27.04.2012 16:42
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milch
Migros gibt Wiesenmilch auf nationaler Ebene auf
Mit der Lancierung der Terra-Suisse-Wiesenmilch wollten die Migros und IP-Suisse durchstarten. Nach nur acht Monaten wird diese auf nationaler Ebene ausgelistet. Die Migros Aare hält aber an der Labelmilch fest.
3Vor knapp einem Jahr war die Stimmung bei den Vertretern der IP-Suisse euphorisch. Präsident Andreas Stalder erklärte damals dem «Schweizer Bauer», dass man während fünf Jahren auf die Lancierung der Wiesenmilch hingearbeitet habe. Es sei klar, dass die Milch ins Programm einbezogen werden müsse, wolle man die Landwirtschaft als Ganzes betrachten. Erstmals profitieren die Produzenten von grünland-basierter Milch in Form eines Zuschlags von 7 Rappen pro Kilo Milch auf den A-Preis für ihre erbrachten Mehrleistungen.

Kommunikation klappte nicht

Seit Anfang Oktober wird die Labelmilch in den Regalen der Migros angeboten. Der Detailhändler hatte sich zum Ziel gesetzt, jährlich 20 Millionen Kilo (0,5% der Schweizer Milchproduktion) abzusetzen. Eine erste Zwischenbilanz im Februar fiel zwiespältig aus. Der Abverkauf (je 2000 Tonnen) in der Genossenschaft Migros Aare lief ausgezeichnet, jener im nationalen Sektor aber unbefriedigend. Nun zieht die Migros die Reissleine und setzt die Labelmilch Anfang Juli national ab. «Das Produkt war visionär. Offenbar ist es uns noch nicht gelungen, dem Konsumenten den Mehrwert zwischen konventioneller und Terra-Suisse-Wiesenmilch nachvollziehbar aufzuzeigen», sagt der Migros-Pressesprecher, Urs Peter Naef.

Die Lieferverträge  hat die Elsa, der Milchverabeitungsbetrieb der Migros, den rund 50 Produzenten aus der Region La Chaux-de-Fonds in den vergangenen Tagen auf Ende Juni 2012 gekündigt. Diese können ihre Milch nun in den konventionellen Kanal liefern.

Zufriedene Migros Aare

Anders präsentiert sich die Lage bei der Migros Aare. Diese vermarktet die Wiesenmilch einerseits mit dem Zusatz «Aus der Region», anderseits bietet sie im Gegensatz zur restlichen Schweiz (UHT-Milch) die Wiesenmilch zusätzlich als Pastmilch an. Das «Doppellabel», ADR und Terra Suisse, hat sich bewährt. «Wir sind mit dem Abverkauf über  Budget», sagt Rolf Bernhard, Leiter Labels der Migros Aare. Dieser soll 50% über dem Zielwert liegen.

Mit der Kombination Pastmilch (Frische), Regionalität und dem TS-Label könne der Mehrwert vermarktet werden, hält er fest. «Wir sind nach wie vor vom Projekt überzeugt, sonst hätten wir abgebrochen», betont Bernhard. Auch für Naef zeigen die Absatzzahlen der Migros Aare, dass diese Milch einem Kundenbedürfnis entspricht. Doch ADR-Produkte können nur von den einzeln Genossenschaften eingeführt werden.

Hintertüre bleibt offen

Der Geschäftsführer von IP-Suisse, Fritz Rothen, ist über den Rückzug auf nationaler Ebene enttäuscht. Hier hätten die Marktmechanismen ihre Wirkung gezeigt. Die IP-Suisse sei aber vom Projekt weiterhin «felsenfest» überzeugt. Es benötige mehrere Anläufe. Nun gehe man auch andere potenzielle Vermarkter an. Und das Verfütterungverbot von Sojakomponenten für Wiesenmilchproduzenten  wird auf den 1. Januar 2013 vorgezogen.

Dass die Elsa mithalf, die Wiesenmilch abzusetzen, dementiert Naef: «Diese hatte keinen Einfluss auf die Entscheidung.» Eine Hintertüre für das Produkt Wiesenmilch bleibt offen. Einzelne Genossenschaften prüfen, die Wiesenmilch im Pastmilchbereich als regionales Produkt in ihr Sortiment aufzunehmen.

Ein weiteren Bericht zur Wiesenmilch finden Sie in der Samstagausgabe des Schweizer Bauer.
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