Sauerbrut hat sich stark verbreitet
Eine hoch ansteckende bakterielle Erkrankung grassiert unter den Schweizer Bienen. Die Sauerbrut hat in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen. Mit Früherkennung und verschärften Abwehrmassnahmen versuchen Fachleute, den weiteren Anstieg einzudämmen.
Verband Bernischer Bienenzüchter / Verband Bernischer Bienenzüchter
Die Sauerbrut, auch europäische Faulbrut genannt, ist keine neue Krankheit, sondern bereits seit mehr als 100 Jahren bekannt. Während bis 1999 pro Jahr schweizweit rund 50 Fälle auftraten, stieg die Zahl der Erkrankungen seitdem kontinuierlich an. Im vergangenen Jahr wurden 796 Fälle gemeldet,im laufenden Jahr bereits über 400.
"Besonders stark betroffen sind die Kantone Bern, Solothurn, Zürich, Aargau, Appenzell und Graubünden", sagte Jean-Daniel Charrière vom Schweizerischen Zentrum für Bienenforschung der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP). Die Westschweiz ist dagegen noch weitgehend verschont.
Erwachsenen Bienen erkranken nicht, verbreiten aber Sauerbrut
Die Faulbrut befällt die jungen Larven der Bienen. Diese können keine Nahrung mehr aufnehmen und sterben ab. Erwachsene Bienen erkranken nicht, können den Krankheitserreger aber in sich tragen und weiter verbreiten. Für Menschen ist er nicht gefährlich.
Die Sauerbrut gehört zu den anzeigepflichtigen Krankheiten. Damit sind die Bekämpfungsschritte vorgegeben. Erkrankte oder geschwächte Bienenvölker müssen komplett vernichtet werden. Allein im Kanton Bern waren dies im vergangenen Jahr mehr als 700, sagte Charrière.
Vorsicht vor Zukäufen
Wichtig sind daher vorbeugende Massnahmen. So hat das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) in diesem Jahr eine Informationskampagne gestartet. Unter anderem gehört dazu eine DVD, die an alle Imker verteilt wurde. Die Fachleute raten beispielsweise zu Vorsicht bei Zukäufen von Bienen und zu guter Hygiene.
Krankheit frühzeitig entdecken
Ausserdem sei es wichtig, die Krankheit frühzeitig zu entdecken, damit sie nicht weiter verschleppt wird, sagte BVET-Sprecher Marcel Falk. Warum sich die Bienen-Krankheit gerade in der Schweiz so stark ausbreitet, ist noch nicht geklärt. Möglicherweise hat sich der Erreger verändert oder es gibt einen stärkeren Austausch.
Hohe Bienendichte mitschuldig?
Im Zentrum für Bienenforschung wurden verschiedene Stämme untersucht. Dabei zeigten sich grosse Unterschiede bei der Ansteckungsfähigkeit, erklärte Charrière. Dass die Schweiz ein Spezialfall bei der Zunahme der Krankheit sei, liege auch an der relativ hohen Bienendichte.
Zurzeit laufen Versuche zur Frühdiagnose der Faulbrut. Denn wenn die Symptome bereits sichtbar sind, ist die Krankheit schon weit fortgeschritten. Ausserdem arbeiten die Bienenforscher an neuen Sanierungsmassnahmen für Völker mit geringen Symptomen, damit nicht alle Bienen getötet werden müssen.
Sperrradius als Schutz
Obwohl die Zahl der Erkrankungen auch in diesem Jahr hoch ist, hofft Charrière auf eine Abflachung des bisherigen Trends. Zum einen, weil die Imker aufmerksamer sind, zum anderen, weil seit dem vergangenen Jahr neue Bekämpfungsmassnahmen gelten. So wird um betroffene Bienenstände nun ein Sperrgebiet von rund einem Kilometer Radius eingerichtet, um die Ausbreitung zu verhindern.