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Mycoplasma bovis

Mycoplasma bovis: Der noch kaum bekannte Erreger breitet sich aus

Die Fälle von Mastitis wegen Mykoplasmen wie Mycoplasma bovis haben zugenommen. Doch längst nicht alle Tierhalter kennen den Keim. Dabei kann der Erreger massiv zuschlagen.
Fritz und Monika Berger mit Kuh Dandolo Pergola, Miss Regionalschau Riffenmatt 2007. Bergers hatten mehrere Todesfälle im Stall wegen dem Erreger Mykoplasma Bovis. / Samuel Krähenbühl

Im Mai dieses Jahres wurde im «Schweizer Bauer» über den Betrieb Fritz Berger in Helgisried BE berichtet, welcher massive Tierverluste wegen nicht heilbarer Lungenentzündungen und Euterentzündungen zu verzeichnen hatte. Verantwortlich für die Probleme war das Bakterium Mycoplasma bovis. In den letzten zwei Jahren ist die Anzahl der betroffenen Betriebe angestiegen, weshalb der Erreger hier näher vorgestellt werden soll.

Keine Zellwand

Bei den Mykoplasmen handelt es sich um eine spezielle Bakterienart. Sie besitzen keine Zellwand und sind so empfindlich gegenüber Austrocknung und gegen alle gängigen Desinfektionsmittel. Die fehlende Zellwand macht sie aber auch unempfindlich gegenüber gewissen Antibiotika. Die Keime überleben an der Aussenwelt nur bei moderaten Temperaturen und bei genügender Feuchtigkeit. Sie leben primär im Körper der Kuh, wo sie Atemwege, Gelenke, Euter und Geschlechtstrakt besiedeln. Dies muss nicht zwangsläufig zu Krankheitszeichen führen. Somit können auch bei gesunden Tieren Mykoplasmen gefunden werden. Der Keimnachweis ist kompliziert und wird in der bakteriologischen Routineuntersuchung nicht durchgeführt.

Viele Krankheitsbilder

Mycoplasma bovis (die am häufigsten nachgewiesene Mykoplasmenart) verursacht Lungenentzündungen, Gelenksentzündungen, nicht therapierbare, ansteckende Mastitiden, Mittelohrentzündungen bei Kälbern und kann sporadisch Aborte auslösen. Oft finden sich Mykoplasmen auch als Begleiter von anderen Keimen. Durch die massiven Gewebeveränderungen bei einer Infektion sind Antibiotikatherapien meist sehr unbefriedigend und sollten im Falle einer Mastitis gar nicht eingeleitet werden.

Stress macht anfällig

Der Keim wird durch Tröpfchen, Aufnahme von verseuchter Milch (Kälber) und beim Melken übertragen. Intensiver Tierverkehr begünstigt eine Einschleppung des Keimes, und Stress gilt als Auslöser für einen Krankheitsausbruch. Stressfaktoren schliessen inadäquate Haltung, nicht leistungsgerechte Fütterung und Begleitkrankheiten mit ein. Diese Faktoren wirken sich erfahrungsgemäss bei hoch leistenden Tieren stärker aus, da diese durch ihre Leistung einem gewissen Stoffwechselstress ausgesetzt sind. Haltung von Kälbern und Kühen im gleichen Luftraum, Nicht-Einhalten einer Melkreihenfolge und ungenügende Melkarbeit/Melkhygiene können zur Verbreitung in der Herde führen. Bei den Jungtieren begünstigen die Haltung in grossen Gruppen mit verschiedenen Alterskategorien und ein ungenügendes Tränkemanagement die Ausbreitung.

Warnsignale

Wann muss an ein Mykoplasmenproblem gedacht werden?
Vermehrt Lungenentzündungen bei Kälbern und Kühen.
Kühe leiden an nicht therapierbaren, übertragbaren Euterinfektionen.
Die Mastitis beginnt an einem Viertel und breitet sich dann auf weitere Viertel der gleichen Kuh aus, stark veränderte Milch.
In der Routineuntersuchung der Milchprobe findet man kein Keimwachstum.
Vermehrt Gelenksentzündungen insbesondere bei Jungtieren.

Heimtückischer Erreger wütet im Stall - schon sechs tote Kühe


*Die Autorin arbeitet an der Wiederkäuerklinik der Vetsuisse Fakultät Bern.


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Michèle Bodmer* [13.08.2010 12:20]
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