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Vogelgrippe

Vogelgrippe-Virus wird gegen Tamiflu resistent

Das Vogelgrippe-Virus kann zu einem neuen Typ mutieren, der gegen das Medikament Tamiflu des Basler Pharmakonzerns Roche resistent ist. Dies berichtet die renommierte Zeitschrift «New England Journal of Medicine».

In Vietnam seien vier von acht Vogelgrippe-Patienten trotz Tamiflu gestorben. Das H5N1-Virus habe bei zwei Patienten eine Resistenz entwickelt, obwohl einer Tamiflu wie empfohlen in einem sehr frühen Stadium der Krankheit eingenommen habe, schrieb Menno de Jong von der Universität Oxford, der in Vietnam arbeitet.

«Diese Studie zeigt erneut, wie bedrohlich das Virus ist», sagte der Virologe John Oxford von der Royal London School of Medicine am Donnerstag dem Sender BBC. Auch andere Grippeviren sind nach Angaben von Anne Moscona von der Cornell University in New York gegen Tamiflu resistent.

Ihr Enzym Neuraminidase - ein Angriffspunkt für Tamiflu - sei verändert. Die Medizinerin warnt davor, Tamiflu aus Vorsorgegründen an gesunde Menschen zu verschreiben. Abhilfe gegen eine Resistenz könnten nach ihrer Ansicht höhere Dosen sowie eine längere Behandlungsdauer schaffen.

WHO wartet ab

Die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf wertete diese Entwicklung nicht als Alarmzeichen. Bei jedem Medikament gebe es Fälle von Resistenzen, sagte der WHO-Grippespezialist Keiji Fukuda am Donnerstag. Weitere Forschungsarbeiten seien aber nötig.

Laut japanischen Forschern hatte im Oktober eine 14-jährige Vietnamesin eine H5N1-Infektion nach der Behandlung mit Tamiflu überlebt. Allerdings wurde danach in ihrem Körper eine gegen das Mittel resistente Virus-Variante gefunden.

Roche reagiert

Roche reagierte sofort auf die Berichte: An einer Telefonkonferenz sagte David Reddy, Leiter der Roche Grippepandemie- Task Force, bisher seien 138 H5N1-Infektion bekannt geworden, von denen 31 mit Tamiflu behandelt wurden.

Am Virus sind seit 2003 71 Menschen in Indonesien, Thailand, Vietnam, China und Kambodscha gestorben. Am stärksten ist Vietnam mit über 40 Toten betroffen.

Am Donnerstag bestätigten die indonesischen Gesundheitsbehörden zwei weitere Todesfälle. Tests der WHO hätten H5N1 bei einem 8- Jährigen und einem 39-Jährigen nachgewiesen. Beide seien Mitte Monat gestorben, hiess es in Jakarta. Damit zählt Indonesien 11 Vogelgrippe-Tote.

Geringe Ansteckungsgefahr

Die Ansteckungsgefahr bei H5N1 ist gering. Experten befürchten aber eine Mutation des Virus zu einer Variante, die direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. In einem solchen Fall könnte sich eine Pandemie entwickeln.

Reddy von Roche sagte dazu, dass eine Mensch-zu-Mensch-Variante weniger aggressiv sein könnte. Es sei aber erforderlich, sich auf ein Worst-Case-Szenario einzustellen.

Genügend Tamiflu und Relenza am Lager?

Falls Tamiflu länger und in grösseren Dosen eingenommen werden muss als bisher angenommen, könnten die Berechnungen der Behörden für Tamiflu-Vorräte falsch sein. Neben Tamiflu kommt auch das Medikament Relenza des britischen Pharmakonzerns Glaxo SmithKline gegen die Vogelgrippe in Frage. Nach Angaben von Moscona gab es bisher keine Relenza-Resistenz.

Zurzeit sind weitere Medikamente und ein Impfstoff in Entwicklung. Das seien aber eher Optionen für die Zukunft, sagte de Jong von der Universität Oxford. Denkbar sei, dass die Krankheit künftig mit einem Medikamenten-Cocktail behandelt werden müsse.


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sda [22.12.05 15:54]