29.01.2012 16:16
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Rive-Reine-Tagung
«Bei Swissness haben wir uns mit Nestlé gefunden»
Streng geheim ist sie, die Rive-Reine-Tagung von Nestlé. Geladen sind Schwergewichte aus Politik und Wirtschaft. Dabei war auch Bauernverbands-präsident Hansjörg Walter. Er erklärt, weshalb er dabei war.

«Schweizer Bauer»: Letzte Woche nahmen Sie an der Rive-Reine-Tagung des Nahrungsmittelmultis Nestlé teil. An keiner anderen Tagung trifft sich so viel Schweizer Macht, und von keiner anderen Tagung weiss man so wenig. Weshalb waren Sie eingeladen?
Hansjörg Walter: Nestlé betrachtet den Schweizerischen Bauernverband als wichtigen Wirtschaftspartner. Deshalb sind entweder Direktor oder Präsident jeweils an diese Tagung eingeladen. Sie sind an einer guten Beziehung mit uns interessiert.

Die Tagung ist sehr umstritten. Haben Sie kein Problem gesehen, daran teilzunehmen?
Überhaupt nicht. Umstritten ist sie nur, weil die Medien nicht dabei sein sollen. Die Tagung ist breit abgestützt, und es findet ein wichtiger Austausch statt.

2007 stand die Landwirtschaftspolitik ganz oben auf dem Programm. War das auch dieses Jahr der Fall?
Nein, dieses Jahr standen vor allem währungspolitische Fragen auf dem Programm.

Nestlé fordert eine möglichst radikale Liberalisierung der Agrarmärkte und die Öffnung der Grenzen, damit sie ihre Rohstoffe billiger beschaffen können. Das ist nicht gerade im Interesse der Bauernfamilien.
Ein Nahrungsmittelkonzern hat halt diesbezüglich andere Ansichten als die Bauern. Nestlé als globaler Player ist interessiert an offenen Grenzen, was normal ist. Umso wichtiger ist es, dass wir uns mit ihnen austauschen dürfen. Nestlé war etwa sehr kritisch gegenüber der Swissness-Vorlage. Ich glaube, wir haben uns aber diesbezüglich gefunden.

Gefunden?
Ich spüre, dass Nestlé mit der neu vorgeschlagenen Lösung leben kann. Sie werden nicht Fundamentalopposition gegen den Vorschlag machen, der einen Rohstoffanteil von 80 Prozent bei wenig verarbeiteten und 60 Prozent bei hochverarbeiteten Produkten vorsieht.

Sie sind dieses Jahr auch Nationalratspräsident. Gefällt ihnen dieser Job?
Ich leite von Natur aus sehr gerne Sitzungen. Deshalb hatte ich riesig den Plausch, die Wintersession zu führen, und darf mit Stolz sagen, dass alles sehr gut ablief. Die zweite schöne Seite ist, dass mir dieses Mandat sehr viele wertvolle Kontakte eröffnet. Ich habe mit sehr vielen Schweizer, aber auch internationalen Persönlichkeiten Kontakt. Aktuell bin ich am World Economic Forum (WEF). Auch hier kommen sehr viele Leute auf mich zu.

Können die Bauern davon profitieren, dass Sie der höchste Schweizer sind?
Ich glaube nicht, dass die Bauern direkt profitieren. Sicher profitiert aber die Landwirtschaft indirekt davon. Es zeigt, dass die Landwirtschaft politisch sehr gut verankert ist. Jean-René Germanier war als Bauernvertreter bereits Nationalratspräsident, und Bäuerin Maya Graf wird auf mich folgen. Gerade beim Zusammentreffen mit Kollegen aus dem Ausland wurde mir immer wieder gratuliert und gesagt, wie beeindruckend es sei, dass ein Landwirt ein solches Amt ausüben könne.

Ihre politisches Engagement ist nur dank Anpassungen im Bauernverband möglich. Läuft dort alles wie gewünscht?
Es macht mir besonders grosse Freude, zu sehen, mit welchem Elan die Vizepräsidenten Josef Dissler und Fritz Glauser mich vertreten. Die Zusammenarbeit funktioniert auf allen Ebenen sehr gut.

Vielleicht noch eine Frage zur künftigen Agrarpolitik. Es sieht danach aus, als käme der Bundesrat in seiner Botschaft zur AP2017 dem Bauernverband entgegen. Sind Sie zufrieden?
Die Vorlage wurde jetzt von einem neuen Bundesrat und einem neuen BLW-Direktor überarbeitet. Es ist also normal, dass es Anpassungen gibt. Wir sind natürlich froh, dass die Anpassungen mehrheitlich in unserem Sinne sind. Allerdings ist es keinesfalls so, dass all unseren Forderungen vollumfänglich aufgenommen wurden. Es gibt nach wie vor noch einigen Korrekturbedarf!

Der personelle Wechsel im BLW und im Bundesrat ist also positiv zu werten?
Darüber möchte ich nicht urteilen: Neue Leute bringen neue Ansichten.

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