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Mehrere tausend Globalisierungskritiker haben am Dienstag zum Auftakt der sechsten WTO-Ministerkonferenz gegen eine weitere Liberalisierung des Welthandels demonstriert. Die Proteste verliefen im Vergleich zu den Konferenzen in Cancún und Seattle friedlich. Dies, weil die meisten Nichtregierungsorganisation mit Delegationen im Konferenzzentrum vertreten sind und sich an Medienkonferenzen und in Gesprächsrunden Gehör verschaffen können. Und wohl nicht zuletzt auch, weil in Hongkong gemäss Medienberichten 27 000 Polizisten mobilisiert sein sollen, um die Sicherheit der Veranstaltung zu gewährleisten.
Polizei contra Bauern
Trotzdem wurden Menschen leicht verletzt, als Mitglieder der radikalen koreanischen Bauernbewegung Korean Peasants League und die Polizei aneinander gerieten. Mit Helmen, Schilden und Schlagstöcken ausgerüstete Polizisten verhinderten, dass die Demonstranten das am Hafenufer gelegene Kongresszentrum erreichen konnten, wo am Nachmittag die Ministerkonferenz eröffnet wurde. Sie setzten auch Pfefferspray gegen die Demonstranten ein. Diese protestierten aber nicht nur mit einer buddhistischen Choreografie, sie scheuten sich auch nicht vor einem Sprung ins Meer.
Schwimmend protestiert
Etwa 50 der rund 1500 anwesenden südkoreanischen Bauern sprangen ins kalte Wasser des Victoria Harbour, um das Konferenzzentrum schwimmend zu erreichen. Keiner hat es geschafft. Die Bauern wehren sich gegen den Import von billigem Reis, mit dem sie nicht konkurrieren können. Während der Ministerkonferenz 2003 in Cancún (Mexiko) hatte sich einer von ihnen aus Protest das Leben genommen.
Kritik von vielen Seiten
Kritik kommt auch von zahlreichen anderen Nichtregierungsorganisationen. Die Umweltorganisation «Friends of the Earth» kritisierte, dass die im Zuge der WTO-Verhandlungen geplante Liberalisierung des Handels mit Fisch und Holz eine Überfischung der Meere und eine Vernichtung der Wälder zur Folge hätte.
Die Gruppe «War on Want» warf den Industrieländern vor, ihre Forderung nach einer kräftigen Senkung der Industriezölle gefährde in den Entwicklungsländern Millionen von Arbeitsplätzen.
Sprecher des «World Development Movement» sagten, die Industrieländer wollten das Allgemeine Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS) dazu benutzen, die Entwicklungsländer zur Privatisierung ihrer Versorgungsunternehmen zu zwingen.
Leere Pakete verschenkt
Etwa 40 Mitgliedern des globalisierungskritischen Netzwerks Attac gelang es am Dienstag, die Eröffnungszeremonie der WTO-Ministerkonferenz zu stören. Sie skandierten Sprechchöre, hielten Transparente mit Parolen wie «WTO bringt Farmer um» und «WTO tötet Demokratie». Später verteilten Attac-Mitglieder – sinnbildlich für «leere Versprechen der EU und der USA» – leere Weihnachtspakete.
Die Kritik der Globalisierungsgegner dürfte den europäischen Landwirten einer süssen Melodie gleichkommen: Das Öffnen der Märkte im Süden für Industriegüter, Agrarprodukte und Dienstleistungen habe katastrophale Folgen für Gesundheit, Ernährungssicherheit und die Umwelt. Es treffe besonders die ärmsten Menschen. Denn der Abbau von Handelsbegrenzungen erlaube grossen Exporteuren den Ausverkauf natürlicher Ressourcen aus dem Süden und schliesse die lokale Bevölkerung von ihrer Nutzung aus.