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ePaper Schweizer Bauer

Nutztiere brauchen 60 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Erde, 30 Prozent der Erdoberfläche und 33 Prozent der weltweiten Ackerfläche zur Futterproduktion.
Gleichzeitig leisten sie einen wichtigen Beitrag zu Einkommen und Ernährung der ganzen Weltbevölkerung. Dieses Spannungsfeld zwischen Ernährungssicherheit und Umweltschutz wird immer öfter zum Spielball der Politik.
Bauern sollen billig produzieren, die Umwelt schonen und tierfreundliche Ställe bauen
Auch von den Schweizer Rindfleischproduzenten fordert das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) in seiner neuen Strategie 2025 Klimaneutralität und Ökologie. Mittelfristig warten demnach grosse Herausforderungen auf die Bauern: Sie sollen die Stickstoff- und Phosphoreffizienz steigern und den Ausstoss von Treibhausgasen senken – tierfreundlich selbstverständlich. Gleichzeitig müssen sie trotz sinkender Erlöse wirtschaftlich überleben. Und sie sollen zur Ernährungssicherheit beitragen.
BLW-Direktor Manfred Bötsch ist sich aber bewusst: «Welche Verbesserungen wirklich erreicht werden, hängt von den finanziellen Mitteln ab.» In Luxemburg glaube man, dass über verschiedene Betriebstypen hinweg eine CO2-freie Produktion möglich sei, sagte Bötsch am Fleischrindersymposium an der beef.ch. Mutterkuhhaltung schneide diesbezüglich, bezogen auf die Fläche, relativ gut ab.
Gute Ökobilanz ergibt grossen politischen Support
Je mehr die Forderungen in Richtung Ökologie schwenken, desto mehr hat das Grasland Schweiz die Nase vorn. Bötsch ist sich jedoch sicher, dass zwischen den fleischproduzierenden Betrieben diesbezüglich noch grosse Unterschiede bestehen: «Man muss kein Hellseher sein, um voraussehen zu können, dass die Betriebe mit der besten Ökobilanz politisch den besten Rückhalt bekommen werden.»
Ökoeffiziente Betriebe hätten auch die besten Argumente bei den Vermarktern. Je näher sie bei den Konsumenten seien, desto besser.
Extensiv darf nicht gegen intensiv ausgespielt werden
Auch ETH-Professor Bernard Lehmann weiss: «Wichtig ist in Zukunft, dass die Nahrungsmittelproduktion weniger abhängig wird von fossilen Stoffen und Materialien.» Damit wolle er aber nicht sagen, dass man immer mehr extensivieren müsse, denn sonst wäre die Ernährungssicherheit nicht mehr gewährleistet.
Man dürfe «extensiv» und «intensiv» nicht gegeneinander ausspielen. Sein Rat gleicht jenem von Bötsch: «Aus ökonomischer Sicht müsste mit den Marktpartnern ein neues Marktsegment aufgebaut werden.»
Marktchancen sind intakt
Lehmann kann sich etwa ein Label für klimaneutrales Weidefleisch vorstellen. Er warnt davor, diese Entwicklung zu verschlafen und das Feld dem Ausland zu überlassen.
Hermann Bader, Geschäftsführer der Traitafina, sieht durchaus Marktchancen für klimaneutrales Fleisch. Wenn man das klug angehe, sei es machbar, trotz grossem Zeit- und Arbeitsaufwand. Sobald die Mutterkuhhalter mit einem Konzept zu ihm kommen, seien er und die Traitafina dabei.