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ePaper Schweizer Bauer
Schweizer Bauer: In Bayern ist ab heute die Freilandhaltung von Geflügel verboten. Auch Märkte soll es nicht mehr geben. Eine Überreaktion?
Richard Hoop: Geflügelmärkte haben in Bayern Tradition. Dort ist das Risiko einer Übertragung des Vogelgrippe-Virus gross. Diese Märkte sind ein Treffpunkt von Tieren aus ganz Europa. Zum Verbot der Freilandhaltung: Jedes Land macht seine eigene Risikobeurteilung und leitet daraus Massnahmen ab.
Drängt sich ein Verbot der Freilandhaltung auch in der Schweiz auf?
Nein. Um diese Massnahme zu rechtfertigen, müsste das gefährliche H5N1-Virus näher bei uns aufgetreten sein.
Am Montag hat Griechenland einen Verdacht auf Vogelgrippe gemeldet. Hat dies Folgen für die Schweizer Geflügelhalter?
Derzeit nicht. Zuerst muss nachgewiesen werden, ob es sich dabei um das gefährliche H5N1-Virus handelt. In Griechenland wurden vorerst nur Antikörper gegen aviäre Influenza nachgewiesen. Der Virus-Stamm muss erst noch bestimmt werden.
Das besagte Tier könnte auch von einem gewöhnlichen Vogelgrippe-Erreger befallen sein?
Antikörper gegen aviäre Influenza sind weit verbreitet. In Deutschland zum Beispiel weisen etwa 10 Prozent der Truten Antikörper gegen diese Krankheit auf, aber in der Regel nicht gegen H5N1.
Zeitungen, Radio und Fernsehen berichten derzeit über jeden Aspekt der Vogelgrippe. Wie beurteilen Sie die Medienkampagne? Klärt sie auf, oder macht sie Angst?
Ich habe das Gefühl, es ist eher Angstmacherei. Der Laie wird dabei aber je länger desto mehr verunsichert. Er lässt sich dadurch zu Massnahmen hinreissen, die unverhältnismässig sind. So etwa zum Kauf von Tamiflu, dem Medikament, das gegen das H5N1-Virus wirken soll.
Die Bevölkerungsgruppe mit dem grössten Risiko, mit dem H5N1-Virus infiziert zu werden, sind die Geflügelhalter. Empfehlen Sie ihnen, sich Tamiflu auf Vorrat zu beschaffen?
Nein. Sie sollen die üblichen Hygienemassnahmen befolgen.
Sonst sollen sie nichts unternehmen?
Wer sich einer grösseren Gefahr ausgesetzt sieht, soll eine Grippeimpfung machen. Diese hat den Vorteil, dass sich zwei verschiedene Virustypen nicht im menschlichen Organismus treffen können. Damit ist die Gefahr geringer, dass sich neue, aggressivere Virusstämme bilden. Zudem ist sie zu empfehlen ab einem gewissen Alter und für Leute, die unter Atemwegserkrankungen leiden.
Weshalb kein Tamiflu?
Das Medikament auf Vorrat zu kaufen, macht wenig Sinn. Einerseits muss vor dessen Einnahme zweifelsfrei feststehen, ob es sich beim Krankheitserreger wirklich um das H5N1-Virus handelt. Für die Diagnose sind Ärzte besser geeignet als wir. Anderseits wäre es ohnehin nur auf dem Graumarkt erhältlich. Und es ist teuer.
Derzeit sind Sie daran, Singvögel auf das Vogelgrippe-Virus zu untersuchen. Gibt es erste Resultate?
Nein, noch nicht. Ich schätze die Wahrscheinlichkeit, etwas zu finden, als sehr gering ein.
Warum?
Singvögel sind weniger gefährdet, Träger des Vogelgrippe-Virus zu sein, als Wasservögel. Jahrelange Vogelüberwachungen haben gezeigt, dass das Erregerreservoir vorwiegend bei Enten und Gänsen vorhanden ist. Bei anderen Vogelarten findet man Grippeerreger nur im Verhältnis 1000 : 1.
Wo kann Geflügel in Kontakt mit Wildvögeln kommen?
Am ehesten bei Geflügelbetrieben in der Nähe von offenen Gewässern. Ein kürzlich abgeschlossenenes Projekt zeigte aber, dass es davon in der Schweiz fast keine gibt.
Als wie gross schätzen Sie das Risiko einer Vogelgrippe-Epidemie in der Schweiz ein?
Es ist gering. Selbst wenn die Vogelgrippe in einem europäischen Land ausbrechen würde, wäre die Gefahr einer Pandemie sehr klein.
Weshalb?
Das Hygieneverständnis bei uns ist viel grösser als dort. Zudem gibt es bei uns Impfstoff gegen Grippe, was die Prophylaxe unterstützt. Im schlimmsten Fall kann bei uns Tamiflu eingesetzt werden. All dies war und ist im asiatischen Raum nicht möglich. Auch sind die Eindämmung von Ausbrüchen beim Geflügel und die Kontrolle in Europa wesentlich besser organisiert als in Asien.
Wie kommen Sie zu diesem Schluss?
Aus Asien sah man oft Bilder, auf denen Menschen im gleichen Raum wie das Geflügel schlafen. Oder Menschen baden in Gewässern, die stark von Wasservögeln frequentiert sind – bei uns undenkbar.