11.09.2012 17:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Markus Spuhler
KernObstbau
Wer stösst Golden Delicious vom Apfelthron?
Im Segment der gelbfruchtigen Sorten führt an Golden Delicious kaum ein Weg vorbei. Die Sorte ist zwar schon sehr alt und hat gewisse Mängel. Sie zu ersetzen, ist aber dennoch alles andere als einfach.

Seit mehreren Jahrzehnten ist Golden Delicious im Erwerbsanbau die alles dominierende Apfelsorte. Für viele Konsumenten ist Golden über die Jahre zur Ikone geworden. Den Erfolg verdankt die Sorte ihrem ansprechenden Äusseren, der Süsse und ihrem angenehmen, ausgewogenen Aroma. Produzenten und Handel schätzen Golden Delicious aufgrund seiner Ertragssicherheit und der guten Lagerfähigkeit. Man kennt die Sorte mittlerweile mit all ihren Eigenheiten sehr gut, sodass man keine bösen Überraschungen mehr in Kauf nehmen muss.

Zwar sank der Marktanteil  von Golden Delicious in der Schweiz in den letzten Jahren stetig, während die Produktion von Gala, Braeburn und neuen Clubsorten kontinuierlich stieg. Dazu kommt eine ganze Serie von Sorten, die eng mit Golden verwandt sind wie etwa Gala, Jonagold, Maigold, Elstar, Pink Lady oder Pinova. Mengenmässig macht Golden Delicious aber noch immer über 50 Prozent aus.

Besser als sein Ruf

Totgesagte leben bekanntlich länger. Die schlechte Presse, die Golden Delicious in seiner Geschichte immer wieder mal hatte, verdient die Sorte so nicht. Doch hat Golden wie jede Sorte auch ihre Schwächen. In den letzten Jahren wurden Apfelsorten neu in den Markt eingeführt, die bezüglich Festigkeit und Knackigkeit bei den Konsumenten besser ankommen als Golden Delicious. Ein altbekanntes Problem ist auch die Berostung der Früchte, die bei Golden in manchen Jahren in klimatisch etwas weniger bevorzugten Lagen zu schaffen macht. Sie ist mit ein Grund dafür, dass sich in den letzten Jahren der deutlich glattschaligere, aber eben auch grünere Golden-Klon Reinders mehr und mehr gegen den herkömmlichen Klon B durchgesetzt hat. Werden solche Früchte etwas knapp reif geerntet und allenfalls noch mit dem Reifehemmer 1-MCP behandelt, liegt schnell mal ein Apfel im Laden, der unreif aussieht und schwach im Aroma ist.

Aussichtsreicher Kandidat

Nebst diesen Qualitätsaspekten hat Golden auch im Anbau trotz unbestrittener Stärken einzelne Schwächen. Einerseits die Schorfanfälligkeit, die es in nassen Jahren wie 2012 nicht immer einfach macht, makellose Früchte zu produzieren, und andererseits macht seit neuester Zeit der Feuerbrand zu schaffen, auf den der Golden Delicious ziemlich anfällig ist.  Schon seit geraumer Zeit suchen Züchter und Sortenprüfer nach einem gelben Apfel, der den Golden Delicious zumindest teilweise ablösen könnte. Er sollte dessen  Nachteile nicht aufweisen und dank Resistenzen gegen wichtige Krankheiten erst noch umweltschonender angebaut werden können. Dieses Unterfangen ist alles andere als einfach. Die Ansprüche sind von allen Seiten sehr hoch, kaum ein Kandidat kann in allen Bereichen überzeugen. Die Markteinführung von neuen Apfelsorten ist zudem mit hohem finanziellem Aufwand verbunden, ohne dass damit ein Erfolg garantiert wäre.

Ausführlich untersucht werden etwa die tschechischen Züchtungen Opal (Sortenbezeichnung ÚEB 32642 cv), Luna und Sirius. Sie stammen alle aus TopazGolden-Delicious-Kreuzungen, die vom Züchter Jaroslav Túpy am Institut für experimentelle Botanik der Universität Prag durchgeführt wurden.

Gelbe Sorten im Test

Simon Egger, Kernobstsorten-Prüfer bei Agroscope ACW, hat kürzlich in einer Konsumentenbefragung Opal und Sirius, zwei dieser schorfresistenten Kreuzungen, mit Golden Delicous verglichen. Dabei schmeckte Opal dank seinem süss-fruchtigen Aroma und dem festen, saftigen Biss vielen Konsumenten besser als Golden Delicious. Weniger gut beurteilt wurde sein Aussehen. Die gelbe Grundfarbe von Opal weckt bei einzelnen Konsumenten die Assoziation zu überreifen Früchten.

Auch die teilweise leichte Berostung von Opal-Früchten führte dazu, dass die Sorte im Test etwas weniger gut beurteilt wurde. «Es zeigte sich aber auch, dass selbst ein Teil derer, die Golden Delicious normalerweise nicht mögen, Opal durchaus kaufen würden, wenn sie wüssten, wie gut er schmeckt», sagt Egger. Im Anbau besticht Opal mit seiner Robustheit gegenüber Schorf und Feuerbrand, dem frühen Ertragseintritt und seiner Produktivität. Sirius wurde von einem Teil der Konsumenten als zu säuerlich bezeichnet, während er bei der optischen Beurteilung mit seiner grüngelben Grundfarbe gut abschnitt.

Anbautechnik wichtig

Egger schätzt das Potenzial von Opal als sehr gut ein, räumt aber auch ein, dass es noch weiterer Versuche zur Optimierung der Sorte bedarf. «Wir haben beobachtet, dass gut besonnte Früchte an kräftigem Fruchtholz sehr attraktiv aussehen und Spitzenqualität aufweisen. Der Schlüssel zum Erfolg könnte in einer entsprechenden offenen Baumerziehung liegen», so Egger weiter. Doch geht daneben auch die Suche nach  Alternativen im gelbfruchtigen Segment weiter. In Prüfung stehen etwa die französische Züchtung Dalitron und neuere Zuchtnummern aus der Schweiz und Belgien, die noch nicht einmal einen Sortennamen haben. Schon länger im Versuchsanbau ist die französische Züchtung Tentation. Und aus dem Südtirol konnte man kürzlich positive Berichte zur chinesischen Sorte Shinano Gold lesen.

Neue Golden-Klone

«Bis anhin weist aber keine dieser Sorten wirklich das Profil von Golden Delicious auf», sagt Daniel Hofmann, Leiter des Centre Fruitier von Fenaco in Perroy VD. Deshalb sei es momentan auch gar nicht das Ziel, Golden Delicious zu ersetzen. Vielmehr suche man nach neuen Golden-Klonen, die die Mängel der etablierten Klone teilweise beheben. Eine Alternative zum zwar berostungsarmen, aber oft zu grünen und spitzförmigen Klon Reinders kommt aus dem Südtirol. Der Klon Golden Parsi (da rosa) ist nach ersten Beobachtungen weniger berostet als Klon B. In den Anbaueigenschaften dürfte er ähnlich sein wie die bisherigen Klone. Doch ist es für eine abschliessende Beurteilung noch zu früh. Es ist anzunehmen, dass auch bei Züchtern die Suche nach Alternativen zum Golden vorderhand noch weitergeht.

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