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Ende Juli veranstaltete der Internationale Mais-Informationsring IMIR eine Exkursion zum Thema Maiswurzelbohrer nach Norditalien und ins Tessin. Die mitgereisten Landwirte und Berater konnten sich über die aktuelle Verbreitung des Maisschädlings ins Bild setzen und sahen den berühmt-berüchtigten Käfer einmal aus der Nähe.
165'740 ha in der Po-Ebene
Der Westliche Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera virgifera) wurde im Jahre 2001 aus Nordamerika in die Lombardei eingeschleppt. In der Region ist der intensive Maisanbau die Grundlage für die Milchviehhaltung. Daher fand die invasive Art ideale Voraussetzungen vor und konnte sich seither stark ausbreiten.
Letztes Jahr war in der Po-Ebene eine Maisanbaufläche von 165'740 Hektaren betroffen. Schätzungen gehen davon aus, dass es in zwei bis vier Jahren bereits über 400000 Hektaren sein könnten. Dies würde 30 Prozent der Maisanbaufläche Italiens entsprechen. Die Zahlen zeigen das grosse Verbreitungspotenzial der flinken Käferart und erklären, weshalb für seine Bekämpfung so grosse Anstrengungen unternommen werden.
Italien setzt auf Chemie
Auf einem Versuchsfeld im Umland von Mailand erklärt Alberto Mazzolari von Pioneer Italien Schadbild und Bekämpfung der mit dem Kartoffelkäfer verwandten Art. Hauptverursacher von Schäden sind die Tiere im Larvenstadium. Sie fressen an den Maiswurzeln und schwächen so Versorgung und Standfestigkeit der Pflanze. Ist der Mais einmal in Schräglage geraten, versucht er dies durch krummen Wuchs auszugleichen, den typischen Schwanenhalswuchs.
Als vorbeugende Massnahme wird eine frühe Saat empfohlen. Dies entspricht im milden Norditalien einem Saattermin Mitte März. Der junge Mais gewinnt dadurch einen Vorsprung und kann bereits ein widerstandsfähiges Wurzelwerk ausbilden, bevor die Larven Ende Mai schlüpfen. Diese können in Italien nur mit Granulat direkt bekämpft werden, welches zur Saat oder beim Hacken zugegeben wird. Derzeit laufen Versuche und ein Zulassungsverfahren für den Einsatz von Clothianidin-gebeiztem Saatgut (Poncho).
Monitoring entscheidend
Ende Juni setzt dann der Flug der Adulten ein. Nun ist das genaue Monitoring mittels Gelbfallen entscheidend. Ist der Befallsdruck hoch, wird schon zu einem frühen Zeitpunkt Insektizid gespritzt. Die Käfer ernähren sich gerne von Rispen und Seidenfäden und verursachen so einen schlechten Kornansatz. Bleibt die Population aber unter der wirtschaftlichen Schadschwelle, wie heuer aufgrund des kühlen Frühjahrs geschehen, dann wird mit der Behandlung bis vor der Eiablage der Weibchen Ende August zugewartet. Damit wird die Population für das nächste Jahr geschwächt.
So geht man in Italien mit dem Wurzelbohrer um. Die aufwendige Bekämpfung hat die Kosten für den Maisanbau aber stark in die Höhe getrieben.
Fruchtfolge ist effizient
Und in der Schweiz? Laut Mario Bertossa von Agroscope ACW lebt das Tessin in einer Art «Zwangsehe» mit dem Maiswurzelbohrer. Zwar fällt die Art in der Südschweiz nicht unangenehm auf, man kann sie aber auch nicht loswerden.
Im Fallennetz werden jedes Jahr zahlreiche aus Italien eingeflogene Wurzelbohrer gefangen. Dank der konsequenten Fruchtfolge konnte sich hierzulande bisher aber keine Population etablieren.
Langjährige Versuche im Tessin haben gezeigt, dass die Fruchtfolge eine erfolgreiche, günstige und umweltfreundliche Methode gegen den «1-Milliarde-Dollar-Käfer» (Billion-Dollar-Bug) ist, wie der Maiswurzelbohrer in den USA wegen der Schadensumme auch genannt wird.