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BLW: «Mehr Preisvergleiche!»

Das BLW erwartet eine grosse politische Diskussion zu Parallelimporten. Eduard Hofer nennt sechs Gründe, warum in der Schweiz die Preise höher sind, und sagt, was man dagegen tun kann.
Eduard Hofer, Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft.

Schweizer Bauer: Eine neue Studie zeigt, Schweizer Bauern bezahlen für ihre Produktionsmittel fast einen Viertel mehr als ihre Kollegen in Frankreich und Deutschland. Warum?
Eduard Hofer, Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft: Wir haben sechs Gründe festgestellt. Erstens führen der Lebensstandard und die Kleinräumigkeit der Schweiz zu höheren Kosten, etwa zu hohen Baulandpreisen und mehr Bauvorschriften. Zweitens sind – allerdings nicht mehr überall –die Löhne höher. Drittens gestalten internationale Lieferfirmen ihre Preise je nach Land unterschiedlich. Das ist ein Hauptgrund. Rechnen die Firmen in einem Land mit höherer Kaufkraft, verlangen sie auch höhere Preise. Das kennt man von den Medikamenten, und in der Landwirtschaft ist das zum Beispiel bei Maschinen oder Pflanzenschutzmitteln der Fall.

Was kann der Staat dagegen tun?
Es gibt fast keine staatlichen Vorschriften mehr, die hier zu höheren Preisen als in der EU führen. Der Preis wird über die Verteilstrukturen festgelegt. Die internationalen Verteiler verhindern, dass zum Beispiel deutsche Händler zu deutschen Preisen in die Schweiz liefern.

Der vierte Grund?
Ist das Verteilnetz. Es ist in der Schweiz viel dichter. Schweizer Händler machen tiefere Umsätze als ausländische Kollegen und weisen folglich pro verkaufte Einheit höhere Fixkosten auf. Fünftens ist es zudem nicht auszuschliessen, dass bei Maschinen für die Schweiz gewisse Zusatzausrüstungen vormontiert werden, weil man annimmt, dass die Schweizer Bauern diese sowieso wünschen. Sechstens ist die Schweiz im Vergleich zu Deutschland halt einfach ein kleiner Markt.

Die Studie fördert grosse Preisunterschiede beim Dünger innerhalb der Schweiz zu Tage. Wie lassen sich die erklären?
Die Studie gibt keine Erklärung. Wahrscheinlich ist, dass die Bauern beim Düngereinkauf die Preise wenig überregional vergleichen.
 
Könnten die Bauern 30 Prozent sparen, wenn sie am «richtigen» Ort einkauften?
Es gibt Preisunterschiede innerhalb der Schweiz, die liessen sich sicher besser nutzen. Die Differenz zum Ausland wird damit aber nicht ausgeglättet. Gegen die Kleinräumigkeit etwa kann der Maschinenhändler ja nichts machen. Angesichts des dichten Verteilnetzes, wird aber klar, dass auch im Handel mit Produktionsmitteln und Maschinen eine Strukturentwicklung  eintreten wird. Diese wiederum braucht ihre Zeit.

Was raten Sie Produzenten, die günstig einkaufen wollen?
Die Preise zu vergleichen! Sie sollen sich über die traditionelle Handelsbeziehung hinaus bei ihren Kollegen und anderen Händlern nach den Preisen erkundigen und diese Infos in den Preisverhandlungen einsetzen.

Welche kostensenkenden Instrumente kann die Landwirtschaft von der Agrarpolitik 2011 erwarten?
Der allergrösste Teil unserer Vorschriften ist mit der EU harmonisiert. Es bleibt der Preisüberwacher, der hat zum Beispiel die Vertragsbindung der Landi kritisiert, diese haben ja auch prompt reagiert. Weiter kann die Wettbewerbskommission Gebietsabsprachen verhindern. Auf die Vorgänge im Ausland, z. B. die Preisdifferenzierung durch internationalen Firme hat die Weko aber keinen Einfluss. Was als Massnahme bleibt, ist die Erlaubnis zu Parallelimporten von patentgeschützten Produkten.

Dagegen regt sich Widerstand. Ist die Idee gestorben, bevor sie geboren wurde?
Sie würde vor allem patentgeschützte Pflanzenschutzmittel betreffen. In früheren Diskussionen hat sich der Bundesrat generell gegen die Zulassung von Parallelimporten ausgesprochen. Wir beantragen in der AP 2011 jetzt eine Ausnahme für landwirtschaftliche Produktionsmittel. Das wird sicher eine Diskussion hervorrufen. Das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement wird sich aber dafür einsetzen.


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Stephan Jaun-Pfander [31.08.05 10:43]
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