EU-Rapsaufkommen wird mittlerweile auf 20,7 Mio t veranschlagt, 0,7 Mio t weniger als 2009. Die Bundesrepublik würde dazu 5,7 Mio t beitragen.
Stabile Märkte gefordert
Temple geht von einem Rückgang der EU-Getreideerzeugung um 1,3 % gegenüber dem Vorjahr aus, was er als „recht stabil“ bezeichnete. Wie die Kommission wies er jedoch auf den Einfluss der Witterungsbedingungen hin. Er kritisierte, dass die aktuellen Preisschwankungen Spekulationsgeschäfte noch verschärften. Die Getreideerzeuger benötigen für ihre Arbeit jedoch ein gewisses Maß an Vorhersehbarkeit des Marktgeschehens. Nur so könne gewährleistet werden, dass die Produktion den wachsenden Anforderungen der Versorgung nachkomme. Vor allem die Tierhaltung sei auf ein konstantes, wettbewerbsfähiges Angebot angewiesen. Die noch verbleibenden Maßnahmen der Marktverwaltung müssten folglich im EU-Getreidesektor als ein Sicherungsnetz erhalten bleiben. Im Namen von COPA/COGECA rief er die europäischen Entscheidungsträger auf, für eine starke EU-Agrarpolitik nach 2013 einzutreten.
Bereits 1,5 Millionen Tonnen Getreide exportiert
Wie aus den Kommissionszahlen ferner hervorgeht, haben sich die Weizenexporte der Europäischen Union zuletzt etwas abgeschwächt: Im Zeitraum vom 14. bis zum 27. Juli wurden nach „Droit Commun“ ohne Exporterstattungen noch 410 000 t Weichweizen und 17 000 t Hartweizen auf den Weltmarkt gebracht. Gleichzeitig wurden Ausfuhrlizenzen für jeweils rund 104 000 t Gerste, 10 000 t Mais, 700 t Hafer und 46 000 t Weizenmehl gezogen. Seit Beginn des Wirtschaftsjahres 2010/11 sind gemäß der Exportlizenzstatistik Brüssels bis zum vergangenen Mittwoch einschließlich der in Getreideäquivalente umgerechneten Erzeugnisse 1,5 Mio t Getreide aus der Gemeinschaft in Drittländer geliefert worden, darunter rund 930 000 t Weichweizen, 90 000 t Weizenmehl, 30 000 t Hartweizen, 370 000 t Gerste, 30 000 t Mais sowie 2 000 t Hafer und 40 000 t Roggen.
Dem standen Getreideimporte von 360 000 t gegenüber, wovon 110 000 t auf Weichweizen, 46 000 t auf Hartweizen und 210 000 t auf Mais entfielen. In der EU-Intervention befanden sich zum Stichtag 25. Juli 2010 laut Kommissionsangaben insgesamt 6,0 Mio t Getreide, darunter 5,5 Mio t Gerste, 270 000 t Weichweizen und 160 000 t Mais.