Roche-Medi wirkt gegen Vogelgrippe-Virus
Der Basler Pharmakonzern Roche baut die Produktionskapazitäten für sein Grippemittel Tamiflu aus, um Vorräte im Fall einer Geflügelpest-Pandemie zu schaffen.
Vor dem Hintergrund der in Asien grassierenden Vogelgrippe hat der Bundesrat im Frühjahr per Verordnung festgelegt, wie viele Grippemedikamente in der Schweiz vorrätig sein müssen. Bis Ende 2006 muss ein Bestand vorhanden sein, der für 20 % der Bevölkerung reicht. Pandemie-Szenarien gehen davon aus, dass bis zu einem Fünftel der Bevölkerung erkranken würde.
Die Lager werden kontinuierlich aufgestockt. Bis Ende 2004 werde die Schweiz über rund ein Drittel der verlangten Vorräte verfügen, sagte Ueli Haudenschild vom Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) am 2. November auf Anfrage. Die Menge sei für eine therapeutische Dosis berechnet. Im Fall einer Pandemie käme für gefährdete Personen auch eine präventive Verabreichung in Frage.
Tamiflu und Relenza
Auf dem Markt sind laut Haudenschild zwei Medikamente, die im Falle einer Vogelgrippe-Infektion eingesetzt werden könnten. Es handelt sich um Tamiflu (Roche) und Relenza (GlaxoSmithKline). Beide Medikamente hemmen die Vermehrung von Grippe-Viren. Sie können eine Verringerung des Schweregrads und eine Verkürzung der Krankheit bewirken.
Der Basler Pharmakonzern Roche teilte gleichentags mit, er baue die Produktionskapazitäten für Tamiflu aus. Zwar hätten bislang nur wenige Regierungen feste Bestellungen von Tamiflu in Aussicht gestellt. Dennoch habe Roche das Herstellungsvolumen des Grippemittels 2004 verdoppelt und wolle es auch 2005 auf diesem Niveau halten.
In der Schweiz muss die Regierung kein Tamiflu bestellen. Sie kann die Produzenten oder Importeure zur Lagerung einer bestimmten Menge verpflichten, wie Haudenschild erklärte.
Aufwändige Herstellung erschwert Lagerhaltung
Die Herstellung von Tamiflu ist komplex und nimmt fast zwölf Monate in Anspruch. Im Fall eines Ausbruchs einer Pandemie könnte Roche wegen der langen Vorlaufzeit deshalb keine zusätzlichen Lieferungen in letzter Minute machen. Letztes Jahr hatte Roche mit dem Mittel einen Umsatz von 431 Mio. Fr. erzielt.
Eine neue US-Studie hat laut Roche die Wirksamkeit des Medikaments Tamiflu gegen das Vogelgrippe-Virus H5N1 bestätigt, das auch Menschen befallen kann. Das Virus ist derzeit in Thailand und Vietnam im Umlauf und hat seit Januar bereits mehr als dreissig Todesopfer gefordert. Gegen das Virus ist noch kein Impfstoff zugelassen.
Fachleute betonen, dass immer mit einer Influenza-Pandemie - der weltweiten Verbreitung eines neuen Grippevirus - zu rechnen ist. Im Winter ist wegen der nass-kalten Witterung die Gefahr grösser als im Sommer. sda