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Laut Angaben des Bundesamtes für Umwelt wurden im vergangenen Jahr elf verschiedene Wölfe nachgewiesen, für weitere gab es Hinweise. Dass es in diesem Jahr einige mehr sein dürften, liegt daran, dass den Wölfen im harten Winter mehr Fallwild zur Verfügung stand.
Die nachgewiesenen Wölfe leben gut verteilt über die Alpenregion, je zwei in den Kantonen Wallis und Graubünden sowie insgesamt sechs im Gebiet Waadt, Freiburg, Bern und Luzern bis hin zum Zürichsee. Ein weiterer streift im Tessin umher.
61 Fälle gemeldet
Für das laufende Jahr sind bei der Forschungsstelle Kora 61 Nutztiere gemeldet worden, die von einem Wolf gerissen wurden. Es handelt sich dabei ausschliesslich um Schafe, wie der Website der Koordinierten Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz (Kora) am Dienstag zu entnehmen war.
Die meisten Fälle betreffen die Kantone Freiburg (28), Wallis (19) und Bern (10). Einzelne Risse gab es auch im Tessin und im Luzerner Entlebuch. Noch nicht enthalten in der Statistik mit Stand von Mitte Juli sind die jüngsten Vorfälle im Wallis - hier fielen auch zwei Rinder dem Wolf zum Opfer.
Jährlich töten Wölfe in der Schweiz ungefähr 200 Schafe, allerdings mit grossen Unterschieden: Die Zahl variiert seit 1999 laut Kora zwischen weniger als 20 und bis zu 350. Deutlich mehr der insgesamt 250'000 Schafe auf Schweizer Alpen sterben an Krankheiten, Unfällen oder Abstürzen: Es dürften 50 Mal mehr sein, nämlich rund 10'000.
Zustupf für Hunde
Entschädigt werden Schäden durch Wölfe gemeinsam vom Bund und den Kantonen. Der Bund engagiert sich aber auch für den Schutz der Herden. Er gibt dafür im laufenden Jahr 830'000 Franken aus. So unterstützt das BAFU den Kauf eines Schutzhundes mit 500 Franken, für den Unterhalt des Tieres gibt es jährlich 1000 Franken.
Eine zentrale Stelle (agridea) koordiniert den Herdenschutz. Sie empfiehlt nebst Schutzhunden und Hirten auch Zäune oder Esel, seit neuestem können auch Zivildienstler die Hirten unterstützen. Zur Umsetzung ist der Bund aber auf die Zusammenarbeit mit den Kantonen angewiesen.
Aus Sicht des Kantons Waadt zeigen die Massnahmen Erfolg: Im vergangenen Jahr sank die Zahl der getöteten Schafe und Ziegen auf 23, ein Jahr zuvor waren es noch 34 gewesen. Waadt hat aber mit rund 6000 Schafen in Berggebieten deutlich weniger als das Wallis mit über 52'000 Schafen.
Dem Todesurteil entgangen
Zum Abschuss freigegeben werden darf ein Wolf, wenn er in einem Monat mindestens 25 Schafe reisst oder innert vier Monaten 35. In den vergangenen zehn Jahren haben die Kantone - inklusive dem jüngsten Fall im Wallis - nach BAFU-Angaben zwölfmal das Todesurteil über einen Wolf gesprochen. Die grosse Mehrheit der Abschüsse bewilligte der Kanton Wallis.
Fast die Hälfte der Wölfe - nämlich fünf - entkamen aber ihren Jägern. Im vergangenen Jahr gelang es zum Beispiel nicht, innerhalb der 60-tägigen Frist einen Wolf im Entlebuch zu erschiessen. Das Tier verliess wahrscheinlich den Perimeter, bevor ein Jäger es vor die Flinte kriegte.
Nicht immer bedeuten aber Jäger des Wolfs Tod: Im Jahr 1999 endete ein Wolf am Simplon vor einem Walliser Schneepflug. In Gsteigwiler im Berner Oberland wurde 2006 ein Wolf von einem Zug überfahren.
Streng geschütztes Tier
Während mehr als hundert Jahren galt der Wolf in der Schweiz als ausgerottet, bevor 1995 ein Tier aus Italien auftauchte. Der Wolf ist durch die Berner Konvention von 1978 geschützt. Daran würden vor allem bürgerliche Politiker aus betroffenen Kantonen wie Wallis und Luzern gerne rütteln - trotz geringer Verbreitung des Wolfs, eher bescheidenen Schäden und Unterstützung für den Herdenschutz.
Bisher vor kurzem war ihnen kaum Erfolg beschieden. Im Juni aber nahm der Ständerat eine Motion an, welche den Schutz aufheben will.