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Die Zahlen sind erschreckend: Betroffen ist eine Milliarde Menschen, die von der Bewirtschaftung des Bodens leben. Zwei Drittel des afrikanischen Kontinents sind von Wüstenbildung betroffen. In Spanien droht ein Fünftel des Landes zur Wüste zu werden und in den USA sind 30 Prozent der Fläche von diesem Phänomen betroffen.
Die schiere Bedeutung des Problems hat die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) dazu bewogen, das Jahr 2006 zum internationalen Jahr der Wüsten und Wüstenbildung zu ernennen. Aktivitäten dazu sind in der Schweiz bis jetzt kaum geplant. Ziel des Jahres ist es, die Bevölkerung für das Problem zu sensibilisieren.
Die Auswirkungen der Wüstenbildung sind gravierend. Häufig sind es die Menschen in ländlichen Gegenden der Dritten Welt, die vertrieben werden, weil sie dem Boden nicht mehr genügend Nahrung abtrotzen können. 135 Millionen Menschen – die Bevölkerung von ganz Frankreich und Deutschland zusammen – droht dieses Schicksal, schätzen Experten.
Wüste als Kriegsgrund
Migration führt zu politischen, sozialen und ökonomischen Umwälzungen. Der Druck auf das noch fruchtbare Land und die übrige Landbevölkerung, die ja die Nahrungsmittel für die Stadtbewohner produziert, nimmt zu – ein Teufelskreis. Die Wüstenbildung gilt denn auch als einer der Hauptgründe für Kriege.
Die Wüstenbildung hat auch für die Umwelt gravierende Konsequenzen: Der Boden vertrocknet und versalzt und kann das Wasser nicht mehr aufnehmen, die Wasserqualität und -quantität sinkt, Flüsse und Wasserstellen verschlammen.
Armut, ein Hauptproblem
Die Gründe für die Wüstenbildung sind komplex, wobei die Armut ein wichtiger Faktor ist. Arme Kleinbauernfamilien sind gezwungen, ihr Land zu übernutzen, um genügend Nahrungsmittel und Brennmaterial sowie ein Einkommen zu erwirtschaften. Die Armut ist sowohl Folge wie auch Grund für die Wüstenbildung.
Umweltschutz hat in der internationalen Politik einen geringen Stellenwert. Eine Landwirtschaft, die auf Export und damit Monokulturen ausgerichtet ist, trägt zur Bodendegradation bei. Zwar spielt der Bevölkerungsdruck auf das Land eine Rolle. Wenn mehr Menschen in einem Gebiet leben, erhöht sich der Druck auf die Ressourcen zwangsläufig. Doch auch die Abwanderung und damit Entvölkerung ganzer Gegenden birgt Gefahren. In Jemen beispielsweise zerfallen die terrassierten Hänge, weil die Bauern in die Ölstaaten abwandern und auf dem Land Arbeitskräfte fehlen.
Nachhaltigkeit als Lösung
Armutsbekämpfung steht im Kampf gegen die Wüstenbildung an erster Stelle. Der Bio-Landbau ist dabei zentral. Weiterbildung auf diesem Gebiet ist für viele Kleinbauern der erste Schritt zum Erfolg. Denn diese Art Landwirtschaft zahlt sich nicht nur für die Umwelt, sondern finanziell auch für die Bauern aus. Wenn die Bauernfamilien beispielsweise lernen, wie sie die Bodenfruchtbarkeit verbessern können, der Erosion Einhalt gebieten und nachhaltig bewässern lernen, ist viel gewonnen.
Millenniumsziel gefährdet
«Wenn wir nicht mehr Mittel in die Armutsbekämpfung und die Bekämpfung der Wüstenbildung investieren, verfehlen wir die Millenniumsziele», sagt Rosmarie Bär von Alliance Sud, der Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke, die das Thema Wüstenbildung bearbeitet. «Wir müssen die Gefahr der Wüstenbildung ernster nehmen», fordert sie. Die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung sei auch ein gutes Instrument zur Armutsbekämpfung, weil sie verlangt, dass die Bevölkerung an den Massnahmen teilnimmt.
Weitere Infos über das UNO-Jahr zur Wüste sind unter www.unccd.int oder http://www.unesco.ch zu finden.