Nach weniger als einem Jahr sind die bürokratischen Hindernisse überwunden: Drei in Alter, Typ und Herkunft unterschiedliche Schweizer Bauern übernehmen zusammen am Samstag einen russischen Landwirtschaftsbetrieb ausserhalb der Stadt Kaluga, rund 150 Kilometer südwestlich von Moskau.
Jakob Bänninger aus Attikon ZH, Josef Lussi aus Ennetmoos NW und Hanspeter Michel aus Bönigen BE übernehmen am 1. Mai 2004 in Kaluga 100 Milchkühe, 150 Stück Nachzucht, einen Boxenlaufstall, verschiedene weitere Gebäude, einen alten Maschinenpark und einen Hofplatz im Halte von 6 Hektaren zu gleichen Teilen in Eigentum.
Rund 300 Hektaren Land müssen sie zupachten, da es Ausländern in Russland weiterhin verwehrt bleibt, Boden ausserhalb von Wohn- und Industriezonen käuflich zu erwerben.
Erster Kontakt auf der Schweizer Bauer Leserreise
Die drei haben sich letzten Sommer auf der Leserreise des "Schweizer Bauer" kennen gelernt. Interessiert an der Aufgabe, abgewirtschaftete Kolchosen mit ihrem Wissen über moderne Rindviehhaltung, Futterbau und Betriebsführung zu «managen», haben sie im November mit dem in Voronesch, rund 500 Kilometer südlich von Moskau ansässigen Hanspeter Rikli noch andere Betriebe im Schwarzerdegebiet besichtigt.
Im Januar 2004 reichten sie aber eine Offerte für den im "Schweizer Bauer" ausgeschriebenen Betrieb Schweizarskoije Moloko (übersetzt: Schweizer Milch) ein. "Der Direktverkauf der Markenmilch und die Nähe zu den Märkten wie Moskau und der aufstrebenden Stadt Kaluga selber haben den Ausschlag gegeben", sagen die drei unisono.
Am 27. April 2004 wurden sie von Nicolai Ermakov, dem Direktor der Schweizer Stiftung Kaluga, welche den Betrieb aufbaute, herzlich empfangen, ebenso von ihrem zukünftigen Personal: zwei Direktoren, fünf Brigadeleitern und 25 Angestellten. An der Organisationsstruktur des Betriebes wollen sie vorerst nichts ändern. Auf einen Dolmetscher und viel Vertrauen angewiesen, versuchen sie zuerst, die Effizienz zu steigern und bei den Russen die Freude am Futterbau und am Vieh zu wecken.
Konkret wollen sie demnächst Kunstwiesen und Mais für eine gute Futtergrundlage ansäen. Der Betrieb soll auf 200 Kühe aufgestockt werden. Dafür möchten sie 70 tragende Schweizer Rinder importieren.