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Agrotourismus

Wer viel investiert, muss viel erwirtschaften

Ein klares Bekenntnis zum Betriebszweig «Agrotourismus» ist die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg. Eine Zielgrösse ist der sonst realisierbare Mietzins.
Bauernmeitli Ramona (links) spielt mit Freundin Anina. Viele Gäste suchen im Agrotourismus auf dem Hof auch «Gschpändli» für die eigenen Kinder. / (Bild: Pamela Fehrenbach)

Das Unterfangen, exakte Angaben über die Wirtschaftlichkeit von Dienstleistungen wie «Ferien auf dem Bauernhof» oder «Schlaf im Stroh» in Erfahrung zu bringen, erweist sich als «Marsch durch die Institutionen» mit dürftigen Ergebnissen. Die ansonsten so redseligen Agrarstatistiken geben sich wortkarg. Zahlen der Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft und Landtechnik (FAT) helfen nicht weiter. Dort sind zwar Roherträge für «Ferien auf dem Bauernhof», «Schlafen im Stroh» oder «Gastwirtschaft» in Erfahrung zu bringen. Die Werte sind allerdings Durchschnitterträge, bezogen auf die rund 3000 Referenzbetriebe und sagen damit nichts aus für Betriebe, die sich auf Agrotourismus spezialisiert haben.

Rita Barth, langjährige Präsidentin des Vereins «Ferien auf dem Bauernhof», kennt dagegen die genauen Zahlen ihrer Mitgliedsbetriebe; Details dazu kann sie jedoch aus verständlichen Gründen nicht verraten. Immerhin so viel: Die im Verein «Ferien auf dem Bauernhof» zusammengeschlossenen Betriebe erzielten im Jahr 2004 einen Umsatz von gut zwei Millionen Franken. Wie viel allerdings die Anbieter durchschnittlich mit ihrem Angebot unter dem Strich verdienen, ist nicht zu erfahren. «Wer ein gutes Angebot hat, der kann mit Bauernhof-Ferien auch etwas verdienen», macht Barth klar. «Gutes Angebot» meint in erster Linie Professionalität: Eine professionelle Einstellung zum Gast und eine zeitgemässe Infrastrukur sowie nach Möglichkeit zusätzliche Leistungen wie «Kinderferien», «Spielplatz» oder «Streichelzoo».

Bei Letzterem warnt Barth sogleich: «Die Anbieter sollen für einen Streichelzoo nicht mehr Tiere halten, als sie auch in Zeiten ohne Gäste mit gleichem Aufwand pflegen können.» Diese Aussage scheint symptomatisch für die Anbieter von agrotouristischen Angeboten zu sein. Der Grat zwischen vertretbarem Aufwand und wünschbarem Ertrag ist schmal, und besonders Neulinge im Geschäft wissen kaum, wo dieser Grat verläuft.

Das hat auch Pia Lenz von der Fachstelle für Ländliche Hauswirtschaft und Familie in Weinfelden festgestellt. Sie hat im Rahmen ihrer Diplomarbeit an der Hochschule für Wirtschaft in Luzern mit zwei Co-Autoren den Agrotourismus in der Bodenseeregion unter die Lupe genommen. In der im Jahre 2003 durchgeführten Umfrage unter 155 Bauernfamilien wurde unter anderem nach den Investitionen in den Agrotourismus gefragt. «Generell werden mit kleinen Investitionen keine hohen Umsätze realisiert. Als kritisch beurteilt werden diejenigen (Betriebe), die viel investiert haben und einen geringen Umsatz erwirtschaften.» Fazit: Wer etwas verdienen will, muss etwas (aber nicht zu viel) investieren – und wer viel investiert (hat), der muss auch entsprechende Umsätze erzielen. «Um möglichst flexibel zu sein, sollten die getätigten Investionen innerhalb von fünf bis zehn Jahren amortisiert sein», raten die Autoren der Ostschweizer Situationsanalyse und schliessen: «Die agrotouristischen Angebote müssen professionalisiert werden, um eine angemessene Wertschöpfung zu erzielen und langfristig das Einkommen zu sichern.

Genaue wirtschaftliche Kennzahlen über agrotouristische Angebote sind unter anderem aus Baden-Württemberg bekannt. So berichtet der Landwirschaftliche Informationsdienst (LID) im März dieses Jahres von einer entsprechenden Studie. Eine Analyse von 62 Höfen, die Ferienwohnungen anbieten, weist Gewinne pro Ferienwohnung und Jahr von rund 2000 Euro (3000 Franken) aus, pro Betrieb sind es 5000 Euro im Jahr. «Wie erfolgreich das touristische Angebot auf dem Bauernhof ist, hängt laut der deutschen Auswertung davon ab, wie viele Tage die Wohnung zu welchem Preis vermietet war und welche festen und variablen Kosten anfallen», berichtet der LI

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Stefan Hilzinger