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Wer Campingferien auf dem Bauernhof anbietet, bei dem sind Berührungsängste fehl am Platz: «Die fremden Leuten auf unserem Hof stören uns nicht», sagt Edith Knüsel (39), die zusammen mit ihrem Ehemann Beat (45) und den Kindern Yvonne (16) und Andreas (17) den «Erlebnisbauernhof Gerbe» in Meierskappel LU betreibt.
Ihr Freizeitangebot - Campingferien, Schlaf im Stroh, Tipiferien und Events auf dem Bauernof - spreche Bankdirektoren und Hilfsarbeiter gleichermassen an, lacht die Bäuerin. Bereits seit neun Jahren bietet die aufgestellte Bauernfamilie ihren Gästen einen Zeltplatz an.
Campierende Schulklassen gaben den Ausschlag
Die Idee für den Campingplatz kam, als Edith Knüsel einen Kurs für «Schule auf dem Bauernhof» besuchte. Danach sind immer wieder ganze Schulklassen auf dem Hof zu Besuch gewesen und über Nacht geblieben. Als sich dann einige Eltern erkundigten, ob sie auch mal auf dem Hof campieren dürften, sagten sich die Knüsels: Warum eigentlich nicht?
Damit aber war es nicht getan. Toiletten-Anlagen, Duschen, Waschmaschinen, Spülbecken - die ganze Infrastruktur eines Zeltplatzes musste her, und vor allem eine Ausnahmebewilligung von der Gemeinde, damit die Knüsels in der Landwirtschaftszone überhaupt einen Zeltplatz führen durften.
Drei Jahre verhandelt
Weil die Bewilligung nur provisorischen Charakters war, und Knüsels ihren neuen Betriebszweig längerfristig betreiben wollten, wurde eine Umzonung ins Auge gefasst. «Drei Jahre lang haben wir verhandelt», erzählt Beat Knüsel. Zuerst mit dem Anwalt, dann mit der Kantonsregierung, mit den zuständigen Ämtern und am Schluss noch vor der Gemeindeversammlung.
«Schliesslich konnten wir die Umzonung von 50 Aren Landwirtschaftsland in die Campingplatzzone im Rahmen der kommunalen Ortsplanungsrevision durchbringen», erinnert sich Knüsel. Auch die Einsprache, welche gegen die Umzonung einging, wurde ausgeräumt.
Keine Wohnwagen
Mehr Mühe mit den Bewilligungen hat Landwirt und Campingplatz-Betreiber Armin Hotz aus Morgarten ZG. Das Bauordnungsreglement der Einwohnergemeinde Oberägeri - dazu gehört auch Morgarten - schreibt nämlich vor, dass in der Campingplatzzone die Flächennutzung genau eingehalten werden muss. Und weil Hotz im Jahre 1998 für die Nutzung als Zeltplatz unterschrieben hat, wird ihm heute das Abstellen von Wohnwagen verboten.
Doch beide Betriebe, sowohl Hotz in Morgarten als auch Knüsel in Meierskappel, setzen weiterhin voll auf ihr Campingangebot. Wir haben bisher zwischen 500'000 und einer Million Franken investiert, jetzt wollen wir die Umbauten amortisieren», sagt Beat Knüssel. Realisiert wurden ein moderner Hofladen mit Produkten vom eigenen Betrieb und aus der Region, ein Restaurant mit einer Profiküche, ein Schwimmbad und ein grosser Partyraum.
Fast ein normaler Betrieb
Finanziell lohne sich die Betreuung der Campinggäste alleweil. «Unser Einkommen ist deutlich höher als vorher, als wir noch einen ‹normalen› Bauernbetrieb führten», sagt Knüsel. Wegen der Gästebetreuung - neben den Luing-Mutterkühen und den drei Hektaren Intensiv-Obstkulturen - ist aber auch die Arbeitsbelastung gestiegen. Die Atmosphäre auf dem Hof ist dennoch locker - oder eben «familiär und gemütlich, mit vielen spontanen, dem Bauernhof entsprechenden Erlebnissen», wie Knüsels Homepage verspricht.
Mehr Infos unter www.camping.ch und www.swiss-bauernhof.ch