8.02.2012 13:59
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milch
Ist die Wiesenmilch gefährdet?
Seit rund vier Monaten sind Wiesenmilch-Produkte in der Migros zu finden. Die Verkäufe fallen regional unterschiedlich aus. In den kommenden Wochen entscheidet sich, ob es die Wiesenmilch auch künftig zu kaufen gibt.

Der Optimismus war gross, als im vergangenen Jahr die Idee der Wiesenmilch von der IP-Suisse in Zusammenarbeit mit der Migros initiiert wurde. Milch aus grünlandbasierter Fütterung sollte endlich einen Mehrwert erhalten. Für die erbrachten Mehrleistungen werden dem Milchproduzenten auf dem A-Preis 7 Rappen mehr je Kilo ausbezahlt.

Preissenkung um 10 Rp.

Nach monatelanger Vorbereitung kamen die Wiesenmilch-Produkte (Past-, Hochpast-, UHT-Milch sowie Rahm) Anfang Oktober in die Regale des Grossverteilers. Zu Beginn konnten rund 100 Bauern, 50 in der Region Aarau und 50 in der Region La Chaux-de-Fonds, Wiesenmilch liefern. Die Milch der Bauern im Aargau fand ihre Käufer im Einzugsgebiet der Migros Aare, jene aus dem Neuenburger Jura in der übrigen Schweiz.

Die Milchmenge wurde von der Migros bei Programmstart auf 20’000 Tonnen angesetzt. Ziel sei es, «im Massengeschäft nachhaltige, ökologische Produkte anbieten zu können».

Erste Kratzer erhielt die Wiesenmilch rund 14 Tage später. Kunden beschwerten sich, dass die Migros zugunsten der Wiesenmilch die «normale» Milch aus dem Sortiment kippte. Der «Blick» mutmasste, dass der Verkaufspreis mit Fr.1.55 zu hoch sei. Die Migros krebste zurück, senkte den Preis um 10 Rappen, für die Reduktion kam sie selber auf. Zudem wurden die verdrängten Milchsorten wieder ins Sortiment aufgenommen.

«Wären bereit für mehr»

Wie sieht es vier Monate nach Verkaufsstart aus? Haben sich die Erwartungen erfüllt?

«Der Start ist den Erwartungen entsprechend ausgefallen. Um eine definitive Bilanz zu ziehen, ist der Zeitrahmen noch zu kurz», sagt Peter Althaus, Projektleiter Terra Suisse von der IP-Suisse, gegenüber dem «Schweizer Bauer». Er erklärt, dass es bei den Produzenten kleine Verschiebungen gegeben habe. So würde nun mehr Milch für die Migros Aare, aber weniger für die Elsa produziert. In den Regionen Aarau und Neuenburg seien weitere 60 Betriebe interessiert, ihre Milch im Kanal Terra Suisse Wiesenmilch zu vermarkten. «Wir wären sehr froh, wenn wir noch mehr Wiesenmilch absetzen könnten», erklärt Althaus. 

Wäre es auch eine Option, andere Detailhändler mit Wiesenmilch zu beliefern? «Die IP-Suisse verkauft Käfer-Produkte nicht nur an die Migros, sondern auch an andere Detailhändler. Im Moment ist dies aber kein Thema», stellt Althaus klar.

Die Bilanz der Migros nach dem Verkaufsstart fällt unterschiedlich aus. Gesamtschweizerisch konnten bisher 4000 Tonnen abgesetzt werden. Die Abverkäufe unter dem Programm «Aus der Region. Für die Region.» der Migros Aare entwickeln sich erfreulich, die nationalen Zahlen liegen aber unter den Erwartungen. Weitere Produkte in der Wiesenmilch-Schiene sind derzeit nicht geplant.

Migros Aare zufrieden

Rund die Hälfte der Menge wird in der Migros Aare verkauft. «Der Start war eine grosse Aufgabe. Mit der Umstellung der ADR-Milch auf Wiesenmilch konnten nun Mehrwertargumente kommuniziert werden», sagt Rolf Bernhard, Leiter Labels der Migros Aare. Man habe keine Verschiebungen unter den Milchsorten feststellen können, generell sei eine Zunahme der Labelmilch zu beobachten. Auffallend war, dass die Marketingbestrebungen in den Läden der Migros Aare ausgeprägter waren als in der übrigen Schweiz. «Regionalität ist ein Kernwert und besitzt hohe Priorität», betont Bernhard. Kritik an den übrigen Genossenschaften übt er nicht. Bernhard hält fest, ADR-Produkte hätten sich erfolgreich entwickelt, die Wachstumsraten seien zweistellig.

Wie geht es weiter?

Nach Recherchen des «Schweizer Bauer» steht aber das Projekt Wiesenmilch auf wackeligen Beinen. In den kommenden Wochen werden die Vertreter der IP-Suisse und der Migros über die Zukunft dieser Milch entscheiden. «Für die Migros Aare ist ein Stopp keine Option», sagt Bernhard. Vorsichtiger drückt man sich am Hauptsitz aus.«Die Aufgabe der Wiesenmilch ist gegenwärtig kein Thema», sagt Pressesprecherin Monika Weibel. Doch was hat der Einschub «gegenwärtig»zu bedeuten?


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