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Eigentlich wären die Schweizer Landwirtschaft und der Schweizer Tourismus ein ideales Paar, und die Zeichen für ihren gemeinsamen Erfolg stünden gut: leistungsfähige Landwirtschaftsbetriebe, kleinräumige und reich strukturierte Kulturlandschaft, solide touristische Infrastruktur und viele touristische Attraktionen.

Einige Landwirtschaftsbetriebe konnten sich deshalb auch erfolgreich im Tourismusmarkt positionieren.

Bayern weit voraus

Trotz positiven Vorzeichen: Mit der Entwicklung des Agrotourismus hapert es. Zwar hat sich die Anzahl Logiernächte bei Ferien auf dem Bauernhof in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Das Potenzial ist mit rund 250 Betrieben, die «Ferien auf dem Bauernhof» anbieten, und fast so vielen Schlaf-im-Stroh-Betrieben noch lange nicht ausgeschöpft.

Das zeigt das Beispiel Bayerns, neben Österreich einer der führenden Agrotourismusregionen Europas, deutlich. Auf knapp doppelter Fläche, mit mehr als doppelt so vielen Landwirtschaftsbetrieben und einer vergleichbaren touristischen Infrastruktur bieten im Freistaat über 7000 Betriebe «Urlaub auf dem Bauernhof» an.

Die Bayerischen Bauernfamilien reagierten damit wohl nicht zuletzt auf den wirtschaftlichen Druck der gemeinsamen Agrarpolitik in der Europäischen Union.

Wer gibt Schub?

Wer könnte also den Schweizer Bauern mehr Gäste und mehr Ferienbetten bringen? Der Bund vielleicht? Hinter den Verwaltungstüren arbeitet man zwar ohne eigentliches Konzept für Bauernhofferien. «Aber die Finanzielle Unterstützung ist auf zwei Wegen möglich», erklärt Markus Wildisen vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW).

Erstens können Kantone und Bund Landwirtschaftsbetriebe mit Investitionskrediten für die einzelbetriebliche Diversifizierung unterstützen. Das schliesst den Agrotourismus mit ein, allerdings mit dem Vorbehalt, dass er das lokale Gewerbe nicht konkurrenzieren darf.

Modellprojekt beim Bund

Zweitens unterstützt der Bund im Moment in Zusammenarbeit mit den Kantonen Wallis und Tessin im Val d'Hérens und im Maggia-Tal zwei Pilotprojekte für die Entwicklung des ländlichen Raums. Ziel ist unter anderem die Förderung des Agrotourismus.

Entsprechende Erfahrungen sollen in die Agrarpolitik 2011 einfliessen, wie Wildisen weiter ausführt. Als Grundlage für die Förderung dient dem BLW ein Passus im Landwirtschaftsgesetz, für den es bisher noch keine Verordnung gibt: Gemäss Art. 93 1c kann der Bund an Projekte zur regionalen Entwicklung und zur Förderung einheimischer Produkte Strukturverbesserungsmittel auszahlen; im Wallis und im Tessin will das BLW dazu erste Erfahrungen sammeln.

Weiter hat der Bundesrat mit der AP2011 auch Lockerungen im Raumplanungsrecht in Aussicht gestellt, profitieren soll ausdrücklich auch der Agrotourismus. Konkret: künftig soll der Umbau von landwirtschaftlichen Gebäuden zu agrotouristischer Infrastruktur eher möglich sein.

«Bereichert das Angebot»

Unterstützung erhalten landwirtschaftliche Tourismusanbieter auch vom der nationalen Tourismusmarketingorganisation Schweiz Tourismus. «Agrotourismus verkörpert ein typisches Bild der Schweiz, ist authentisch, natürlich und bereichert das Schweizer Angebot», erklärt die Kommunikationsverantwortliche Daniela Baer.

Und wie schätzt die Tourismusfachfrau die Chancen der Bauern auf dem Markt ein? Es sei unbestritten ein Potenzial vorhanden. Verbesserungsmöglichkeiten sieht Baer aber in der Vermarktung und der Promotion der Angebote.

Nichts wie drauf los also? Zumindest prüfenswert ist dieser Betriebszweig allemal. Wem das Wohlbefinden anderer Menschen am Herzen liegt, wer scharf rechnet und gut kommuniziert, und wer vielleicht sogar einen bisherigen Betriebszweig in Kombination mit dem Agrotourismus ausbauen kann (Hofladen, Reitunterricht, usw.) bringt die Voraussetzungen mit, um Landwirtschaft und Tourismus - das ideale Paar - zusammenzubringe

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STEPHAN JAUN-PFANDER