Geflügelpest: von Mensch zu Mensch
Das Geflügelpest-Virus H5N1 ist wahrscheinlich von Mensch zu Mensch übertragbar. Das schliessen Forscher aus der Untersuchung eines Falls vom Sommer 2004 in Thailand.
Ein an der Infektion gestorbenes elfjähriges Mädchen habe mit hoher Sicherheit Mutter und Tante angesteckt, schreibt das amerikanisch-thailändische Team um Kumnuan Ungchusak vom thailändischen Gesundheitsministerium Ende Januar im «New England Journal of Medicine».
Bei der gestorbenen Mutter und der noch lebenden Tante waren mittels Erbguttest die Vogelgrippeviren H5N1 nachgewiesen worden. Das Mädchen war nach seinem Tod eingeäschert worden, so dass ein entsprechender Test fehlt. Für die beiden Frauen jedoch kommt nach Ansicht der Forscher kaum ein anderer Übertragungsweg in Frage.
Opfer hatte keinen Kontakt zu Hühnern
Die Mutter war wegen der Erkrankung ihrer Tochter aus einer anderen Stadt gekommen, um sie zu pflegen. Alle Vögel des Hauses waren vor Ankunft der Mutter getötet worden. Weder in der Wohnung noch an der Arbeitsstelle der Mutter gab es Hühner.
Auch die überlebende Tante hatte keinen Kontakt zu Hühnern, seit sie das letzte getötet hatte - 17 Tage bevor sie Fieber bekam. Das ist länger als die Inkubationszeit von 2 bis 10 Tagen.
Laboruntersuchungen ergaben, dass es sich nicht um eine neue Virenvariante handelt, welche die Fähigkeit zur Übertragung neu erworben hat.
Momentane Entwarnung: Bisher einzige Fälle
Falls sich das Vogelgrippe-Virus jedoch verändern oder mit einem menschlichen Grippevirus vermischen sollte, könnte sich ein äusserst gefährlicher Virentyp entwickeln. Auch die drei Grippepandemien des vergangenen Jahrhunderts (1918, 1957 und 1968) gingen nach Meinung der Forscher wahrscheinlich auf solche Viren zurück.
Übertragungen des Virus von Mensch zu Mensch waren nach früheren WHO-Angaben zwar schon beobachtet worden, etwa 1997 in Hongkong und 2004 in Vietnam. «Dabei handelte es sich dann aber um nicht dauerhafte, nicht wirksame und in einer Sackgasse endende Infektionen», sagte WHO-Grippe-Experte Klaus Stöhr.
Auch die Forscher in Thailand berichten nur von diesen drei betroffenen Menschen. sda